Prozessauftakt um grausamen Dreifachmord in Zwiesel: 39-Jähriger soll Opfer erstickt und erschlagen haben, um sich zu befriedigen
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Prozessauftakt um grausamen Dreifachmord in Zwiesel 39-Jähriger soll Opfer erstickt und erschlagen haben, um sich zu befriedigen
1. Oktober 2026, 14:07 Uhr |
Lesezeit: 4 Min.

Der Fall in seiner ganzen Ungeheuerlichkeit sorgt für großes Interesse. Zum Prozessauftakt im Landgericht Deggendorf bleibt im Sitzungssaal kein Platz frei. Der Angeklagte schweigt.
Von Alexander Kappen, Deggendorf
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Es muss ein grausiges Bild gewesen sein, das sich den Polizisten in einem Mehrfamilienhaus im niederbayerischen Zwiesel (Landkreis Regen) geboten hat. Im Sommer 2025 entdeckten Beamte dort drei Leichen. Die Opfer waren erstickt beziehungsweise erschlagen worden, der Oberkörper einer der Toten befand sich im Kühlschrank. Der Anklage zufolge soll ein Nachbar zwei Frauen, 22 und 26 Jahre alt, in seiner Wohnung getötet haben, um sich dabei sexuell zu befriedigen. Als der Lebensgefährte der 22-Jährigen, der ebenfalls in dem Haus wohnte, nach ihr suchte, soll der Angeklagte auch ihn ermordet haben.
Seit Donnerstag muss sich der 39-Jährige am Landgericht Deggendorf verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm dreifachen, jeweils heimtückischen Mord vor. Für das Verfahren sind bis 19. November insgesamt zehn Verhandlungstage anberaumt worden. Es sollen 34 Zeugen und fünf Sachverständige gehört werden. Familienangehörige der Opfer nehmen als Nebenkläger an dem Prozess teil.
Zum Prozessauftakt am Donnerstag bildet sich bereits eine Stunde vor Verhandlungsbeginn eine lange Schlange vor dem Gerichtsgebäude. Im rappelvollen Sitzungssaal bleibt kein Platz frei. Der Fall in seiner ganzen Ungeheuerlichkeit sorgt in der Bevölkerung für großes Interesse. Der Anklagte wird in Hand- und Fußfesseln in den Saal geführt. Grauer Anzug, dunkles Cap, eine blaue Mappe vorm Gesicht. Als der Staatsanwalt die Anklage vorträgt, sitzt der 39-Jährige wie auch im weiteren Verlauf der Verhandlung mit gesenktem Blick neben seinem Verteidiger und einer Dolmetscherin. Den Sichtkontakt zu den Nebenklägern meidet er.
Die Anklageverlesung ist nicht nur für die Angehörigen der Opfer schwer zu ertragen. Was die Staatsanwaltschaft dem 39-Jährigen vorwirft, ist an Grausamkeit kaum zu überbieten. Mit der ersten Frau soll er, nachdem diese sich mit ihrem Freund gestritten hatte, in seiner Wohnung Drogen, Medikamente und Alkohol konsumiert haben. Dabei entwickelte der Angeklagte laut Staatsanwalt sexuelle Gefühle für sie. Um sich zu befriedigen, soll er sie dann bis zu deren Tod gewürgt und mit einem Kabel gedrosselt haben. Die Leiche soll der Angeklagte mit einem Messer zerteilt und im Kühlschrank beziehungsweise in einer Sporttasche im Wald abgelegt haben.

Auch die zweite Nachbarin, 22, soll der Mann getötet haben, um sich zu erregen, als diese wegen Problemen mit der Stromleitung im Haus zu ihm in die Wohnung gekommen sei. Laut Anklage schlug er ihr mit einer Bierflasche und mindestens 13 Hammerschlägen auf den Kopf und umwickelte den Kopf mit Frischhaltefolie, um die Frau zu ersticken. Zuvor soll der Mann unter anderem wieder Medikamente genommen haben. Auch diese Frau und ihr Freund waren offenbar dem Drogenmilieu zuzuordnen.
Als der 56-jährige Lebensgefährte der Frau nach ihr suchte, soll der Angeklagte, um seine Tat zu verdecken, auch ihn getötet haben, indem er mit einem Hammer auf ihn einschlug, ihm Stichverletzungen zugefügte und ihn mit einem Kabel würgte. Einige Tage später fuhr der Angeklagte nach Österreich, wo er sich stellte.
Mitte Juli 2025 tauchte er bei der Polizei in Linz in Oberösterreich rund 150 Kilometer südöstlich von Zwiesel auf und sagte, er habe drei Menschen getötet. Tatsächlich fanden Polizisten dann an seiner Wohnadresse die Leichen von zwei Frauen und einem Mann sowie abgetrennte Leichenteile.
Der Angeklagte will nach Angaben seines Anwalts im weiteren Verlauf des Prozesses noch eine Aussage machen
Zum Prozessauftakt am Donnerstag äußert sich der Angeklagte zu all dem nicht. Sein Mandant werde sich grundsätzlich zu den Vorwürfen im Laufe der Verhandlung einlassen, kündigt sein Verteidiger an, „aber nicht heute“. Zum jetzigen Zeitpunkt sei dem 39-jährigen Slowaken das noch nicht möglich, da er die E-Akte zu spät erhalten und die nötigen Wörterbücher, „um die Anklage für sich lesbar zu machen“, nicht erhalten habe.
Zudem sei er nach 15 Monaten Untersuchungshaft, der ersten drogenfreien Phase nach langer Zeit, gerade erst dabei, sich zu stabilisieren und psychisch noch nicht zu der Aussage in der Lage. Der Kopf des Angeklagten wurde laut Verteidiger in der U-Haft „zunehmend klarer und ihm wurde bewusst, was er nach Aktenlage offenbar Furchtbares getan hat“.
Der Vater einer der Getöteten berichtet als Zeuge, wie seine Tochter in einer Diskothek einst einen Mann kennenlernte und durch diesen in die Drogenszene rutschte: „Das war ihr Untergang“. Das Tragische: „Das mit dem Drogenkonsum ist besser geworden. Sie hatte eine Psychotherapeutin und wollte eine Therapie machen – aber es ist nicht mehr so weit gekommen.“
Der getötete Nachbar kam mit dem Angeklagten laut Zeugen gut aus
Den Angeklagten, mit dem ihr Lebensgefährte offenbar gut auskam, habe seine Tochter ihm gegenüber als einen „Damischen“ bezeichnet. „Sie hat nur mal kurz erzählt, dass er seine Fenster verdunkelt, laute Musik hört und unheimlich ist.“ Streitigkeiten jeglicher Art habe sie mit dem Angeklagten aber nicht gehabt. Bis heute leidet der Vater unter dem Tod seiner Tochter. Mit der Situation komme er „überhaupt nicht zurecht“, er arbeite quasi jeden Tag, „um das zu verdrängen“.
Auch die Mutter der Getöteten kämpft nach wie vor mit dem Geschehenen. „Ich weiß, dass es passiert ist, aber ich kann es nicht akzeptieren.“ Es gebe bessere und schlechtere Tage, berichtet sie sichtlich angefasst.
Die Mutter des getöteten Manns schildert dem Gericht, wie auch ihr Sohn in die Drogenszene gerutscht sei und einfach „den Absprung nicht geschafft“ habe. Zum Angeklagten habe ihr Sohn ein gutes Verhältnis gehabt, „sie haben das Essen geteilt und ich habe ihn auch mal in seiner Wohnung gesehen“. In ihrer Erklärung, die sie schriftlich vorbereitet hat, berichtet sie, wie sie täglich versuche, „mich ins Leben zurückzukämpfen“. Sie habe ihren Sohn „auf brutale Weise verloren, ich komme nicht hinweg über die Sache“.
© SZ/dpa – Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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