Kandidatenkür des DOSB: „München kann Olympia“ – das Alte Rathaus im Jubelrausch

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Por Von Catherine Hoffmann — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

Lesezeit: 3 Min.

Die Entscheidung fällt in Baden-Baden, gefeiert wird im Alten Rathaus: München geht als deutscher Kandidat ins Olympia-Rennen 2036, 2040 oder 2044. Und nun geht die Arbeit erst richtig los.

Von Catherine Hoffmann

Als aus Baden-Baden die Nachricht kommt, dass München als deutscher Kandidat für die Olympischen Spiele ausgewählt ist, gibt es im Alten Rathaus kein Halten mehr. Die Menschen springen auf, klatschen, johlen, pfeifen. „München, München“ schallt es durch den Saal. Papierfähnchen flattern, Wiesn-Brezen werden in die Höhe gereckt.

Vor den Kameras stehen Münchens Dritte Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD) und Sandro Kirchner (CSU), Staatssekretär im Bayerischen Innenministerium. Dietl reckt den Daumen nach oben, Mona Fuchs (Grüne) schwenkt einen Olympiadackel von 1972. Die Kameras sind auf die Bühne gerichtet, der Jubel schwillt noch einmal an. Kellner bringen Sekt. Für einen Augenblick hat das Alte Rathaus etwas von Wiesn und Jahrmarkt zugleich.

Auf dem Bildschirm in Baden-Baden bedankt sich Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) bei allen, die mitgewirkt haben. „Jetzt geht’s los. Auf internationaler Ebene fangen wir erst richtig an.“ Der Satz holt den Saal kurz zurück auf den Boden: München ist Deutschlands Kandidat. Die Spiele selbst sind damit noch lange nicht vergeben.

Dietl sagt nach der Entscheidung, sie sei „völlig überwältigt“. Die Stadt habe alles gegeben und die Münchner Bevölkerung ebenso wie die Mitgliedsverbände überzeugt. „Es ist ein grandioser Moment.“ Zugleich zählt sie auf, woran weitergearbeitet werden müsse: Mobilität, Olympisches Dorf, das Konzept insgesamt. Die Bewerbung hat ihren ersten großen Lauf gewonnen; der nächste beginnt auf internationaler Ebene.

Dabei wirkt die Anspannung, die sich kurz zuvor im Saal ausgebreitet hat, schon weit weg. Die Wände dort sind an diesem Tag in den Farben der olympischen Ringe angestrahlt. Als auf den großen Leinwänden Bilder der Spiele von 1972 laufen, wird das Stimmengewirr leiser. Noch ist offen, wer gewinnt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagt: „Der Sieger steht fest, aber wir kennen ihn noch nicht.“ Im Saal wird gelacht und gestöhnt. Applaus gibt es, als Steinmeier davon spricht, dass Deutschland ein weltoffenes Land sei und bleiben wolle.

Auf der Bühne in Baden-Baden stehen die Ministerpräsident von Bayern und Nordrhein-Westfalen, Markus Söder (CSU) und Hendrik Wüst (CDU). Söder bekommt Beifall für den Satz, der Freistaat werde das schon hinbekommen mit den Spielen. Wenn es am Ende am Geld scheitern sollte, wäre das peinlich, sagt er. Als er sagt „Wir wollen Sportgeschichte schreiben“, wird es laut im Saal.

Noch vor der Entscheidung bittet der Moderator im Alten Rathaus die Gäste, sich zu den BR-Kameras umzudrehen und Stimmung zu machen. Die Antwort: Pfiffe, Johlen, rhythmisches Klatschen. „München, München.“ Auch da werden schon Papierfähnchen und Brezen geschwenkt. Der Jubel dauert an, bis er fast in den Ohren schmerzt. Freudige Erwartung, noch ein paar Fotos, noch eine Runde Jubel.

Wie weit die Menge ihrer Hoffnung schon vor der Verkündung vorausgeeilt ist, zeigt sich an diesem sonnigen Wiesn-Samstag immer wieder. Viele sind in Lederhose und Janker oder im Dirndl gekommen. Die Stimmung ist bestens, obwohl das Rennen als offen gilt. Im Saal scheint trotzdem kaum jemand daran zu zweifeln, dass München vorne liegen könnte.

Kurz nach 13 Uhr hatte Dietl noch von einem Kopf-an-Kopf-Rennen gesprochen. Sie begrüßt die vielen Stadträtinnen und Stadträte im Saal, Vertreterinnen und Vertreter der Umlandgemeinden. Marion Schöne, die Geschäftsführerin der Olympiapark München GmbH, ist da und Manfred Gößl, der Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern. „Nur gemeinsam sind wir stark“, sagt Dietl. „Wir haben die Infrastruktur schon hier vor Ort.“ Dafür gibt es kräftigen Applaus.

Wie bei den Spielen 1972 sollen auch diesmal Wettbewerbe in Schwaben stattfinden, Kanu und Kajak  im berühmten Eiskanal – und Fußball. Aber Augsburg will noch mehr.

Kirchner begrüßt Abgeordnete aus dem Landtag. „Für uns ist heute ein großer Tag, wir alle fiebern mit.“ In die Bewerbung sei viel Herzblut geflossen, sagt er. Stadt und Land hätten Hand in Hand gearbeitet. „München kann Olympia“, sagt er mit Gewissheit.

Dann beginnt die Liveübertragung aus Baden-Baden. Erst branden „Whoo“-Rufe und Beifall auf. Als die Moderatorin spricht, wird es plötzlich still. Die Blicke richten sich auf die Leinwand; Dietl und Kirchner schauen vom Bühnenrand aus zu. Das Publikum, eben noch laut und zuversichtlich, wartet jetzt auf die Entscheidung.

Vielleicht passt gerade diese Mischung aus Zuversicht und Nervosität zu einer Stadt, die sich lange mit der Frage beschäftigt hat, ob sie Olympia überhaupt will. Beim Bürgerentscheid am 26. Oktober 2025 stimmten 66,4 Prozent dafür, dass München sich um Olympische und Paralympische Sommerspiele bewirbt. Die Wahlbeteiligung lag bei 42 Prozent. Auch im Stadtrat gab es eine breite Mehrheit für das Ratsbegehren; Linke und ÖDP stimmten dagegen.

Für Olympia hatten sich der damalige Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), Söder und Dietl starkgemacht. Sie verwiesen auf die Sportstätten von 1972 und versprachen Impulse für Nahverkehr, Wohnungsbau und Breitensport. Zu den prominentesten Kritikern zählten Ludwig Hartmann (Grüne), der Vizepräsident des Bayerischen Landtags, Stadtrat Tobias Ruff (ÖDP) und Stefan Jagel (Linke). Sie warnten vor unkalkulierbaren Kosten, Verkehrsproblemen und Eingriffen in Naturflächen.

Der Streit um das Olympische Dorf ist damit nicht erledigt. Es soll weiterhin östlich von Daglfing und Englschalking entstehen. Kritiker sehen dort wertvolle landwirtschaftliche Flächen und eine Frischluftschneise bedroht. Auch Mitglieder des FC Teutonia hatten sich um ihr Vereinsgelände nahe dem Olympiapark gesorgt. Das Ja zur Bewerbung war also kein Blankoscheck für jedes einzelne Bau- und Verkehrsprojekt.

Heute im Alten Rathaus aber ist von diesen Einwänden nichts zu hören. Hier haben sich die Befürworter versammelt, hier wird gefeiert. Und als die Entscheidung fällt, klingt es, als wolle der Saal der internationalen Bühne schon einmal zeigen, wie laut München sein kann.

Berlin, Rhein-Ruhr oder München? Am Samstag soll die Entscheidung über den deutschen Olympiabewerber fallen. München geht mit einem starken Partner ins Finale – und erinnert damit an die Spiele von 1972.

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