Merz in Berlin: „Es ist eine schwere Verantwortung, die auf deinen Schultern ruht, lieber Friedrich“

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Por Von Meredith Haaf, BerlinTop – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

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Merz in Berlin „Es ist eine schwere Verantwortung, die auf deinen Schultern ruht, lieber Friedrich“

17. September 2026, 20:36 Uhr |

Lesezeit: 4 Min.

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Der Berliner Spitzenkandidat Stefan Evers (links) bereitet Bundeskanzler Friedrich Merz einen betont freundlichen Abend im Konrad-Adenauer-Haus.
Der Berliner Spitzenkandidat Stefan Evers (links) bereitet Bundeskanzler Friedrich Merz einen betont freundlichen Abend im Konrad-Adenauer-Haus. Fabrizio Bensch/REUTERS

Zusammenfassung

  • Bundeskanzler Friedrich Merz unterstützt am Donnerstagabend im Konrad-Adenauer-Haus den Berliner CDU-Spitzenkandidaten Stefan Evers vor den Landtagswahlen am Sonntag.
  • Nach der krachenden Niederlage in Sachsen-Anhalt geht es bei den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern auch um Merz' politische Zukunft als Kanzler.
  • Merz bemüht an diesem Abend historische Parallelen und kündigt einen Zehn-Punkte-Plan gegen Sozialstaatsbetrug an.

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Auch in Berlin macht Kanzler Merz nur in einem sorgfältig kuratierten Umfeld Wahlkampf. Er weiß, dass es bei den Landtagswahlen am Sonntag um alles geht, auch für ihn persönlich.

Von Meredith Haaf, Berlin

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Friedrich Merz hat „viele nette Nachrichten“  diese Woche bekommen, „von Menschen aus der Kultur, die dankbar sind“. Das erzählt der Bundeskanzler am Donnerstagabend auf der Bühne im Konrad-Adenauer-Haus, der Bundesgeschäftsstelle der CDU in Berlin. Es geht um den Hauptstadtfinanzierungsvertrag, den der Bund in dieser Woche mit dem Land Berlin abgeschlossen hat. Der Bundeskanzler hat also wohl doch noch ein paar Freunde.

Merz ist heute da, um den Berliner Landesverband und seinen Spitzenkandidaten Stefan Evers beim „Wahlkampfschlussspurt“ zu unterstützen. Schon im Januar 2023, kurz vor der Wiederholungswahl, hatte er den damaligen Spitzenkandidaten Kai Wegner unterstützt. Das „Unmögliche wurde möglich“, wie Evers es heute ausdrückt. Evers war damals Architekt der Kampagne, die Wegner überraschend ins Rote Rathaus brachte. Im Juli übernahm er die Spitzenkandidatur und den Landesvorsitz, nachdem Wegner wegen seiner öffentlichen Lügen zurückzog.

Früher war er mal zum Wahlkampf in Neukölln

Der letzte Wahlkampf, das waren andere, für die CDU deutlich entspanntere Zeiten: Friedrich Merz war ein kraftstrotzender Oppositionsführer, der nicht nur im Konrad-Adenauer-Haus den Parteikollegen einheizte, sondern sich sogar nach Neukölln in die Gropiusstadt wagte, um dort für die CDU zu werben. Für seine mäßig verbindende Kommunikationsweise – „kleine Paschas“ – war er schon damals bekannt. Aber er war noch nicht der unbeliebteste deutsche Bundeskanzler, seit es Beliebtheitsumfragen gibt.

Solche Auftritte würde deswegen derzeit wohl niemand in der CDU Berlin befürworten. Im Gegenteil, aus der Partei hört man in Sachen Merz vor allem die Erschöpfung darüber, den Kanzler an Infoständen und Haustüren ständig erklären und verteidigen zu müssen. Den Bundeskanzler holt man sich im Jahr 2026 dorthin, wo man die volle Kontrolle hat: ein vorsichtig kuratiertes Publikum aus CDU-Mitgliedern, dazu ein paar Ehrengäste wie Friede Springer, Volker Beck und ein Jesuitenpater. Hier kommt niemand rein, der den Bundeskanzler aus der Fassung bringen könnte.

Merz kommt mit Evers und Bundesgeneralsekretärin Franziska Hoppermann auf die Bühne. Der Saal steht auf, aber der planmäßige Applaus plätschert eher lauwarm vor sich hin und gilt vor allem Evers, dem hier alle sehr dankbar sind. Hoppermann sagt, dass die CDU „Berlin gut tut“ und: „Es ist nicht einfacher geworden, Wahlkampf zu führen in einer polarisierten Zeit.“ Sie dankt allen, die „buchstäblich Gesicht zeigen auf den Straßen“. Das ist nicht etwas für jeden, ist der Subtext. Die Konfrontation mit der Öffentlichkeit ist offenbar ein Schmerzthema im Parteivorstand.

Evers spricht dann erst lange über Berlin, wettert in gewohnter Manier gegen „alle Extremisten“ und kündigt den Kampf an gegen „jede Menschenfeindlichkeit, sei es Vermieterfeindlichkeit oder Judenfeindlichkeit“; interessanterweise sagt er nichts über Rassismus. Er sagt, er habe im „wilden Ritt“ der letzten zehn Wochen eines gelernt: „Wenn du denkst, dass Berlin mit dir fertig ist, ist es noch lange nicht mit dir fertig.“ Ob das auch für Deutschland und den Bundeskanzler gilt? Nach der krachenden Niederlage der CDU in Sachsen-Anhalt und den Debatten, die in der Partei seitdem geführt werden, drängt sich die Frage natürlich auf.

Ein bisschen Kritik an Merz üben sie hier schon

Wenn am Sonntagabend die Wahlergebnisse aus Berlin und Mecklenburg-Vorpommern kommen, wird es jedenfalls auch um Merz’ Zukunft gehen. Während in Mecklenburg-Vorpommern nicht mal der Einzug der CDU in den Landtag gesichert scheint, will die Partei in Berlin – allerdings nach schweren Einbußen im letzten Jahr – das Rote Rathaus verteidigen. Darauf hat sie auch eine realistische Chance. Sollte die CDU in Mecklenburg-Vorpommern aber nicht über die Fünf-Prozent-Hürde kommen und sollte Evers am Sonntag scheitern, wird es für den Kanzler eng.

Evers aber meint es an diesem Abend gut mit Friedrich Merz. Ein bisschen Kritik hat er schon. Er berichtet von der Arbeit in seiner eigenen schwarz-roten Koalition, und dass man alle Konflikte immer hinter verschlossenen Türen ausgetragen habe. „Aber dann sind wir gemeinsam raus gegangen und sind geschlossen aufgetreten.“ Die Bundesregierung ist da ja anders, deswegen ist klar, wen Evers meint, wenn er sagt, er  wünsche sich diesen Politikstil nicht nur für Berlin, sondern auch für ganz Deutschland.

Aber zu Evers politischer Marke gehört die Loyalität, die er in seinem Landesverband immer wieder bewiesen hat. „Es ist eine schwere Verantwortung, die auf deinen Schultern ruht, lieber Friedrich. Und wir werden in Berlin alles tun, um dich auf diesem Weg zu unterstützen.“ Er wolle dafür sorgen, dass Berlin eine Hauptstadt bleibt, auf die Deutschland und auch Merz persönlich stolz sein können.

Merz wirkt fast gerührt über diese Ansprache, und er fühlt sich hier sichtlich wohl, so unter seinesgleichen. „Sie haben eine nicht ganz einfache Koalition und wir haben eine nicht ganz einfache Koalition. Nach 16 Monaten, trotz aller Kritik und manches davon teile ich, können wir sagen: Wir sind auf dem Weg raus aus der Krise.“ Das „tiefe Tal der stagnierenden Wirtschaft“ sei durchschritten. Er verteidigt die Rentenreform: „Wir nehmen niemandem etwas weg. Wir machen das nicht für uns, sondern damit wir den Jungen wirklich eine Chance geben können.“

Insgesamt hält sich Merz an diesem Abend nicht mit allzu Konkretem auf. Dafür wird sein Selbstverständnis deutlich, und das ist historisch. Er spricht ein bisschen über die Geschichte von Berlin, über Bundestagssitzungen, die er noch „zu Teilungszeiten“ erlebt habe. Er rekurriert auf Ludwig Erhard („Jeder von uns, der ein bisschen wirtschaftspolitisch interessiert ist, hat ihn im Regal stehen. Und der ein oder andere hat ihn sogar gelesen“) und auf Konrad Adenauer. Die Stalin-Note! Als der sowjetische Diktator die deutsche Einheit anbot unter der Maßgabe der Neutralität, habe Adenauer abgelehnt. „Heute wissen wir, dass diese Antwort gegen weit verbreitete Meinungen in der Öffentlichkeit richtig war.“

„Wer heute den Kampf in Deutschland aufgibt, hat morgen die Freiheit in ganz Europa aufgegeben“, sagt er. Er „und die Bundes-CDU“, sagt Merz, würden „auf die Wahlen schauen am Sonntagabend, vor allem auf Berlin.“ Die Betonung liegt auf dem letzten Teil des Satzes. Dann kündigt der Kanzler noch an, er werde am Mittwoch im Kabinett den nächsten Zehn-Punkte-Plan verabschieden, gegen Sozialstaatsbetrug. Jubel gibt es an diesem Abend nur für Stefan Evers, der Applaus für den Bundeskanzler wirkt aber nicht nur der CDU-üblichen Disziplin geschuldet. Und der Kanzler klingt insgesamt so, als habe er auch für die nächste Zeit noch ein paar Pläne im Amt, größere und kleinere.

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