Saïd El Mala: Der eigensinnige Liebling der Stadt

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Por Von Philipp Selldorf, Köln — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

Lesezeit: 3 Min.

Solange Kölns Nationalspieler Saïd El Mala sehenswerte Siegtore schießt wie beim 2:1 gegen den Erzrivalen Gladbach, darf er auch besser postierte Mitspieler übersehen – und sich als Held des Tages inszenieren.

Von Philipp Selldorf, Köln

A bgesehen von den Fakten, dem 2:1-Erfolg des 1. FC Köln gegen Borussia Mönchengladbach und den sportlichen Folgen für beide Parteien, stand dieses rheinische Bundesliga-Derby im Zeichen von Momentaufnahmen, die den Nachmittag in Schlaglichtern illustrierten. Da gab es die Bilder von den Krawallen zwischen Fans beider Lager, die den Schiedsrichter sicherheitshalber zur Unterbrechung der Partie veranlassten und deren Auswertung in den kommenden Tagen die Polizei beschäftigen wird. Und es gab das Bild jenes Berufsfotografen, der nach Gladbachs Tor zum 1:1 seine Kamera ignorierte, damit er dem jubelnden Schützen Joe Scally gleich beide Mittelfinger zeigen konnte. Kollegen, die ihn bei der Aktion abgebildet hatten, gerieten in Gewissenskonflikte, was sie mit dem Motiv machen sollten. Doch die Versuche, den Mann mit einem schwarzen Balken über dem Gesicht unkenntlich zu machen, scheiterten an einem unverkennbaren Merkmal – seiner Glatze.

Das aufschlussreichste Foto des Tages aber ist das Porträt eines Selbstporträts. Es zeigt Saïd El Mala, der soeben die Auszeichnung zum Spieler des Spiels erhalten hat, und sich nun vor seinem Handy mitsamt der Trophäe selbst inszeniert. So viel Stolz im Blick, so viel Befriedigung. „Derbysieger, würde ich sagen“ – so stellte er sich später den Reportern vor. Fast wie James Bond: Mein Name ist El Mala, Derbysieger El Mala.

Im Duell der rheinischen Traditionsvereine setzt sich der FC dank des entscheidenden Tores von Neu-Nationalspieler Saïd El Mala gegen Gladbach 2:1 durch. Die Fans beider Lager gehen aufeinander los.

Der Kölner Flügelstürmer hat am Sonntagnachmittag nicht das beste seiner bisher 38 Bundesligaspiele gemacht, aber warum sollte ihn das interessieren? In der 66. Minute war ihm der Treffer gelungen, der die Partie entschieden hatte – ein Tor, das er seinem Standardrepertoire entnommen hatte: von links mit dem Ball nach innen gezogen, mit dem rechten Fuß kraftvoll in die hintere Ecke geschlenzt, Entfernung zum Ziel angeblich 22,5 Meter, Moritz Nicolas im Gladbacher Tor konnte den Einschlag trotzdem nicht verhindern. „Ich würde lügen, wenn ich sagen würde: schlecht“, antwortete El Mala auf die Frage nach seinem Befinden. Diese Lüge hätte ihm ohnehin keiner geglaubt.

In der vergangenen Woche war der 20 Jahre alte Linksaußen von seiner Länderspielreise mit Jürgen Klopps Nationalelf aus Griechenland zurückgekehrt. Obwohl er mit zwei merklich gehemmten Teilzeitauftritten die Erwartungen ein wenig enttäuscht hatte, fühlte er sich gestärkt. Ob ihm das Länderspieldebüt Rückenwind gegeben habe? „Definitiv“, erwiderte El Mala: „Ich kam mit stolzer Brust ans Geißbockheim, die Jungs haben sich tierisch für mich gefreut, das zeichnet ’ne Mannschaft aus.“

Ob ihm die Kölner „Jungs“ auch am Sonntagnachmittag immer so gewogen waren, ist die andere Frage. El Mala ließ, wenn er mit dem Ball drauflos stürmte, einige Gelegenheiten aus, den Kopf zu heben und dem Mitspieler den Pass zu servieren. Das passierte so häufig, dass beim letzten seiner Vorstöße – kurz danach folgte die Auswechslung – der aussichtsreich mitgelaufene Linton Maina gar nicht mehr ernsthaft versuchte, auf sich hinzuweisen und das Zuspiel zu fordern. Nach der Partie erzählte El Mala, ein Freund habe ihm am Samstag einen Hattrick prophezeit, und er habe ihm gesagt: „Bleib mal locker: Ein Tor ist auch okay.“ Doch „jetzt“, fügte er hinzu, „ärgert’s mich schon ein bisschen“.

Ist das noch jugendlicher Eigensinn? Mangel an taktischer Erziehung, nachdem El Mala ein Schuljahr übersprungen hatte, bevor er im Sommer 2025 aus der dritten Liga in die erste Liga aufgestiegen war? Oder ist das eine Egozentrik, die ihm von außen aufgedrängt wird, weil er der Star in der Stadt und der wichtigste (wenngleich der einzige) deutsche Nationalspieler des 1. FC Köln ist? Der Klub hatte im Sommer Kaufangebote von Borussia Dortmund in der Reichweite von 50 Millionen Euro ausgeschlagen, weil die Verantwortlichen überzeugt waren und weiterhin glauben, dass El Mala den Betrag auch nach seinem zweiten Lehrjahr in der Bundesliga wert sein und der Klub bis dahin sportlich weiter von ihm profitieren wird. Die Rechnung kann aufgehen, aber es ist eine mutige Kalkulation, und sie bedeutet viel Verantwortung für den betroffenen Spieler.

Ob er sich als Kapitalobjekt bewährt, beschäftigt El Mala glücklicherweise höchstens am Rande, wahrscheinlich nicht mal das, um das Geschäftliche kümmert sich die Mutter. In den Tagen vor dem Derby habe er „gebrannt“, berichtete er am Sonntag,. Das hatte vielleicht auch damit zu tun, dass ihn Borussia Mönchengladbach vor Jahren nicht ins Juniorenteam hatte aufnehmen wollen, als er an der Seite seines Bruders Malik dort Anschluss suchte. Aber vor so einem besonderen Spiel brauche niemand eine Extra-Motivation, dozierte er: „Wer da nicht brennt, der ist falsch im Fußball.“

Letzteres brauchen sich auch die weiterhin punktlosen Borussen nicht vorwerfen zu lassen, obwohl einige ihrer maskierten Fans nichts Besseres zu tun wussten, als die Spieler zu beschimpfen. Er habe „eine Mannschaft gesehen, die alles versucht und reingeworfen“ habe, verteidigte der neue Trainer Alexander Blessin seine Leute. Spielerisch waren die Kölner allerdings den gewissen Tick besser, und sie hatten in Gestalt von Saïd El Mala auch den gefährlichsten Angreifer. Der haarlose Fotograf, der sich nun vor seinem Arbeitgeber wegen der gestreckten Mittelfinger zu verantworten hat, kann den Neu-Nationalspieler zudem als Entlastungszeugen aufrufen. Joe Scallys provokanter Jubel vor der Kölner Fankurve – „das geht gar nicht“, urteilte El Mala: „Das gehört sich nicht vor unseren Fans, das ist nicht sportlich.“

Manuel Neuer patzt beim 2:2 in Augsburg auf kuriose Weise. Auswirkungen auf die Rotation mit Jonas Urbig im Tor des FC Bayern soll das keine haben. Doch die Entwicklung des Ersatzmanns, sagt Sportvorstand Eberl, sei „herausragend“.

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