Urteil in Berlin: „Ich will da nie wieder hin zurück“

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Por Von Constanze von Bullion, Berlin — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

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Urteil in Berlin „Ich will da nie wieder hin zurück“

23. September 2026, 19:36 Uhr |

Lesezeit: 3 Min.

Der Angeklagte, Künstlername „Jurassica Parka“, am Tag der Urteilsverkündung im Kriminalgericht Moabit.
Der Angeklagte, Künstlername „Jurassica Parka“, am Tag der Urteilsverkündung im Kriminalgericht Moabit. Sebastian Gollnow/dpa

Zusammenfassung

  • Mario O., bekannt als Dragqueen Jurassica Parka, wurde am Mittwoch wegen Besitzes kinder- und jugendpornografischer Inhalte zu zehn Monaten Haft mit Bewährung verurteilt.
  • Die Polizei fand 2025 in seiner Wohnung 131 Videodateien und 28 Bilder mit kinderpornografischen Aufnahmen, er war bereits 2023 wegen ähnlicher Delikte verurteilt worden.
  • Seit Bekanntwerden der Vorwürfe kündigten alle Auftraggeber die Zusammenarbeit auf, Mario O. räumte vor Gericht alle Vorwürfe ein und sprach von einer Suchterkrankung.

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Mario O. machte in Berlin als Dragqueen Jurassica Parka Karriere, bis man bei ihm Kinderpornografie fand. Ein Gericht verurteilte ihn jetzt zu einer Freiheitsstrafe. Er findet: zu Recht.

Von Constanze von Bullion, Berlin

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Das Versteckspiel hat er aufgegeben, und sein Verhalten findet er „monströs“, sagt Mario O. Seine Stimme zittert. Der ganze, große Mann bebt vor Gericht. Es wirkt auch nicht aufgesetzt, als er erklärt, dass er sich schämt. „Ich will da nie wieder hin zurück.“ Nur gehe es halt auch nicht einfach weg.

Amtsgericht Berlin-Tiergarten am Mittwochnachmittag, in einem kleinen Saal wird Mario O. der Prozess gemacht, in Berlin wurde er bekannt unter dem Künstlernamen Jurassica Parka. Über Jahre war der schwule Mann als Dragqueen unterwegs, mit Blondperücke und im Kleidchen. Mal warb er da für Toleranz, erzählte auch von Alkoholsucht und wie man sie überwindet. Landespolitiker traten gern mit der Glitzerdame auf, Moderator Jan Böhmermann kochte mit ihr im Fernsehen. Jurassica Parka las auch Schulkindern vor, es ging da ums Glück gesellschaftlicher Vielfalt.

Mario O., der Mensch hinter der Kunstfigur, wurde am Mittwoch vom Amtsgericht Berlin-Tiergarten wegen des Besitzes kinder- und jugendpornografischer Inhalte zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten verurteilt, mit Bewährung. „Ich kaufe Ihnen ab, dass Ihnen das wahnsinnig leid tut“, sagte die Vorsitzende Richterin bei der Urteilsverkündung. Mario O. sei aber auch Wiederholungstäter und habe mit seinem Konsum eine Industrie unterstützt, „die unsägliches Leid verursacht“.

131 Videodateien und 28 Bilder mit sexualisierten Gewaltdarstellungen

Der „Konsum“ des Mario O., das waren 131 Videodateien und 28 Bilder mit kinderpornografischen Aufnahmen, die die Polizei 2025 in seiner Wohnung beschlagnahmte, laut Anklage mehr als fünf Stunden Material. Darauf sollen Kinder in aufreizenden Posen zu sehen sein und solche, die sexuelle Handlungen ausführen. Auch jugendpornografische Videos fanden sich laut Anklage auf Notebooks und externen Festplatten. Überall seien da Darstellungen und Bilder „in einer den Menschen zum bloßen Objekt degradierenden Weise“ gefunden worden, so der Staatsanwalt.

Mario O. ist jetzt nicht mehr Jurassica Parka. Sämtliche Auftraggeber haben ihm die Zusammenarbeit aufgekündigt, seit die Vorwürfe bekannt wurden, auch Bühnenpartnerinnen sagten sich los, Freunde ebenso. Auch weil der 46-Jährige schon 2023 wegen Verbreitung, Erwerb und Besitz kinderpornografischer Schriften zu einer Geldstrafe von 11 200 Euro verurteilt worden war. Öffentlich bekannt war das in Berlin lange nicht. Das queere Stadtmagazin Siegessäule brachte 2025 die Vorstrafe zutage.

Mario O. ist heute ein Hüne mit Bart und Brille, im Gericht erscheint er zunächst mit Gesichtsmaske. Drinnen im Saal räumt er umstandslos alle Vorwürfe ein und beginnt dann mit wackeliger Stimme zu erzählen. „Die Vorwürfe sind natürlich…“, sagt er und bricht wieder ab. „Es hört sich furchtbar an.“ Er schäme sich. „Tiefer und dunkler war ich nie mehr.“

Der Begriff sexuelle Gewalt fällt nicht bei diesem Prozess. Mario O. sagt: „Ich habe hoch illegales Material konsumiert, das Leid von Kindern darstellt.“ Er gibt sich hörbar alle Mühe, nichts kleinzureden,  erwähnt aber auch Dinge, die ihn entlasten könnten, aus seiner Sicht. „Ich habe eine Suchterkrankung schon seit vielen, vielen Jahren“, sagt er. Am Tag, als die Polizei seine Wohnung durchsuchte, habe er „den ganzen Tag getrunken“. Es sei da viel Druck gewesen, die Bühnenshows, immer bewertet zu werden, „auch entwertet zu werden“.

Angeklagt ist Mario O., nicht Jurassica Parka

Mario O. wurde nach Bekanntwerden der Vorwürfe mit Hassnachrichten überschüttet. Menschen, die ohnehin der Meinung sind, Schwulsein und Pädokriminalität gehörten zusammen, fühlten sich bestätigt durch seinen Fall. Auch die  AfD triumphierte. Zuletzt wurde in sozialen Medien aber auch davor gewarnt, den Straftäter Mario O. mit der Kunstfigur Jurassica Parka gleichzusetzen. So werde die ohnehin bedrängte Szene von Drag-Künstlerinnen noch stärker abqualifiziert als sowieso schon. Nur hat der  Angeklagte eben  genau diese Abwertung  befeuert. Er dürfte das wissen.

Mario O. hat sich in ärztliche Behandlung begeben, einen Therapieplatz suche er noch, sagt er vor Gericht. Für Leute wie ihn sei das Angebot leider „mau“. Als der Staatsanwalt wissen will, warum er nicht schon nach seiner ersten Verurteilung Hilfe gesucht habe, sagt er: „Ich trage das schon länger mit mir rum. Aber das habe ich erfolgreich verdrängt, weggedrückt.“ Nach dem ersten Prozess sei er lange „abstinent“ gewesen, habe dann aber „wieder konsumiert“. Es klingt zaghaft. So, als könne da einer sich selbst nicht mehr trauen. Pädophilie, das werde ihn weiter begleiten. Das sagt er auch.

Weil Mario O. ein Wiederholungstäter ist, sein Bedauern aber aufrichtig wirke, fordert die Anklage am Mittwoch eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und einem Monat mit Bewährung. Die Verteidigerin betont, ihr Mandant habe „alles gemacht, um das Problem anzugehen“. Die Vorsitzende Richterin entscheidet schließlich auf zehn Monate Haft mit Bewährung. „Ich gehe davon aus, dass Sie dergleichen nicht mehr begehen“, sagt sie noch. Mario O. sagt jetzt nichts mehr.

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Fonte: Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

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