TV-Duell zwischen Schwesig und Holm im NDR: „Ich kann auf Bundesebene was bewegen, Sie nicht“

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Por Von Jana Stegemann, HamburgTop – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

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TV-Duell zwischen Schwesig und Holm im NDR „Ich kann auf Bundesebene was bewegen, Sie nicht“

17. September 2026, 4:44 Uhr |

Lesezeit: 5 Min.

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Der AfD-Politiker Leif-Erik Holm liefert sich mit SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig ein Kopf-an-Kopf-Rennen vor der Wahl.
Der AfD-Politiker Leif-Erik Holm liefert sich mit SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig ein Kopf-an-Kopf-Rennen vor der Wahl. Jens Büttner/Jens Büttner/dpa

Zusammenfassung

  • Manuela Schwesig (SPD) und Leif-Erik Holm (AfD) trafen am Mittwochabend im NDR zum zweiten TV-Duell vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern auf.
  • Holm konnte keine Antwort auf die Frage geben, wie sich ausländische Fachkräfte in MV wohler fühlen könnten, und ruderte bei der AfD-Forderung nach Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zurück.
  • Schwesig nutzte ihren Amtsbonus und distanzierte sich von der Bundespolitik ihrer Partei, während sie eine Absage an Spekulationen über eine SPD-Chefkandidatur erteilte.

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Manuela Schwesig kann im zweiten TV-Duell gegen AfD-Kandidat Leif-Erik Holm punkten. Dieser wird im NDR nach der Abschaffung des NDR gefragt – und gibt eine überraschende Antwort.

Von Jana Stegemann, Hamburg

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Es war das zweite Mal, dass Manuela Schwesig, 52, und Leif-Erik Holm, 56, live im TV aufeinandertreffen. Am Mittwochabend stellten sie sich den Fragen von Thilo Tautz und Susanne Stichler im NDR-Funkhaus in Schwerin.

Am Sonntag wird in Mecklenburg-Vorpommern ein neuer Landtag gewählt. Die Amtsinhaberin von der SPD und ihr Herausforderer von der AfD liefern sich seit Wochen ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die aktuellste Umfrage sieht die AfD bei 37 Prozent und die SPD bei 35 Prozent. Die Linke käme demnach auf zehn, die CDU auf sieben, die Grünen auf fünf und das BSW auf drei Prozent.

Einem Bericht des NDR zufolge kam Schwesig von ihrem Stab begleitet ins TV-Studio, vorm Funkhaus hatten Fans mit Plakaten auf sie gewartet. Holm sei hingegen alleine im Studio aufgetaucht.

Der emotionalster Moment des TV-Duells: Als in einem Einspieler Yassine Bouhchouch zu Wort kommt. Der 29-jährige Marokkaner liebt seine Arbeit als Bauzeichner in einem Büro bei Stralsund. Trotzdem nimmt er sich jetzt eine Auszeit in Marokko. Sein Chef Wotan Drescher macht sich Sorgen, seinen Mitarbeiter zu verlieren. Zu oft wurde Yassine Bouhchouch schon auf offener Straße in Mecklenburg-Vorpommern wegen seiner Herkunft beschimpft, beleidigt und herabgewürdigt. Er reagiere darauf gar nicht, sagte Yassine Bouhchouch, ihm tue „das aber im Herzen weh“. Seiner Familie in Marokko erzähle er davon nicht: „Die machen sich sonst Sorgen, die sind ja weit weg.“ Sein Chef beschreibt ihn als „extrem fleißig, zuverlässig, fachlich auf allerhöchstem Niveau“. Er würde ihn gerne halten.

An Manuela Schwesig und Leif-Erik Holm hat Unternehmer Wotan Drescher daher eine dringende Frage: „Was wollen Sie tun, dass Mitarbeiter wie Yassine Bouhchouch, die wir in unseren Unternehmen so dringend brauchen, sich auch außerhalb dieses in Mecklenburg-Vorpommern wohlfühlen und bei uns bleiben?“

Für Manuela Schwesig ist das eine Situation, in der sie punkten kann. Sie kennt den Feuerwehrmann, Architekten und CDU-Politiker Drescher sogar, weil der für das Land MV einen Musterbauplan für 58 neue Feuerwehrhäuser entwickelt hat. Zudem ist die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts, Respekt und gutes Miteinander einer ihrer zentralen Wahlkampfthemen. „Von mir werden Sie keinen Hass oder Hetze gehört haben“, betont Schwesig mit Seitenblick auf Leif-Erik Holm, dessen Partei bundesweit gegen Migranten hetzt und ihren Wählern „Remigration“ verspricht.

Holm hat keine Antwort auf die Frage, wie es für Menschen wie den Marokkaner in MV besser werden könnte. Holm sagt nur: „Es ist schade, dass es eine solche Stimmung gibt.“ Er weicht aus, spricht über Abschiebung, illegale Einwanderung, Kriminalität durch Geflüchtete. Doch Bouhchouch ist kein Straftäter oder Geflüchteter, sondern kam als Fachkraft nach Deutschland, worauf die Moderatoren Holm mehrmals hinweisen. „Ich will herleiten, woher kommt diese Stimmung“, antwortet Holm. Seine Partei wolle eine „wohldosierte Zuwanderung genehmigen“. An dieser Stelle legt Schwesig nach: „Menschen ohne Bleiberecht müssen gehen, Straftäter erst recht.“ Um Yassine Bouhchouch geht es da längst nicht mehr.

Der interessanteste Moment des TV-Duells: In den letzten Minuten des TV-Duells wurde Leif-Erik Holm von den beiden Moderatoren mit einer der zentralen Forderungen seiner Partei im Bund und in MV konfrontiert: der Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Holm hatte schon häufiger angekündigt, als Ministerpräsident als erste Amtshandlung „mit dickem Edding wie Herr Trump“ die Kündigung des Rundfunkstaatsvertrags unterschreiben zu wollen. Da steht Leif-Erik Holm nun also zur besten Sendezeit im Studio des Senders, bei dem er jahrelang als Radiomoderator gearbeitet hat und soll auf diese Frage antworten.

Er behauptet, AfD-Politiker werden selten in Talkshows eingeladen. „Jetzt stehen Sie doch hier“, sagt Moderator Thilo Tautze. „Das ist eine Seltenheit“, antwortet Holm und beginnt, dem NDR Desinformation und politische Einflussnahme zu unterstellen.

Die Moderatoren unterbrechen ihn direkt, Thilo Tautze sagt: „Desinformation lassen wir uns nicht vorwerfen. Das weisen wir zurück.“ Holm erwiderte, er wolle den öffentlich-rechtlichen Rundfunk reformieren, er müsse ausgewogener und günstiger werden: „Wir haben nichts gegen eine kritische Berichterstattung, wir wollen nur, dass alle Perspektiven eingenommen werden.“ Von einer Abschaffung ist also plötzlich keine Rede mehr.

Die Redeanteile beider Kandidaten sind im NDR-Duell übrigens fast ausgewogen, Leif-Erik Holm spricht sogar eine Minute länger als Manuela Schwesig; er kommt auf 19 Minuten und 36 Sekunden Redezeit, sie auf 18 Minuten und 32 Sekunden.

Die größten Streitpunkte zwischen Schwesig und Holm: In ihrem Wahlprogramm fordert die AfD, alte Atom-Reaktoren zu reaktivieren und Standorte für neue Kernkraftwerke in Mecklenburg-Vorpommern zu prüfen. AfD-Chefin Alice Weidel sagt zudem seit Monaten, sie wolle alle Windkraftwerke in Deutschland abreißen lassen. Während Schwesigs Regierung auf die Erneuerbaren setzt und betont, dass MV schon doppelt so viel „grünen Strom“ produziere, wie es selbst verbrauche, möchte Holm bei einem Wahlsieg auf Gaskraftwerke setzen. Nach dem Ende des russischen Angriffskriegs in der Ukraine solle zudem die stillgelegte Nord-Stream-Pipeline zwischen Russland und Deutschland wieder genutzt werden, findet Holm.

Die inhaltlichen Gemeinsamkeiten zwischen Holm und Schwesig: Die gebührenfreien Kitas in Mecklenburg-Vorpommern sind definitiv Manuela Schwesigs Lieblingsprojekt. 2020 hat sie sie als Ministerpräsidentin eingeführt – und ist bis heute stolz darauf. Sogar ihr Herausforderer Leif-Erik Holm findet das Konzept eigentlich gut. Er kritisierte nur die „Kostenexplosion“ und forderte, es müsse kontrolliert werden, „dass wirklich nur die Eltern, die einen Vollzeitplatz brauchen, auch einen nehmen“. Generell sind sich der vierfache Vater Holm und die zweifache Mutter Schwesig beim Thema Bildung bisweilen sehr nah. Beide wollen mehr Lehrer und Lehrerinnen für die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern, Unterrichtsausfall verhindern und in die Ausbildung neuer Lehrkräfte investieren, wenn auch mit unterschiedlichen Maßnahmen.

Einer Meinung sind die SPD-Ministerpräsidentin und der AfD-Spitzenkandidatin aber auch darin, dass Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern von unnötiger Bürokratie und aufwendigen Dokumentations- und Berichtspflichten entlastet werden müssten.

Die Unterschiede zum ersten TV-Duell:  Ganz klar, die Moderation. Während Pinar Atalay als Moderatorin beim ersten TV-Duell von RTL und Ostseewelle vor allem schlecht gelaunte Stichwortgeberin war, brillierte das NDR-Moderatoren-Duo Thilo Tautz und Susanne Stichler mit spannender Gesprächsführung, interessanten Nachfragen und durchgängigem Faktencheck. Die Journalisten erlaubten weder Manuela Schwesig noch Leif-Erik Holm das Thema zu wechseln, sich aus unbequemen Fragen herauszuwinden oder zu viele ihrer vorbereiteten Wahlkampf-Formeln aufzusagen. Auch Bundesthemen wurden abmoderiert, obwohl Schwesig zum Beispiel gerne über das Aufreger-Thema Spritpreis sprechen wollte.

Insgesamt fällt auf, dass Leif-Erik Holm im Gegensatz zum ersten TV-Duell deutlich gegen Schwesig abfiel. Der 56-jährige AfD-Politiker wirkte bei den Themen Industrie, Wirtschaft und Energie schlecht vorbereitet und ohne konkreten Verbesserungsvorschlag, war meistens in der Defensive. Schwesig hingegen hatte keine Antworten, als es um die bessere gesundheitliche Versorgung auf dem Land geht.

Noch stärker als im ersten TV-Duell versuchte Manuela Schwesig ihren Amtsbonus einzusetzen. Sie regiert seit neun Jahren, erst mit einer rot-schwarzen, nun mit einer rot-rot-grünen Koalition in MV und hat hohe Zustimmungswerte im Land. Auffällig war, wie sehr sie erneut versuchte, sich von der Bundespolitik ihrer Partei zu distanzieren, obgleich sie seit Wochen als künftige SPD-Chefin gehandelt wird. Diesen Spekulationen erteilte Schwesig nun aber erneut eine Absage: Sie habe sich für MV entschieden, „ich vertrete die Interessen der Menschen hier.“ Mit Blick auf Holm urteilte Schwesig dann aber doch an einer Stelle: „Ich kann auf Bundesebene was bewegen, Sie nicht.“

Holm ist zwar Co-Vorsitzender der AfD in MV und „Ministerpräsidenten-Kandidat“, aber nicht Spitzenkandidat seiner Partei. Das ist Enrico Schult, der mächtigste AfD-Mann in MV.

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