Nach der Kür zum Olympia-Kandidaten: Wie geht es in München jetzt weiter mit Olympia?

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Por Von Joachim Mölter — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

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Wer spricht mit wem, warum muss die Stadt jetzt schon loslegen – und wer zahlt das eigentlich alles? Klar ist wohl nicht nur Ministerpräsident Söder: „Wenn es am Ende am Geld scheitern sollte in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt, wäre das peinlich.“

Von Joachim Mölter

A m Samstagmorgen saß Michael Asbeck im Café neben dem Baden-Badener Kurhaus, ließ sich die Sonne ins Gesicht scheinen und beobachtete gelassen das Kommen der nervösen und angespannten Sportfunktionäre, die später über den deutschen Kandidaten für eine Olympia-Bewerbung abstimmen sollten. In der Münchner Delegation war an diesem Morgen niemand so tiefenentspannt wie er; keiner hatte so wenig Zweifel, dass sich die bayerische Landeshauptstadt durchsetzen würde bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).

Michael Asbeck musste es ja wissen: Als Olympia-Koordinator im städtischen Sportamt hatte er in den zwei vergangenen Jahren die Erstellung des Münchner Bewerbungskonzepts geleitet. „Meine Arbeit ist getan“, sagte er, nippte am Espresso und genoss die letzten Momente der Muße, ehe es ernst wurde.

Nachdem München am Samstagnachmittag als diejenige Stadt ausgewählt worden war, mit der der DOSB nun beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) für Olympische und Paralympische Sommerspiele in den Jahren 2036, 2040 oder 2044 kandidiert, kommt nun neue Arbeit auf Michael Asbeck und sein Team zu  – und die wird nicht weniger werden.

Zwar ist völlig offen, wann das IOC die besagten Spiele vergibt und ob München überhaupt den Zuschlag bekommt für eines der genannten Jahre. Sicher ist aber, dass sich die Stadt zumindest darauf vorbereiten muss, in absehbarer Zeit eine Zusage zu bekommen. „Wir müssen uns beeilen und quasi morgen anfangen“, sagte Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne).

Ein sinnvoller Start wäre, so etwas wie ein Organisationskomitee einzurichten, das nun die internationale Olympia-Kampagne entwickelt. „Wir müssen uns erst einmal abstimmen, wie wir die Strukturen aufstellen“, sagt Münchens Sportreferent Florian Kraus, „und wir müssen über die Form der Zusammenarbeit reden, wie alle Beteiligten eingebunden werden.“ Eingebunden sind neben der Stadt München als potenzieller Ausrichter noch der DOSB als Bindeglied zum IOC sowie Bund, Freistaat und eventuell Wirtschaftsvertreter als Geldgeber.

Die Schwierigkeit bei der ganzen Sache: Keiner weiß, wie sich das IOC den weiteren Ablauf genau vorstellt. Die neue IOC-Präsidentin Kirsty Coventry hat im vorigen Jahr ein geändertes Vergabeverfahren angekündigt, mit verschiedenen, aber noch nicht näher definierten Stufen: Derzeit befindet sich der DOSB mit seiner Olympia-Bewerbung im sogenannten „continuous dialogue“, gewissermaßen in losen Gesprächen.

Anfang 2027 will das IOC dann mit einer Vorauswahl von Bewerbern in einen „strategic dialogue“ für die Spiele von 2036 übergehen, so etwas wie einen vertieften Dialog. Alle anderen Interessenten bleiben dann vermutlich in losen Gesprächen für die nächsten verfügbaren Spiele. Während man immerhin weiß, dass die Spiele 2036 spätestens 2029 vergeben werden sollen, ist für die Zeit danach alles offen. „Vom Vergabeverfahren des IOC hängt ab, wie man sich organisatorisch aufstellen muss“, sagt Michael Asbeck: „Wir tun uns schwer, Strukturen aufzubauen, ohne die genauen Aufgaben und Anforderungen zu kennen.“

Unabhängig von den IOC-Überlegungen stehen diverse Großprojekte an, die für Olympia umgesetzt werden müssten: ein olympisches Dorf für mehr als 10 000 Athleten und Betreuer zum Beispiel, oder neue Verkehrsanbindungen, der Bau von temporären Sportstätten. „Wir können mit den Infrastrukturmaßnahmen nicht warten, bis das IOC entscheidet – wir müssen jetzt loslaufen“, sagt der OB Krause. „Wenn’s die Spiele 2036 werden sollten, müssen wir schnell rangehen“, stimmt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zu.

Mit dem Erbe von 1972, dem Versprechen kompakter, nachhaltiger Spiele und prominenter Unterstützung überzeugt München die DOSB-Delegierten.

Nur: Um die Vorhaben schnell umzusetzen, braucht es rechtliche Veränderungen auf allen föderalen Ebenen – vom Bund über die Länder bis in die kommunalen Zuständigkeiten. Da ist die Politik gefragt für eine Art Olympia-Gesetz, um bürokratische Hürden zu beseitigen und das Bauen zu beschleunigen. „Es ist den Menschen kaum noch vermittelbar, wie lange das alles dauert“, sagt Krause und erinnert daran, dass vor Olympia 1972 die ersten U-Bahn-Linien innerhalb weniger Jahre befahrbar waren. Planung und Bau von Olympiastadion und den benachbarten Mehrzweck- und Schwimmhallen haben damals im Übrigen weniger als fünf Jahre gedauert.

Und wer finanziert das Ganze? Krause nannte am Samstag auf dem Podium im Kursaal von Baden-Baden die Summe von zehn Milliarden Euro, die die Olympischen und Paralympischen Spiele in München kosten würden. Die Hälfte ginge dabei für die Veranstaltung selbst drauf, käme aber durch Sponsoren- und Ticket-Einnahmen wieder aufs Konto zurück. Die anderen fünf Milliarden müssten in die Infrastruktur gesteckt werden, kämen also über die Spiele hinaus auch der Allgemeinheit zugute. „Die Frage ist jetzt, wer zahlt welchen Anteil bei den Infrastrukturmaßnahmen“, sagte Krause: „Wir werden auch mit dem Bund reden, wie er sich beteiligen wird.“

Die Entscheidung fällt in Baden-Baden, gefeiert wird im Alten Rathaus: München geht als deutscher Kandidat ins Olympia-Rennen 2036, 2040 oder 2044. Und nun geht die Arbeit erst richtig los.

Die finanzielle Unterstützung durch Bayern hat Ministerpräsident Söder am Samstag bekräftigt. „Der Freistaat Bayern kriegt das schon hin, mit dem Bund zusammen, die Spiele zu stemmen“, versicherte er: „Wenn es am Ende am Geld scheitern sollte in der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt, wäre das peinlich.“ Söder versprach: „Wir werden eine solide Finanzierung haben.“

Die genannten fünf Milliarden Euro für die Infrastruktur seien freilich nur das Mindeste, was gebraucht würde, sagt Münchens Olympia-Koordinator Asbeck: „Es gibt aber darüber hinaus Projekte, die wir anschieben wollen. Da müssen wir dann abgleichen zwischen ,Must-have‘ und ,Nice-to-have‘. Und das muss man gemeinsam diskutieren.“ Welche wünschenswerten Vorhaben man dann umsetzen könne, hänge auch davon ab, „wozu und in welchem Maße die Wirtschaft beitragen möchte“.

Eine vergleichsweise leicht zu bewältigende Herausforderung sah Sportreferent Kraus noch in der Frage, „wie wir mit kommenden Großveranstaltungen im Sport umgehen: Die sind ja jetzt schon das Aushängeschild für die internationale Bewerbung“. Erstes Beispiel ist die bereits im Januar anstehende Handball-WM der Männer, bei der die Vorrunde in der neuen Mehrzweckhalle des Olympiaparks ausgetragen wird.

Auf Münchens Olympia-Macher wartet also jetzt eine Menge Arbeit, doch Oberbürgermeister Krause sagte am Samstag: „Wir freuen uns, dass wir jetzt richtig loslegen können.“ Was Olympia angeht, spürt er schon „einen wahnsinnigen Vibe in der Stadt“.

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