Formel 1: Russell setzt den jungen Teamkollegen unter Druck

0

Por Von Elmar Brümmer — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

  1. Home
  2. Sport
  3. Motorsport
  4. Formel 1: Russell setzt Mercedes-Teamkollege Antonelli unter Druck

Formel 1 Russell setzt den jungen Teamkollegen unter Druck

27. September 2026, 11:54 Uhr |

Lesezeit: 3 Min.

| Kommentare

„Jetzt fühlt sich vieles wieder intuitiver an“: George Russell nach seinem dritten Saisonsieg auf dem Asphalt von Baku.
„Jetzt fühlt sich vieles wieder intuitiver an“: George Russell nach seinem dritten Saisonsieg auf dem Asphalt von Baku. Hoch Zwei/Imago

Der erst 20-jährige Kimi Antonelli schien unaufhaltsam zu seinem ersten WM-Titel zu fahren. Doch beim Großen Preis in Baku gewinnt sein Mercedes-Teamkollege George Russell – und beginnt mit Psychospielchen.

Von Elmar Brümmer

  • Anhören
  • Artikel anhören
  • Merken
  • Teilen
  • Feedback
  • Drucken

SZ bei Google bevorzugen

Z wei Männer in schwarzen Rennanzügen, die in der Boxengasse von Baku aneinander vorbeigehen und sich beiläufig die Hände reichen. Der eine, noch mit seinem hellblauen Helm auf dem Kopf, auf dem Weg zur Siegerehrung. Der andere, schon vom Kopfschutz befreit, auf dem Weg in die Mercedes-Garage. Er blickt ein wenig neidisch auf den Kollegen, vielleicht auch ein wenig bewundernd.

Das Bild nach dem Großen Preis von Aserbaidschan hat es so ähnlich schon ein paar Mal in dieser Formel-1-Saison gegeben, meist mit vertauschten Rollen. Beim 15. WM-Lauf allerdings war der Brite George Russell, der zu Beginn des Sommers noch ein gebrochener Rennfahrer zu sein schien, obenauf. Ihm war gerade ein Grand Slam auf der Piste gelungen – Pole-Position, schnellste Runde, Start-Ziel-Sieg. Kimi Antonelli, der Shooting-Star der Königsklasse, musste als Fünfter ein verkorkstes Wochenende abhaken. Der Italiener führt in der WM-Wertung zwar noch mit 66 Punkten Vorsprung auf den direkten Rivalen, aber er bekommt jetzt richtig zu spüren, wie es ist, gejagt zu werden.

Vertauschte Rollen: Diesmal musste Kimi Antonelli (mit blauem Helm) seinem Teamkollegen George Russell (rechts) auf dem Weg zur Siegerehrung gratulieren.
Vertauschte Rollen: Diesmal musste Kimi Antonelli (mit blauem Helm) seinem Teamkollegen George Russell (rechts) auf dem Weg zur Siegerehrung gratulieren. Jakub Porzycki/Reuters

Titelduelle innerhalb eines Rennstalls sind immer noch einen Tick härter. Russell mit seiner Erfahrung aus acht Rennjahren, ein paar davon an der Seite von Champion Lewis Hamilton, weiß aus Erfahrung, dass es dabei nicht nur auf den Schub des Autos ankommt, sondern auch auf die eigene Motivation. Der 28-Jährige verpackte die Verunsicherung des Gegners geschickt in das vergiftete Kompliment, dass der entscheidende Fehler, den Kimi Antonelli mit einem Crash in der ersten Qualifikationsrunde begangen hatte, dessen erster Fehler überhaupt in diesem Jahr gewesen sei. Was natürlich heißen sollte, dass auch einer, der auf dem Weg dazu ist, jüngster Weltmeister der Formel-1-Geschichte zu werden, nicht unfehlbar ist.

Wichtig für Russell ist nicht nur der Sieg in einem durch zwei Safety-Car-Phasen durcheinander gewürfelten Rennen, den er trotz eines Turbolochs mit der Winzigkeit von 0,196 Sekunden vor Max Verstappen über die Ziellinie gebracht hat. Entscheidend ist, dass der Brite tatsächlich seiner Selbstzweifel Herr geworden zu sein scheint: „Noch nie in meiner Karriere war ich so dominant wie an diesem Wochenende“, sagte Russell.

Ein Befreiungsschlag, den sein Renningenieur Marcus Dudley angesichts des von zehn Sekunden auf ein paar Zehntel geschrumpften Vorsprungs nach der Zieldurchfahrt britisch trocken kommentierte: „Heute musstest du dir dein Geld wirklich verdienen.“ Kein Zweifel, Russell ist zurück, und damit die Hoffnung der Renn-Nation England, nachdem sich Lewis Hamilton nach einer weiteren indiskutablen Leistung von Ferrari als Sechster hinter Antonelli wohl endgültig aus dem Titelrennen verabschiedet hat. Auch Titelverteidiger Lando Norris, der mit seinem McLaren von der Strecke gekegelt wurde, ist realistisch gesehen raus. Zumal Mercedes am nächsten Sonntag, wenn in Malaysia das zu Saisonbeginn ausgefallene Rennen von Bahrain nachgeholt wird, das langersehnte technische Upgrade für den Silberpfeil bringt. Das dürfte auch das interne Duell noch einmal befeuern.

WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli wirkte nach einem für seine Verhältnisse desaströsen Rennwochenende geschlagen, aber nicht entmutigt. Er weiß, dass er sich die Resilienz, die Russell an den Tag gelegt hat, noch aneignen muss. Die 51 Runden auf dem schnellen und gefährlichen Stadtkurs stellten die Geduld des 20-Jährigen bei seinem Weg durch das Feld mehr als einmal auf die Probe. Eine Lektion in Demut vor der entscheidenden Phase des Titelrennens: „Es hat sich so angefühlt, als ob ich immer einen Schritt hinterherhinken würde. Meine mentale Einstellung war vielleicht auch nicht ganz optimal. Deshalb konnte es nur um Schadensbegrenzung gehen, nicht um Attacke“, sagte Antonelli. „Ich muss jetzt sicherstellen, dass ich mich beim nächsten Rennen wieder auf meinem richtigen Niveau befinde.“

Max Verstappen fährt von Startposition acht aus auf Platz zwei

Mit seiner dritten Podiumsplatzierung in den vier Rennen nach der Sommerpause ist George Russell eine Trendwende gelungen, zumindest eine persönliche. Das kostete er in den Interviews nach dem achten Sieg seiner Karriere entsprechend aus: „Ich fühle mich im Auto endlich wieder mehr wie ich selbst.“ Russell gehört zu jenen Fahrern, die sich mit dem Energiemanagement und der nötigen Anpassung des eigenen Stils an das halb-elektrische Fahren besonders schwergetan haben. Dazu kam mehr persönliches und technisches Pech als bei Antonelli. Plötzlich fiel der Mann, der sich schon als neue Nummer eins beim britisch-deutschen Werksrennstall gesehen hatte, durch Lamentieren über Boxenfunk auf.

Bei den Schimpftiraden ähnelte der so Wohlerzogene plötzlich seinem Erzrivalen Max Verstappen. Der Niederländer, der immer noch ohne Sieg in dieser Saison ist, taugt aber auch auf andere Art zum Vorbild für Russell: Er zeigt, welchen Schub die eigene Motivation geben kann. Obwohl er auch am Kaspischen Meer gegen seinen Red-Bull-Rennwagen kämpfen musste, schaffte Verstappen den Sprung von Startplatz acht aus fast ganz nach oben. „Wir kennen doch Max. Er nutzt jede Gelegenheit, wenn sie sich bietet“, sagte Red-Bull-Teamchef Laurent Mekies, der sich auch über den dritten Platz von Isack Hadjar freuen konnte.

George Russell hat nach sechs sieglosen Rennen sein Selbstvertrauen aufpoliert: „Ich bin sehr stolz auf die Widerstandsfähigkeit, die ich mit meinen Ingenieuren in den schwierigen Phasen dieses Jahres bewiesen habe“, sagte er. „Ich habe auch in den harten Momenten nie das Vertrauen in mich selbst verloren. Jetzt fühlt sich vieles wieder intuitiver an.“ Damit zeigte Russell genau jene Lässigkeit, mit der bislang Antonelli glänzen konnte. Und erwähnte sogleich, was die Favoritenrolle für seinen Stallgefährten und Konkurrenten bedeutet: „Natürlich lastet auf Kimi mehr Druck als auf mir.“ Das Duell in der Mercedes-Garage geht in die nächste Runde.

© SZ – Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.

Zur SZ-Startseite

Audis Formel-1-Teamchef Mattia Binotto : „Wir sind nicht hier, um zu spielen. Wir sind hier, um zu gewinnen“

Mattia Binotto soll Audi in der Formel 1 zu Erfolgen führen. Im Interview spricht der Italiener über die Ambitionen des Rennstalls – und erklärt, welchen Einfluss die Ferrari-Jahre mit Michael Schumacher auf ihn hatten.

Interview von Anna Dreher

Fonte: Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

Deixe um comentário

O seu endereço de email não será publicado. Campos obrigatórios marcados com *