Oktoberfest-Bilanz: Die Sonnen-Wiesn: Noch nie zog es so viele aufs Oktoberfest
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Oktoberfest-Bilanz Die Sonnen-Wiesn: Noch nie zog es so viele aufs Oktoberfest
4. Oktober 2026, 15:54 Uhr |
Lesezeit: 4 Min.

Zusammenfassung
- Mit 7,4 Millionen Besuchern verzeichnet das 191. Oktoberfest einen neuen Rekord – 900 000 mehr als im Vorjahr.
- Das gute Wetter sorgte für eine entspannte Stimmung, jedoch ereigneten sich zwei schwere Unfälle mit Fahrgeschäft-Mitarbeitern.
- Die Polizei meldet 1851 Einsätze und einen deutlichen Anstieg der Drohnenverstöße.
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Mit 7,4 Millionen Besuchern übertrifft das diesjährige Fest die vorherige Rekordmarke deutlich. Was es allerdings auch gab – auffällig viele Unfälle.
Von Jacqueline Lang
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Einmal mehr bricht die Wiesn ihre eigenen Rekorde: Stimmen die Schätzungen, dann werden bis Sonntagabend rund 7,4 Millionen Menschen das 191. Oktoberfest besucht haben, das sind 900 000 mehr als noch im Vorjahr. Die absolute Rekordmarke wurde bisher für das Jahr 2003 notiert: 7,2 Millionen Gäste strömten damals auf die Theresienwiese. Allerdings wurde damals – wegen der besonderen Feiertagskonstellation mit dem Tag der Deutschen Einheit – zwei Tage länger gefeiert, 18 statt 16 Tage lang.
Mit dem diesjährigen Besucherrekord gehen allerdings auch weitere Rekorde einher: So verzeichnen die Einsatzkräfte von Polizei und Aicher Ambulanz mehr Einsätze. Allerdings, und das wiederum führen die Verantwortlichen auf das fast durchgehend gute Wetter zurück: Alles in allem war es eine besonders entspannte Wiesn. „Sonnig, fröhlich, friedlich“, so fasst es Wiesnchef Christian Scharpf zusammen. In der Pressemitteilung ist gar von einer „Gute-Laune-Wiesn“ die Rede.
Neu ist, dass die Besucherzahlen unter der Woche deutlich gestiegen sind: von Montag bis einschließlich Donnerstag um 18,5 Prozent in der ersten Woche und sogar um 28,9 Prozent in der zweiten Woche. Scharpf führt das zum einen auf die Besucherlenkungskampagne „How to Wiesn“ zurück, zum anderen habe sicherlich das andauernd „spätsommerliche Wetter“ eine Rolle gespielt. Die großen Zelte waren nur selten komplett geschlossen, die Biergärten meist bis in die späten Abendstunden gut besucht.
Allerdings, auch das gehört zur Wahrheit: Die Wiesn 2026 wird von tragischen Unfällen auf dem Festgelände geprägt, von denen – nach jetzigem Stand – einer tödlich endete. Der erste ereignete sich am ersten Montag in den späten Abendstunden am Freefall-Tower „Hangover“. Ein 52-jähriger Mitarbeiter des Fahrgeschäfts wurde unter einer Gondel eingeklemmt und tödlich verletzt.
Der zweite trug sich am Vormittag des letzten Wiesn-Sonntags zu: Hierbei verletzte sich auf der Oidn Wiesn der 47-jährige Mitarbeiter der Schiffsschaukel schwer und musste reanimiert werden. In beiden Fällen sollen sich die Mitarbeiter in Bereichen der Fahrgeschäfte befunden haben, in denen sie nicht hätten sein dürfen.
Was Scharpf positiv hervorhebt, ist das neue Sicherheitskonzept: Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz, neu installierte Kameras, Crowdspotter, optimierte Kommunikationswege der Einsatzkräfte – all das habe sich „in der Praxis bewährt“. Zwar hätten an zwei Samstagen die Haupteingänge vorübergehend gesperrt werden müssen, eine vollständige Schließung des Festgeländes sei jedoch anders als im Vorjahr nie erforderlich gewesen. Zudem hätten die mehrsprachigen Durchsagen „Klarheit geschaffen“, so Scharpf.


Der Festbierkonsum ist laut dem Verein der Münchner Brauereien gestiegen: um 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, womit er bei 6,7 Millionen Litern lag. Überproportional zugelegt hat laut Scharpf die Nachfrage nach Weißbier. Im Trend liegt außerdem, das hatte sich schon zur Halbzeit abgezeichnet, das saure Radler – also Bier mit Sprudel gemischt. Scharpf hat dieses Getränk mittlerweile auch selbst probiert und resümiert: „Kann man trinken.“ Nachdem das klassische halbe Hendl in den vergangenen Jahren weniger stark nachgefragt war, war es der Bilanz zufolge in diesem Jahr wieder „im Aufwind“, vermeldet der Wiesnchef.
Allerdings, das haben laut Scharpf vor allem die Standlbetreiber bemerkt: Unter den Besucherinnen und Besuchern gab es heuer eine gewisse „Konsumzurückhaltung“, viele kamen demnach wohl einfach nur zum Flanieren. Beschweren können sich die Schausteller aber nicht. Auch ihnen haben das gute Wetter und die hohen Besucherzahlen geholfen.
Was fehlt, ist bis zum letzten Tag ein klarer Wiesn-Hit: Zwar sei das Kinderlied „Gute Laune“ von Großstadtengel häufig zu hören gewesen, von einem Wiesnhit sprechen könne man aber wohl nicht, meint Wiesnchef Scharpf.


Positiv fällt die Bilanz von Polizei und Aicher Ambulanz aus: Zwar vermelden beide mehr Einsätze, gleichwohl spricht etwa Thomas Schelshorn, Sprecher der Münchner Polizei, von einer „überwiegend entspannten Grundstimmung“. Was dieses Mal ausblieb: Ein Großeinsatz wie 2025, als das Festgelände wegen einer Bombendrohung einen halben Tag lang gesperrt worden war.
Konkret meldet die Polizei diese Zahlen: 1851 Einsätze, davon 237 Körperverletzungen; in 25 Fällen war dabei ein Masskrug die Tatwaffe. 80 Sexualdelikte wurden bis zum finalen Sonntag aufgenommen, davon fünf mutmaßliche Vergewaltigungen. 207 Betäubungsmittelverstöße wurden registriert – das ist ein Anstieg um mehr als 80 Prozent; in den meisten Fällen handelte es sich um Kokain. 159 Diebstähle wurden aufgenommen, der Großteil davon waren Taschendiebstähle.
Was stark zugenommen hat: Die Zahl der Fälle, bei denen das Flugbeschränkungsgebiet über der Wiesn und in einem Radius von 5,6 Kilometern um diese herum missachtet wurde. Gab es 2025 lediglich elf Verstöße, waren es heuer 146. Bei 127 davon waren unbemannte Drohnen im Einsatz, in 15 Fällen handelte es sich um bemannte Luftfahrzeuge wie Segelflieger. Die Zahl der Trunkenheitsfahrten mit E-Scootern war leicht rückläufig, die Polizei weist aber darauf hin, dass jedem, der es wage, klar sein sollte, dass berauscht E-Scooter zu fahren mit einer berauschten Autofahrt gleichgesetzt werde.
Die Aicher Ambulanz, die das Sanitätswesen auf dem Festgelände orchestriert, vermeldet bis zum Schlussspurt 8409 Patienten. Das sind mehr als 20 Prozent über dem Vorjahreswert. Der arbeitsintensivste Tag war dabei für die Sanitäter der finale Wiesnsamstag mit 935 Patienten. Dies bedeutet einen Tages- und Gesamtrekord. Lediglich in 40 Prozent aller Fälle war zu viel Alkohol allerdings der alleinige Behandlungsgrund. Häufig, so Michel Belcijan von der Aicher Ambulanz, seien Kreislaufprobleme oder kleinere Schnittwunden hinzugekommen.
Was der Sanitäter positiv hervorhebt: Nur 94 Patienten mussten in eine Klinik gebracht werden. Der höchste Alkoholwert, den die Sanitäter in diesem Jahr registrierten, lag bei 3,8 Promille. Wobei Belcijan sagt: „Messen können wir nur bei denjenigen, die motorisch und kognitiv noch in der Lage sind, in das Gerät zu pusten.“
Die diesjährige Wiesn war die 191. Ausgabe des Festes. Im kommenden Jahr soll vom 18. September bis zum 3. Oktober gefeiert werden. Was Wetter, Zuspruch und Stimmung anlangt, hat Wiesnchef Christian Scharpf einen Wunsch: „Ein Copy-and-paste der Wiesn 2026.“
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