Deutsche Bilanz bei der Basketball-WM: „Wir sind jetzt ein anderes Team als früher“

0

Por Von Jonas Beckenkamp, BerlinTop – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

Lesezeit: 4 Min.

Diese Zusammenfassung wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz
erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

58:81 gegen Spanien, die ersehnte Medaille verpasst: Die Heim-WM endet für die deutschen Basketballerinnen mit einer Enttäuschung. Aber auch mit viel Stolz und einem großen Schritt raus aus der Nische.

Von Jonas Beckenkamp, Berlin

D ie Köpfe gingen runter, die Beine wogen schwer, so ein ganzes WM-Turnier in eineinhalb Wochen hängt auch den fittesten Athletinnen irgendwann in den Knochen. Deutschlands Basketballerinnen waren mau in dieses Spiel um Platz drei gestartet, dabei forderte das Duell gegen Spanien noch einmal alle verfügbaren Energiereserven. Spanien, damit hatte ja alles angefangen in Berlin, als Deutschland den Start ins Event komplett vermasselt hatte. Aber was für eine Entwicklung hatten die DBB-Frauen seit diesem Auftakt-53:83 hingelegt: Sie waren bis ins Halbfinale vorgestoßen, erstmals überhaupt in der bundesdeutschen Basketball-Geschichte. Eine Niederlage im Halbfinale gegen die alles dominierenden Französinnen hatte ihnen dann dieses Bronze-Match beschert. Eine Medaille war das Ziel.

Aber so ist das manchmal, wenn nichts mehr drin ist im Tank, wenn nach allem Aufwand kein Wurf mehr fällt und die Gegnerinnen den Funken mehr Qualität übrig haben: Spanien war erneut zu stark, auf den schon früh viel zu hohen Rückstand folgte aufrichtiger Kampf, aber eine Partie, in der Deutschland nie richtig herankam. 81:58 siegten die Spanierinnen schließlich, ein Zeichen, dass mehr noch nicht geht für die Auswahl des DBB. So endete diese Heim-WM mit Tränen bei Frieda Bühner, Leonie Fiebich oder Lina Sontag – und bei vielen anderen. Aus Enttäuschung, aber sicher auch aus emotionaler Erschöpfung, denn es lagen bemerkenswerte elf Tage hinter diesen Frauen. „Wir haben in den letzten beiden Spielen sehr deutlich verloren“, sagte Bundestrainer Olaf Lange bei Magentasport, „wir sind in Bezug auf die absolute Weltspitze noch ein bisschen hinten dran.“ Gleichzeitig bezeichnete er das Halbfinale als „großen Erfolg“. Es gehe „jetzt darum, oben näher heranzurücken“.

Nach dem furiosen Sieg gegen Belgien ist Frankreich beim 64:86 im WM-Halbfinale zu stark für Deutschlands Basketballerinnen. Der größte Erfolg einer deutschen Mannschaft bei einer Weltmeisterschaft ist trotzdem noch möglich.

Dass ein deutsches Frauenteam überhaupt in solch elitären Kreisen unterwegs ist, bildete die Rahmenerzählung dieser WM. Da tut sich was im Frauenbasketball, das dürften auch jene mitbekommen haben, die zu diesem Sport bislang wenig Zugang gefunden hatten. Dabei ist Deutschland längst ein Basketballland, die Männer sind Welt- und Europameister, die Frauen drängen in die US-Profiliga WNBA, wo bereits fünf Deutsche unter Vertrag stehen; Fiebich und Nyara Sabally gewannen 2024 gar den Meistertitel. In Berlin hatte sich im Lauf der vergangenen Woche eine Mannschaft präsentiert, die einen gemeinsamen Aufstieg aus der Versenkung hingelegt hat. Verdammt coole Story eigentlich: Bis vor wenigen Jahren hatte man sich für wichtige Turniere gar nicht erst qualifiziert, jetzt spielten die Fiebichs, Bühners und Geiselsöders plötzlich vor ausverkaufter Halle. „Wir waren noch nie in so einer Situation“, hatte Kapitänin Marie Gülich nach dem 93:74 im Viertelfinale gegen Belgien gesagt. Ungläubigkeit, Stolz, Aufregung über so viel Zuspruch im Lärm proppenvoller Hallen, all diese Gefühle galt es zuzulassen und auszukosten.

Ein dezentes Basketballfieber hatte sich ausgebreitet, zumindest in ein paar Kilometern Umkreis um die Halle am Berliner Ostbahnhof.  „Dass hier hunderte Fans vor der Arena herumlaufen, dass Kinder Autogramme wollen, ist eine solche Motivation für uns“, sagte Lange. Mit der Ausrichtung dieser WM habe der DBB endlich mal in den Frauensport „investiert, dafür sind wir dankbar“. Fast eine Viertelmillion verkaufte Tickets, schon in der Vorrunde über 5000 Zuschauer pro Partie, das sind Symptome einer wachsenden Sportart, wenn auch – zumindest in Deutschland – weiterhin in der Nische.

Über die wenig professionellen Strukturen in der Frauen-Bundesliga DBBL mit ihren Schulturnhallen und fehlenden Sponsoren wird zu reden sein. Alexandra Wilke, Nationalspielerin und beste Akteurin der DBBL, arbeitet im Hauptberuf als Lehrerin, Lena Gohlisch, Kapitänin von Alba Berlin (bei der WM nicht im Kader), ist halbtags Allgemeinmedizinerin. Olaf Lange, 54, hat zu viel erlebt, um sich über verschlafene Aufbrüche und Finanznöte in der heimischen Liga aufzuregen. Er betonte aber rund um die WM immer wieder, dass er dort nicht seine Hauptaufgabe sehe. Er hat anderes bewirkt: Unter ihm hat sich das Nationalteam Wiedererkennbarkeit erarbeitet, eine „Identität“, wie er es nannte. Man hat mit einer Generation voller Köpfe und Talent jetzt ein Fundament für mehr gelegt. „Wer werden immer besser“, fand Lange, „das ist eine große Errungenschaft.“

Denn auch darum war es gegangen: um eine Steigerung nach Erfolgen in der näheren Vergangenheit. Erstmalige Olympiateilnahme 2024, EM-Platz fünf 2025, nun WM-Halbfinale, da geht eine Kurve nach oben, Potenzial für mehr ist da. „Wir sind jetzt ein anderes Team als früher, wir können mithalten und die Fans tragen uns“, erzählte Gülich unter der Woche. Es hatte fast schon etwas Missionarisches, wie alle Beteiligten bei dieser WM immer wieder an die größere Bedeutung ihres sportlichen Auftrages erinnerten: das Momentum des Frauenbasketballs mit Leben und Ergebnissen zu füllen, Mädchen zu inspirieren, in Vereine einzutreten. „Ich hoffe, dass viele künftige Talente in der Halle waren“, wünschte sich Lange, „um eine Fiebich oder Gülich zu sehen.“ Idole im Frauenbasketball, das hatte es in ihrer Jugend gar nicht gegeben, erzählte die deutsche Flügelspielerin Alexandra Wilke kürzlich in einem Interview mit der Zeit. „Ich habe immer ein weibliches Vorbild vermisst. Meines war Kobe Bryant, aber der war ja nicht greifbar.“

Die deutschen Frauen waren in Berlin greifbar für alle, die ihnen nahe kommen wollten, mit Selfies vor den Spielen, in der Interviewzone hinterher, wo sie den Rummel eines Heimturniers geduldig ertrugen, ihn auch ein wenig genossen. Das Einzige, was sie sich nicht greifen konnten, war die ersehnte Medaille. Für die braucht es in den kommenden Jahren noch mehr Entwicklung. „Wir müssen einfach mehr Zeit miteinander haben“, so der Wunsch von Leonie Fiebich. Zumindest mehr als im Vorfeld dieser WM – da war sie, die wichtigste Spielerin des Teams, erst wenige Tage vor Turnierstart angereist, weil sie in der WNBA noch bei ihrem Klub New York Liberty gefragt war. Und dort geht es nun auch umgehend wieder hin. Die ersten Spielerinnen sollten sich noch in der Nacht auf Montag in alle Welt verabschieden, hieß es vom DBB. Mit hängenden Köpfen, aber gewiss auch mit der Erkenntnis: Diese Heim-WM war trotz zweier Niederlagen zum Schluss ein enormer Schritt heraus aus der Nische.

Lesen Sie mehr zum Thema

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt! Jobs bei der SZ Digitale Medien

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten :

Fonte: Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

Deixe um comentário

O seu endereço de email não será publicado. Campos obrigatórios marcados com *