Österreich: Der falsche Jeff Bezos und ein echter Polizeieinsatz

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Österreich Der falsche Jeff Bezos und ein echter Polizeieinsatz

17. September 2026, 11:59 Uhr |

Lesezeit: 2 Min.

Hoher Besuch? Jeff-Bezos-Double Cagdas Halicilar bei seinem Auftritt bei der Werkzeugbau-Firma Haidlmair in Österreich.
Hoher Besuch? Jeff-Bezos-Double Cagdas Halicilar bei seinem Auftritt bei der Werkzeugbau-Firma Haidlmair in Österreich. Cagdas Halicilar

Zusammenfassung

  • Eine österreichische Werkzeugbau-Firma engagierte für eine Firmenfeier einen Jeff-Bezos-Doppelgänger, der per Hubschrauber einflog und von der Polizei eskortiert wurde.
  • Drei Beamte einer Spezialeinheit rechneten ihren Einsatz als Überstunden mit Gefahrenzulage ab, was nun zu Ermittlungen führt.
  • Das Bundesamt zur Korruptionsbekämpfung und die Grünen schalten sich ein, um zu klären, wer die Kosten trägt.

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Eine Firma in Österreich engagiert für eine Feier einen Jeff-Bezos-Doppelgänger. Der kommt mit einer Polizei-Eskorte. Auf Kosten der Steuerzahler? Der Ärger ist groß – nur einen freut’s.

Von Martin Zips

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Z u den Perlen der Online-Welt gehört zweifellos der seit 2011 vom Journalisten Friedrich Uthe reich gefüllte „leimenblog.de“. Zuletzt war hier aber etwas weniger vom gebürtigen Leimener Boris Becker die Rede, dafür mehr von Jeff Bezos. Schließlich ist man gerade hier, im nordwestlichen Baden-Württemberg, schon stolz darauf, das derzeit wohl erfolgreichste Gesichtsdouble des Amazon-Gründers unter seinen Einwohnern zu haben: den gelernten Elektriker Cagdas Halicilar, 49.

„Mit dem Hubschrauber zur Amazon-Party: Leimens falscher Bezos hebt wieder ab“, so war auf der Webseite des Leimenblogs Ende August zu lesen. Halicilar, so stand im Artikel, sei infolge seiner „verblüffenden Ähnlichkeit“ von der Werkzeugbau-Firma Haidlmair zur „Project Closing Party“ nach Micheldorf in Oberösterreich eingeladen worden – zur Feier des größten Auftrags in der Unternehmensgeschichte: sehr, sehr viele Spritzgießwerkzeugteile für Amazon-Logistikzentren.

Der falsche Bezos wurde stilecht per Heilikopter eingeflogen.
Der falsche Bezos wurde stilecht per Heilikopter eingeflogen. Cagdas Halicilar

Am Telefon erinnert sich Halicilar, der sich mittlerweile hauptberuflich als Bezos-Imitat über eine Agentur vermarkten lässt, begeistert an den Auftritt. Es seien sogar Spezialkräfte der österreichischen Polizei vor Ort gewesen, die alles noch authentischer gemacht hätten, erzählt er. Auch echte Amazon-Vertreter.

Das mit den Polizisten sorgt jetzt allerdings in Österreich für Ärger. Es werde gerade entsprechendes Bildmaterial ausgewertet, Ermittlungen laufen, bestätigte ein Sprecher der in Linz ansässigen Landespolizeidirektion Oberösterreich der SZ. Der Wiener Standard hatte zuvor berichtet, der Auftritt von drei Beamten der sogenannten „Schnellen Interventionsgruppe“, einer polizeilichen Spezialeinheit, sei später als „Überstunden inklusive Gefahrenzulage“ abgerechnet worden. Wer hat das bezahlt? Der Steuerzahler?

„Festzuhalten ist, dass wir jederzeit unsere Bereitschaft und unseren Willen kundgetan haben, alle anfallenden Kosten selbstverständlich zu übernehmen, damit dem österreichischen Steuerzahler keinerlei Kosten entstehen“, versichert auf Nachfrage ein Sprecher der Firma Haidlmair. Nur eine Rechnung sei bisher noch nicht eingegangen.

Polizisten der „Schnellen Interventionsgruppe“ als Staffage.
Polizisten der „Schnellen Interventionsgruppe“ als Staffage. Cagdas Halicilar

Interessant ist in dem Zusammenhang vielleicht auch, dass der Auftritt der Polizisten, das bestätigt der Firmensprecher, über den Chef der Linzer Stadtpolizei eingefädelt wurde. Bei diesem handele es sich um einen alten Bekannten des sich gerade im Ausland befindenden Firmenchefs Mario Haidlmair. Für den Personenschutz ist in Österreich aber eigentlich der Verfassungsschutz und das Einsatzkommando Cobra zuständig, nicht die Schnelle Interventionsgruppe. Auch der Dienstweg über die Stadtpolizei wirkt doch recht ungewöhnlich.

Über weiterführende Informationen verfügt leider noch nicht mal Herr Uthe vom Leimenblog. Bei der oberösterreichischen Landespolizeidirektion heißt es indes, man ermittle noch. Auch vom Linzer Polizeichef gibt es keine Antwort. Mittlerweile soll sich laut österreichischen Medienberichten allerdings auch das Bundesamt zur Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung eingeschaltet haben. Eine Vertreterin der Grünen kündigte eine parlamentarische Anfrage an. Sie würde gerne wissen, „wer diese Entscheidung getroffen hat, auf welcher Grundlage sie erfolgt ist und wer für die Kosten aufkommt“.

Die Ähnlichkeit ist nicht von der Hand zu weisen: Der echte Jeff Bezos mit seiner Frau Lauren Sanchez bei den US-Open.
Die Ähnlichkeit ist nicht von der Hand zu weisen: Der echte Jeff Bezos mit seiner Frau Lauren Sanchez bei den US-Open. Timothy A. Clary/AFP

So richtig glücklich über die ganze Sache ist vor allem Cagdas Halicilar. Schon damals, während der Bezos-Hochzeit in Venedig, hätten sich viele Handykameras auf ihn gerichtet, schwärmt er, jetzt sei seine Auftragslage noch besser. Man überlege sogar, ihn mit einem Filmteam quer durch die USA zu schicken, auf Bezos’ 
 Spuren. Auf den Amazon-Gründer lässt er übrigens nichts Schlechtes kommen, obwohl er ihn persönlich noch nie getroffen hat. Er sei aber aus seiner Sicht sehr sympathisch, sorge für Arbeitsplätze und zahle auch sicher viele Steuern. Oder, wie der Leimenblog über den früheren Handwerker Halicilar schreibt: Früher habe Leimen „vor allem Spargel und einen weltberühmten Tennisspieler“ exportiert. „Inzwischen können wir offenbar auch Bezos.“

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