Staatsanleihen: Schuldenmachen ist für die USA so teuer wie seit 2007 nicht mehr
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Staatsanleihen Schuldenmachen ist für die USA so teuer wie seit 2007 nicht mehr
15. September 2026, 11:41 Uhr |
Lesezeit: 3 Min.
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Die Rendite von zehnjährigen US-Staatsanleihen klettert auf mehr als fünf Prozent. Das schränkt den finanziellen Spielraum der Trump-Regierung ein – und es betrifft Sparer und Verbraucher in Deutschland.
Von Gunnar Herrmann
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Die Unruhe an den weltweiten Anleihemärkten setzt sich fort. Am Dienstag kletterte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf mehr als fünf Prozent. So teuer war das Schuldenmachen für den US-Finanzminister seit dem Jahr 2007 nicht mehr. Auch die Renditen für Bundesanleihen sind in den vergangenen Wochen gestiegen. Weil Staatsanleihen in großem Umfang von sehr vielen Investoren gehandelt werden, haben solche Schwankungen nicht nur Auswirkungen auf Staatshaushalte, sondern auch auf Anleger und Verbraucher.
Gründe für den derzeitigen Anstieg der Renditen sind die Rohölpreise, die durch den Krieg in Iran zuletzt erneut gestiegen sind. „Treiber sind anhaltende Inflationssorgen, nachdem der Ausfall einer saudischen Pipeline den Preis für Brent-Rohöl zeitweise auf über 107 US-Dollar trieb“, schreibt Stephan Kemper, Analyst beim Vermögensmanagement der französischen Großbank BNP Paribas. Wer langfristig Geld verleiht – etwa mit einer zehnjährigen US-Staatsanleihe –, der sichert sich gegen so ein Inflationsrisiko ab, indem er höhere Zinsen verlangt.
Und es gibt noch ein paar weitere Faktoren, die den seit Monaten andauernden Anstieg der Renditen begünstigt haben: Die stark gestiegene Staatsverschuldung der USA gilt als Risiko, das von Geldgebern eingepreist wird. Zudem werden auch höhere Leitzinsen erwartet. Die US-Notenbank Fed trifft sich am Mittwoch zu einer Sitzung. Die meisten Experten gehen davon aus, dass dabei der US-Leitzins um 0,25 Prozent angehoben wird, um die Inflation zu bekämpfen. Die Inflationsrate in den USA lag im August bei 3,4 Prozent und damit deutlich über der Zielmarke von zwei Prozent. Zugleich sind die Arbeitsmarktdaten robust – was ebenfalls für eine Zinserhöhung spricht, weil die Fed, anders als etwa die EZB, deren Fokus auf der Inflationsbekämpfung liegt, auch den Auftrag hat, mit ihrer Geldpolitik Beschäftigung zu unterstützen.
Anleihen werden üblicherweise mit einem festen Zinssatz für eine bestimmte Laufzeit ausgegeben. Dann werden sie an Börsen täglich gehandelt, dabei schwankt der Preis, aber nicht der auf der Anleihe vermerkte Zinssatz. Hat ein Anleger zum Beispiel für 100 Dollar eine Anleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren und einem Zinssatz von vier Prozent gekauft, fällt der Preis der Anleihe, wenn der Zinssatz neu ausgegebener Anleihen auf fünf Prozent steigt. Darum wird von Anleiherenditen, nicht von Zinsen gesprochen. Der Effekt für den Schuldner – in diesem Fall die US-Regierung – ist derselbe: Kredite werden teurer und es muss künftig mehr Geld für Zinszahlungen ausgegeben werden.
Steigende Anleiherenditen wirken sich darum direkt auf den finanziellen Spielraum einer Regierung aus. Deswegen hat der Anleihenmarkt mehr noch als der Aktienmarkt das Potenzial, Politiker nervös zu machen. US-Finanzminister Scott Bessent hatte niedrigere Renditen für langlaufende Staatsanleihen zu Beginn seiner Amtszeit sogar als wichtiges Ziel der Regierung definiert. Das scheint nun verfehlt zu werden, wenige Wochen vor den wichtigen Midterm-Wahlen.
Bauzinsen in Deutschland sind bereits gestiegen
In der vergangenen Woche versuchte Bessent, direkt auf den Markt einzuwirken, indem er für mehr als sechs Milliarden Dollar langlaufende Staatsanleihen zurückkaufte. Im Prinzip ist das eine Umschuldung, denn die US-Regierung muss diese Ausgaben gegenfinanzieren mit kurzlaufenden Krediten – für die geringere Zinsen anfallen. Viele Experten bezweifeln, dass sich Anleiherenditen mit solchen Aktionen tatsächlich dauerhaft beeinflussen lassen. Der Markt für US-Staatsanleihen gilt als der größte Wertpapiermarkt der Welt. Und da sind sechs Milliarden Dollar relativ wenig – die gesamte Staatsverschuldung der USA beträgt im Moment etwa 40 Billionen US-Dollar.
Wegen seiner Größe beeinflusst der Markt für US-Staatsanleihen Finanzmärkte auf der ganzen Welt. Schuldverschreibungen der mächtigen US-Regierung gelten vielen Anlegern als „sicherer Hafen“. Wenn es dort höhere Zinsen gibt, kann das dazu führen, dass Investoren ihr Geld anderswo abziehen und in US-Staatsanleihen umschichten. Das kann dann etwa an Aktienbörsen zu sinkender Nachfrage führen – tatsächlich gaben Börsenkurse, etwa auch der deutsche Aktienindex Dax, in der vergangenen Woche nach. Zudem spielen Faktoren wie Inflation und Staatsverschuldung auch in anderen Ländern eine Rolle. Auch die Rendite etwa von zehnjährigen Bundesanleihen stieg in den vergangenen Tagen, sie liegt derzeit bei etwa 3,6 Prozent.
Relativ schnell wirkt sich das in Deutschland auf Bauzinsen aus, die sich an zehnjährigen Bundesanleihen orientieren. Daten der Beratungsfirma Barkow Consulting zufolge kostet ein Immobilienkredit mit zehnjähriger Laufzeit derzeit etwa 4,25 Prozent Zinsen. Ein ziemlicher Preisanstieg in kurzer Zeit: Ende Juni konnten Häuslebauer ihre Projekte noch mit gut 3,6 Prozent bei einer zehnjährigen Kreditlaufzeit finanzieren.
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