Russland und Japan: In Handschellen direkt nach Moskau

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Por Von Silke Bigalke und David Pfeifer, Berlin/Tokio — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

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Russland und Japan In Handschellen direkt nach Moskau

16. Oktober 2026, 14:52 Uhr |

Lesezeit: 4 Min.

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Ein japanischer Fernsehsender berichtet von der Festnahme eines Journalisten der Zeitung Hokkaido Shimbun  auf den russischen Kurilen-Inseln.
Ein japanischer Fernsehsender berichtet von der Festnahme eines Journalisten der Zeitung Hokkaido Shimbun auf den russischen Kurilen-Inseln. Foto: RIE KIKUCHI/AFP

Zusammenfassung

  • Der russische FSB hat den japanischen Journalisten Yuki Imai auf Sachalin wegen angeblicher Spionage festgenommen und in Untersuchungshaft gesperrt.
  • Tokio wertet die Festnahme als Strafaktion Moskaus, da Japan die Ukraine unterstützt und seine Verteidigungsausgaben massiv erhöht hat.
  • Japan hat den russischen Botschafter einbestellt und fordert eine faire Behandlung Imais; Russland droht, die Beziehungen würden sich weiter trüben.

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Russland hat auf einer Insel einen japanischen Journalisten wegen Spionageverdachts festgenommen. Will der Kreml ihn als Druckmittel gegenüber Tokio benutzen?

Von Silke Bigalke und David Pfeifer, Berlin/Tokio

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Es war eine eher brachiale Festnahme, Videoaufnahmen davon verbreiteten sich in den russischen Medien: Drei vermummte Mitarbeiter des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB stürmen ein Hotelzimmer, drücken einen jungen Mann zu Boden, einen japanischen Journalisten, der auf die Insel Sachalin in Russlands Fernem Osten gereist war.

In dem Video muss der Journalist sein Notebook für die Männer einschalten und sein Handy entsperren. Der FSB filmt seinen Pass, den Inhalt seines Koffers, er filmt das Verhör und die Fahrt zum Flughafen. In Handschellen wird der Japaner nach Moskau gebracht, was darauf hinweist, dass der Haftbefehl direkt aus der russischen Hauptstadt kam.

Medwedjew forderte, man müsse „den Austauschfonds mit europäischen und amerikanischen Idioten auffüllen“

Im Video ist sein Gesicht verpixelt, russische Nachrichtenagenturen aber veröffentlichten den Namen des Gefangenen: Yuki Imai, 34 Jahre alt, Korrespondent für die japanische Regionalzeitung Hokkaido Shimbun und offiziell vom russischen Außenministerium akkreditiert. Trotzdem wirft ihm der FSB nun „Spionage zugunsten eines japanischen Geheimdienstes“ vor. Yuki Imai soll angeblich Informationen über Teilnehmer an der „militärischen Spezialoperation“ gesammelt haben, behauptet der FSB, also über Kämpfer in Russlands Krieg gegen die Ukraine.

Auf Videoaufnahmen ist die Verhaftung des japanischen Journalisten Yuki Imai zu sehen.
Auf Videoaufnahmen ist die Verhaftung des japanischen Journalisten Yuki Imai zu sehen. TATYANA MAKEYEVA/AFP

Es ist nicht das erste Mal seit Moskaus offenem Angriff auf die Ukraine, dass es einen akkreditierten, ausländischen Journalisten einsperren lässt. 2023 nahm der FSB den Amerikaner Evan Gershkovich fest, der später wegen angeblicher Spionage zu 16 Jahren Haft verurteilt wurde. Gershkovich kam 2024 im Rahmen eines großen Gefangenenaustausches frei. Wladimir Putin konnte damit Wadim Krasikow freipressen, der 2021 in Berlin wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden war.

Dass der Kreml Gefangene mitunter als Druckmittel für seine politischen Ziele einsetzt, ist kein Geheimnis. Man müsse „den Austauschfonds mit europäischen und amerikanischen Idioten auffüllen“, schrieb Dmitrij Medwedjew, stellvertretender Chef von Putins Sicherheitsrat, erst vergangene Woche auf Telegram. Kurz zuvor war ein bekannter russischer Kriegsblogger in Montenegro festgenommen und später nach Russland ausgewiesen worden.

Auch Japan gehört aus russischer Sicht zu den „unfreundlichen Staaten“, genau wie die USA und Deutschland. Dass es sich bei der Festnahme um eine Strafaktion Moskaus handelt, daran besteht in Tokio kein Zweifel. Die Frage ist nur, wer für was bestraft werden soll. Kabinettschef Minoru Kihara erklärte am Freitagmorgen in Tokio, der japanischen Regierung sei es noch nicht gelungen, Kontakt zu dem Reporter der Hokkaido Shimbun aufzunehmen.

Sachalin liegt auf den Kurilen, die Japan für sich beansprucht

Shimbun bedeutet auf Japanisch schlicht Tageszeitung, Hokkaido wiederum ist die nördlichste der Hauptinseln Japans, die am nächsten zu Russland liegt; je nach vorgelagerter Insel sind es nur wenige Kilometer. Die Selbstverteidigungskräfte (SDF), wie die durchaus schlagkräftige japanische Armee nach einer Friedensverpflichtung seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs genannt wird, haben hier große Truppenkontingente stationiert. Erst im September hielten die SDF gemeinsam mit der alliierten US Army auf Hokkaido Manöver mit dem Namen „Orient Shield“ ab.

Das russische Außenministerium protestierte damals gegen die Übungen, bei der die japanische und die amerikanische Armee mobile US-Raketensysteme vom Typ Himars einsetzten, die per Lastwagen schnell an neue Standorte versetzt werden können und sowohl an die Ukraine als auch an Taiwan geliefert werden. Russland drohte Gegenmaßnahmen an.

Die Zeitung Hokkaido Shimbun wiederum, eine eher liberale, traditionelle Tageszeitung, die neben ihrer Online-Ausgabe laut Verlagsangaben etwa 700 000 Exemplare täglich verkauft, hat selbstverständlich Interesse daran, aus dem Teil Russlands zu berichten, in dem Yuki Imai unterwegs war. Sachalin liege so nah, dass man es vom nördlichsten Punkt des japanischen Festlands mit bloßem Auge sehen könne, schrieb Chefredakteur Takeshi Yamamoto in einem Statement am Freitag: „Für uns bedeutet die feste Verankerung vor Ort und die Berichterstattung aus dem benachbarten Russland, die Region zu vermitteln.“

Sachalin liegt auf den Kurilen, und die spielen eine besondere Rolle für Japans Verhältnis zu Russland, das die Inselkette nach der Niederlage Japans im Zweiten Weltkrieg besetzte. Tokio hingegen betrachtet die Kurilen, wo es gewaltige Erdölvorkommen gibt, weiterhin als japanisch. Es bezeichnet sie als „nördliche Territorien“. Der Streit ist nicht neu, hat sich in diesem Jahr allerdings deutlich verschärft. Wohl vor allem deshalb, weil Japan die Ukraine in ihrer Verteidigung gegen Russland unterstützt.

Der Chefredakteur der japanischen Zeitung weist den russischen Vorwurf zurück

„Gerade in solchen Zeiten hielten wir es jedoch für notwendig, dass eine Zeitung, die weiterhin mit Russland in Kontakt steht, über die Lage und die Veränderungen im Fernen Osten berichtet“, schrieb Chefredakteur Yamamoto am Freitag. Den russischen Vorwurf der Spionage weist er zurück, die Hokkaido Shimbun sei eine von der Regierung unabhängige Nachrichtenorganisation. Auch Premierministerin Sanae Takaichi widersprach dem Spionageverdacht: „Ein solcher Sachverhalt liegt nicht vor“, sagte sie am Donnerstag Reportern.

In Yuki Imais bisher letztem Text, erschienen am 5. Oktober, ging es um die nordkoreanischen Anwohner auf Sachalin. Die Kurilen liegen auch von Nordkorea nicht weit entfernt. Pjöngjang wiederum schickt Soldaten für Russland in den Krieg gegen die Ukraine. Und Japan fährt die eigenen Verteidigungsausgaben massiv hoch angesichts der gewachsenen Bedrohung durch Russland, Nordkorea und China, die alle in direkter Nachbarschaft liegen.

Dem Kreml kann das nicht gefallen. Tokio weigere sich, auf „Moskaus Bedenken hinsichtlich der Remilitarisierung Japans“ einzugehen, sagte nach Imais Festnahme die Sprecherin des russischen Außenministeriums. Der Vorfall auf Sachalin werde die Beziehung weiter trüben. Japan versuche, seine Korrespondenten zum Sammeln von Informationen einzusetzen und damit „die Sicherheit unseres Staates zu untergraben“, behauptete sie.

Tokio hat den russischen Botschafter einbestellt, um gegen die Festnahme zu protestieren. Das japanische Außenministerium fordert eine „faire und unvoreingenommene Behandlung“ von Yuki Imai. Der wurde zunächst für zwei Monate in Untersuchungshaft gesperrt. Üblicherweise wird diese in Russland bis zum Prozess verlängert.

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Fonte: Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

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