Pferdesport: Wenn die „geschätzte Sponsorin“ plötzlich verschwindet

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Por Von Gabriele Pochhammer, HamburgTop – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

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Fatima bin Zayed Al Nahyan, Chefin eines Gestüts und Nichte des Scheichs von Abu Dhabi, ist wie vom Erdboden verschwunden – und mit ihr zugesagte Sponsorengelder.

Von Gabriele Pochhammer, Hamburg

D as Foto, das von ihr im Internet kursiert, zeigt eine schöne junge Frau, perfekt geschminkt, mit Abaya, dem traditionellen arabischen Ganzkörpergewand, und Hijab. Nur wenige Menschen in Deutschland haben diese Frau je persönlich gesehen, aber der Name ihres Gestüts findet sich in den Titeln großer traditioneller Turniere, dem Hamburger Derby, dem Turnier der Sieger in Münster und dem Bundeschampionat in Warendorf, dem Schaufenster für junge Pferdetalente: Sheika Fatima Bint Hazza bin Zayed Al Nahyan, Chefin der Reitanlage Al Shira Stables, Nichte von Scheich Mohammed bin Zayed Al Nahyan aus Abu Dhabi, des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), und Enkelin des VAE-Gründers. Und jetzt ist sie weg, wie vom Erdboden verschluckt.

Ausgeblieben sind damit auch die vertraglich vereinbarten Sponsorengelder, sechsstellige Summen je Turnier, zusammengerechnet ein Millionenbetrag. Seit März dieses Jahres warten die Veranstalter auf ihr Geld, nur Teilbeträge kamen an. Auch der Vermittler des Deals, mit dem man in Kontakt stehe, habe seit Monaten nichts von der Sheika gehört, so Martin Richenhagen, Präsident von Pferdesport Deutschland, wie sich die frühere Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) jetzt nennt.

Springreiter Steven Guerdat gewinnt mit Dynamix de Belheme die Einzel-Entscheidung der WM. Die deutschen Teamweltmeister holen keine Medaille mehr – aber die Bilanz in der Aachener Soers fällt großartig aus.

Der Leiter des Al-Shira-Stalles in Hiltrup in der Nähe von Münster, in dem vor allem jüngere Pferde untergebracht sind, schweigt. Und die Szene rätselt. Ist die Sheika abgetaucht, weil sie nicht mehr zahlen will oder nicht mehr zahlen kann? War ihr Engagement das Hobby einer vermögenden jungen Frau aus einer Milliardärsfamilie, die Pferde liebt und den Sport fördern will? Oder war es Teil eines staatlich kontrollierten Gesamtpakets im Sportsponsoring mit einer hochrangigen Galionsfigur, das jetzt einer Umstrukturierung entgegensieht? So genau weiß das keiner. Und offenbar hat es auch niemanden sonderlich interessiert, wer hier eigentlich sponsert, als die satten Gelder winkten.

Alles, was von der Geldgeberin in Hamburg, Münster und Warendorf zu sehen war, waren schicke Sponsorenzelte, zum Teil mit verspiegelten Außenwänden, abgesperrt und stets mit einem Buffet, das den arabischen Essensvorschriften entsprach. Aber sie kam nie. Henrik Snoek, Veranstalter des Turniers der Sieger, vermutet, dass die Emiratis ihr Sportengagement generell neu überdenken. Er ist einer der wenigen, die die Sheika zu Gesicht bekommen haben, berichtet von einer freundlichen, traditionell gekleideten jungen Frau, die gleichwohl auch unverhüllt nach Münster zum Eis essen gefahren sei.

Ihr Verschwinden sorgt wie immer in solchen Fällen für wilde Gerüchte, etwa, ob man sie nicht „aus dem Weg geräumt“ habe. Der Onkel der Sheika war in der vergangenen Woche in Berlin und München zum Staatsbesuch, und Richenhagen hatte seinen Bekannten, den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, gebeten, doch mal nachzufragen, was mit der Nichte los sei. Söder habe gefragt, aber keine Antwort bekommen, berichtet Richenhagen.

Der Turnierstall Al Shira läuft weiter wie gehabt, drei der vier Pferde der VAE-Springreiter-Mannschaft bei der Weltmeisterschaft in Aachen waren in Al-Shira-Besitz, und auch beim Turnier der Sieger Anfang September waren Al-Shira-Pferde erfolgreich. Snoek und Matthias Rath, Turnierleiter des Hamburger Derbyturniers, halten sich bedeckt mit Vermutungen, hoffen, dass die Beziehung nicht endgültig abgerissen ist. Sie und Martin Richenhagen betonen, dass ein Verlust der zugesagten Sponsorengelder zwar schmerzhaft wäre, die Existenz der Turniere aber keineswegs gefährdet sei. Wie viel Zweckoptimismus dabei ist, wird sich zeigen. „Das Turnier der Sieger hat es vor der Sheika gegeben und es wird es auch danach geben“, sagt Snoek. „Das Hamburger Derby besteht seit 106 Jahren, es wird auch weiter bestehen“, versichert Matthias Rath und zählt die Namen von interessierten Geldgebern auf. Überdies sei er in Verhandlungen mit den Machern einer neuen mit insgesamt 300 Millionen ausgestatteten Springreiterserie, der „Premier Jumping League (PJL)“. Hamburg will Teil der Serie sein, ein Termin (2. bis 5. September 2027) ist bereits im Kalender des Weltreiterverbandes FEI vorgemerkt. Aber noch sei nichts unterschrieben.

Als einziger will sich Martin Richenhagen zur Wehr setzen. Als ersten Schritt hat er am Montag einen Brief an den Botschafter der Emirate in Berlin geschickt mit der Bitte um Unterstützung bei der „Wiederaufnahme des Kontaktes zu unserer geschätzten Sponsorin“. Man ziehe auch ein reguläres Mahnverfahren gegen die Al-Shira-Firma in Betracht und werde das Geld notfalls gerichtlich eintreiben, sagt er. Es geht um 200 000 Euro. Kleines Problem: Wen soll man verklagen, wenn sich die Geschäftspartner in Luft aufgelöst haben?

Der ehemalige Weltklasse-Springreiter ist mit gleich 14 Pferden bei der Reit-WM in Aachen vertreten. Was ein gutes Springpferd ausmacht? Da gebe es mindestens 25 Eigenschaften.

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