Zoff in Würzburg: Sollen Lehrer für Schulparkplätze zahlen?

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Por Von Olaf Przybilla, WürzburgTop – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

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Würzburgs Stadtrat hat in der Nacht vor dem letzten Schultag beschlossen, dass Lehrkräfte fürs Parken an der Schule künftig zur Kasse gebeten werden – und damit eine Grundsatzdebatte losgetreten.

Von Olaf Przybilla, Würzburg

Christian Raith ist einer, der seine Worte wägt. Beim Thema kostenpflichtige Lehrerparkplätze aber glaubt man förmlich zu hören, wie dem Schulleiter des Würzburger Wirsberg-Gymnasiums der Puls steigt. In der letzten Sitzung vor der Sommerpause hat der Stadtrat beschlossen, an Würzburger Schulen, für deren Liegenschaften die Stadt zuständig ist, Parkplatzgebühren für Lehrkräfte einzuführen. Tagesordnungspunkt 34 im Ratssaal war das, laut Protokoll endete die Sitzung um 23.31 Uhr.

Letzter Sitzungstermin im Stadtrat, gleichzeitig war das der vorletzte Schultag. Die meisten der betroffenen Lehrkräfte dürften von der Kunde exakt am ersten Tag der Sommerferien erfahren haben. Das aber, sagt Raith, erwecke mindestens den Anschein von „Kalkül“. Raith hat Politologie studiert. Hätte er freilich nicht müssen, um zu wissen, dass sich organisierter Widerspruch in Ferienfliegern oder Autobahnraststätten nicht so einfach koordinieren lässt. Zumal die Schulen offenbar kalt erwischt wurden. Er wüsste nicht, sagt der Direktor, dass mit jemandem aus der Schulfamilie zuvor mal Grundsätzliches abgeklärt worden wäre.

Mit dem Beschluss über Lehrerparkplatzgebühren ist Würzburg in Bayern weit vorne. Im oberbayerischen Herrsching, an einem Landkreis-Gymnasium, gibt es gerade eine ähnliche Debatte, da aber wurde neu gebaut. Was man über das Wirsberg-Gymnasium nicht sagen kann, im Gegenteil. Im Juli sind dort zwei kiloschwere Steinplatten aus der Fassade gebrochen. Verletzt wurde niemand, die Platten krachten außerhalb der Schulzeit herunter. Seither aber ist das Haus umzäunt, damit sich niemand der bröckelnden Fassade nähert. Schaut man nicht richtig hin, könnte man das am Main gelegene Gymnasium aus der Entfernung für eine exklusive Haftanstalt mit Festungsblick halten.

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Das, sagt Raith, seien so die Verhältnisse, mit denen man zu kämpfen habe. Hätten aber alle mit Gleichmut ertragen, ist halt so. Jetzt aber? Natürlich gehe es auch um Geld, aber eben nicht nur. Wobei die maximal 600 Euro jährlich pro Parkplatz für Oberstudienräte fraglos einigermaßen zu tragen seien – für Kräfte der Schulverwaltung schon deutlich weniger. Noch mehr aber sorge die Symbolkraft für Unmut, sagt der Schulleiter. Die Zäune am Haus. Die Kommunikation. Der schwer verdauliche Termin. In Kombination komme das an der Schule nicht als „Wertschätzung“ an. Eher im Gegenteil.

Was den einen, wohl wesentlichen Punkt betrifft, hat sich die Stadt für eine offensive Fehlerkultur entschieden. Der Beschlusstermin im Rathaus, keine 24 Stunden, bevor an den Schulen die Türen geschlossen werden? Das sei eindeutig „blöd“ gelaufen, sagt ein Stadtsprecher. Man betone aber, dass der Grund dafür absolut kein Kalkül gewesen sei, eher eine „Verquickung unglücklicher Umstände“. Erst fehlten noch Unterlagen, dann sollte der Plan zügig umgesetzt werden, immerhin würde das Geld – voraussichtlich 150 000 Euro pro Jahr für 780 Parkplätze – der Stadt gut zu Gesicht stehen. Es gibt Kommunen in Franken, die noch weniger auf Rosen gebettet sind. Aber in Würzburg klemmt’s schon auch.

Zumal die Stadt ihre Beschäftigten, etwa im Umkreis des Rathauses, schon lang zur Kasse bittet. Und es da Angestellte gebe, die nicht selten höchstens die Hälfte verdienten, verglichen mit Lehrkräften. Es gehe also auch um Gerechtigkeit. Für den Zeitpunkt des Beschlusses hat die Stadt um Verzeihung gebeten. Am grundsätzlichen Plan aber hat der Stadtrat auch bei der Wiedervorlage nach den Ferien festgehalten. Auch wenn die Lehrkräfte derzeit noch nicht zahlen müssen. Dafür fehlen noch verwaltungsmäßige Voraussetzungen.

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Ob danach viel übrigbleibt von den 150 000 Euro? Schulleiter Raith ist da skeptisch. Auch den Vergleich mit den städtischen Angestellten hält er für schräg. Am Wirsberg-Gymnasium, an anderen betroffenen Schulen seien ja nicht Stadtangestellte beschäftigt – sondern Beamte. Und an Würzburger Schulen, für deren Liegenschaft der Freistaat zuständig ist, zahlten Lehrkräfte künftig keine Gebühr. Zumal die Kunde von der klammen Stadt im Notbetrieb sicherlich eindrücklicher zu verkaufen gewesen wäre, hätte der Stadtrat in jener Sitzung vor den Ferien nicht unter Tagesordnungspunkt sechs – 28 Punkte vor TOP Schulparkplatz – einen Grundsatzbeschluss zur geplanten „Multifunktionshalle“ getroffen. Kein so ganz billiges Projekt.

Am Main wird also wieder um Parkplätze gestritten. Als der jetzige Rathauschef Martin Heilig, selbst ehemaliger Lehrer, noch nicht erster Grünen-OB in Bayern war, sondern Würzburger „Klimabürgermeister“, hatte er schon einmal ausgiebig Ärger damit. Damals ging es um geplante Gebühren am Großparklatz „Talavera“. Der verlorene Bürgerentscheid dazu hallte noch im vergangenen OB-Wahlkampf nach. Kommunikativ habe er daraus gelernt, sagte Heilig. Und gewann triumphal.

Dass daran gearbeitet werden soll, Menschen zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu bewegen, dafür hat Schulleiter Raith volles Verständnis. Dass dergleichen bei allfälligem Transport von Unterrichtsmaterialen für manche schwierig, für Lehrkräfte mit Unterricht an mehreren Schulen sogar kaum machbar sei, darauf aber wolle er schon hinweisen. Und hätte dies gerne in Gesprächen vor dem Stadtratsbeschluss getan.

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