Russland: Harsche Kritik am Putin-Besuch von Altkanzler Schröder

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Russland Harsche Kritik am Putin-Besuch von Altkanzler Schröder

9. Oktober 2026, 10:40 Uhr |

Lesezeit: 3 Min.

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Das am 08. Oktober entstandene und auf dem Telegram-Kanal des russischen Präsidenten gepostete Bild zeigt Gerhard Schröder und Wladimir Putin während der Geburtstagsfeier.
Das am 08. Oktober entstandene und auf dem Telegram-Kanal des russischen Präsidenten gepostete Bild zeigt Gerhard Schröder und Wladimir Putin während der Geburtstagsfeier. Handout / RUSSIAN PRESIDENTIAL PRESS OFFICE /AFP

Der frühere Bundeskanzler soll während seiner jüngsten Moskau-Reise eine spontane Einladung zur Geburtstagsfeier von Kremlchef Putin erhalten haben. Die Reaktion deutscher Politiker: „eine Schande“.

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Nach seinem Besuch der Geburtstagsfeier des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau steht Altkanzler Gerhard Schröder massiv in der Kritik. Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt und die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Europaparlaments, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), bezeichneten den Besuch als Schande. Nach Kreml-Angaben hatte Schröder am Mittwoch mit Kremlchef Putin dessen 74. Geburtstag gefeiert.

Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler. Der 82-Jährige ist mit Putin befreundet und steht unter anderem wegen dieser engen Verbindung und seines Engagements für russische Energieunternehmen seit Jahren in der Kritik. Auch seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat sich Schröder wiederholt mit Putin getroffen.

Der Kreml hatte auf der Plattform Telegram mitgeteilt, Putin habe am Mittwochmorgen aus den Medien von der Anwesenheit Schröders in der russischen Hauptstadt erfahren. „Der Präsident lud seinen alten Freund zu sich nach Hause ein“, hieß es. Gezeigt wurden auch Fotos, auf denen zu sehen ist, wie die beiden Männer lächelnd ihre Hände fest umeinander verschließen.

Der Altkanzler war nach seiner Berufung in den Aufsichtsrat der russischen Handelskette Hyperglobus nach Moskau gereist. Am Mittwochmorgen war Schröder in Moskau von Beschäftigten einer Filiale mit Applaus empfangen worden. Die Hyperglobus-Filiale im Westen der Hauptstadt betrat Schröder lächelnd, wie Aufnahmen des Senders RBK zeigten und begrüßte die Mitarbeiter. „Ich freue mich sehr, hier zu sein, diesen beeindruckenden Markt und die Ergebnisse Ihrer Arbeit zu sehen sowie Sie, meine lieben Kollegen, kennenzulernen“, zitierte der Sender den 82-Jährigen.

Zu Schröders anschließendem Besuch bei Putin schrieb Göring-Eckardt auf der Plattform X: „Eine Schande für Deutschland. Ein Verrat an Europa. Ein Bärendienst für Frieden.“ Strack-Zimmermann bezeichnete Schröder, ebenfalls auf X, als Deutschlands frechsten Rentner: Er sei „zu krank für Untersuchungsausschüsse“, aber „für gut dotierte Mandate in Russland und Geburtstagsparty zuhause bei Kriegsverbrecher Putin reicht’s dann doch noch. Eine Schande sondergleichen.“

Der Chef des CDU-Sozialflügels, Dennis Radtke, kritisierte ebenfalls, Schröder sei für einen Untersuchungsausschuss zu krank, aber fit genug für Moskau und Putin. Er fügte hinzu: „Wunderheilung à la Rasputin bei Gerhard Schröder.“ 2025 hatte Schröder Zeugenaussagen vor einem Untersuchungsausschuss zur Klimastiftung Mecklenburg-Vorpommern im Kontext des Baus der Erdgasleitung Nord Stream 2 mehrfach wegen einer Burn-out-Erkrankung abgesagt.

Merz-Sprecher zu Besuch: „geradezu unmoralisch“

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zeigte sich empört über das Treffen. Die Befehle Putins sorgten jeden Tag für unermessliches Leid, Tote und Verwundete. „Der Kanzler empfindet es vor diesem Hintergrund für geradezu unmoralisch, dass Schröder an einem solchen Tag mit Putin feiert“, sagte Vize-Regierungssprecher Steffen Meyer am Freitag in Berlin.

Das Auswärtige Amt und das Bundesinnenministerium betonten, dass sie nicht vorab über diese Reise informiert worden seien und die deutsche Botschaft vor Ort keine Hilfe geleistet habe. Russland habe derzeit erkennbar kein Interesse, den bestialischen Ukraine-Krieg zu beenden und ernsthaft zu verhandeln, fügte Vize-Regierungssprecher Meyer hinzu.

Der SPD-Außenpolitiker Stegner sagte hingegen dem Tagesspiegel, man müsse „in Russland mit denen reden, die da sind. Schröder kann Türen zu Putin öffnen.“ Stegner fügte hinzu: „Wenn Schröders Besuch dem Frieden nur einen Millimeter gedient hat, war dieser Besuch ein Erfolg.“

Der Altkanzler sei einer der wenigen Menschen, die Zugang zu Putin hätten. Diesen Zugang müsse man nutzen, sagte der Bundestagsabgeordnete. „Gerhard Schröder ist gegen den Krieg. Er wird Putin bestimmt nicht ermuntert haben: ‚Mach weiter mit dem Krieg!‘“, sagte Stegner weiter.

Dem Nachrichtenportal t-online sagte der SPD-Abgeordnete: „Gerhard Schröder ist kein aktiver Politiker, er war als Privatmann dort. Wir sollten in Deutschland keine Teufelsaustreibung betreiben, wenn ein Altkanzler nach Moskau reist.“

Zu Putins Geburtstag überzieht Russland die Ukraine mit massiven Angriffen

Am Mittwoch, dem Tag von Putins Geburtstag, hatte Russland die Ukraine erstmals in diesem Herbst mit einem der gefürchteten kombinierten Angriffe mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Kampfdrohnen überzogen. Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij sprach danach von mindestens 25 Toten und mehr als 100 Verletzten und bezeichnete den Angriff als ein „Geburtstagsgeschenk für Putin“.

Im Mai hatte Putin Schröder als Vermittler im Krieg zwischen Russland und der Ukraine ins Spiel gebracht. In der Bundesregierung waren Putins Äußerungen aber auf deutliche Skepsis gestoßen.

Schröder war nach seinem Ausscheiden aus der Politik lange Jahre für russische Energiekonzerne aktiv, unter anderem als Präsident des Verwaltungsrats der Nord Stream 2 AG, einer Tochtergesellschaft des russischen Energiekonzerns Gazprom. Die Pipeline wurde Ende 2021 fertiggestellt, ging aber wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine im Februar 2022 nicht in Betrieb. Die Bundesregierung unter dem damaligen Kanzler Olaf Scholz (SPD) versagte die Betriebsgenehmigung.

© SZ/dpa/Reuters/case/bkl – Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.

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