Haben & Sein: Schmoren in unendlichen Weiten
Por Von Anne Goebel, Max Scharnigg und Silke Wichert — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport
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Haben & Sein Schmoren in unendlichen Weiten
18. September 2026, 15:35 Uhr |
Lesezeit: 3 Min.

Science-Fiction in der Küche, ein wirklich passgenaues Sofa und eine Gym-Kollektion mit Wow-Effekt – die Stilnews der Woche sind voller schöner Überraschungen!
Von Anne Goebel, Max Scharnigg und Silke Wichert
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Der Star-Topf
D ass ausgerechnet Le Creuset die Möglichkeiten des Weltraums erkunden würde, hatte man auch nicht auf der Bingokarte für diesen Herbst. Aber der französische Traditionshersteller, seit hundert Jahren bekanntlich zuständig für schweres Gusseisen, Sonntagsbraten und Dinge, die sehr lange bei sehr niedriger Temperatur vor sich hin schmoren, präsentierte diese Woche tatsächlich eine „Star Trek“-Kollektion. Und die ist erstaunlich heiter geraten: Die berühmten, schweren Cocottes bekommen dabei Knäufe in Form ikonischer Star-Trek-Abzeichen (lassen sich auch einzeln nachrüsten!), während eine neue Keramik-Auflaufform so gestaltet ist, dass man beim Öffnen der Ofenklappe an die USS Enterprise denken muss. Auch hübsch: der Ofenhandschuh, der schon im vulkanischen Gruß vorgeformt ist. Botschaft: Lebe lang und in Frieden und verbrenn dir dabei nicht die Finger.
Warum diese Kooperation? Das bleibt erfreulich nebulös. Aber es muss ja nicht alles immer einen Grund haben, und umso unbeschwerter wirkt diese Edition für die vermutlich relativ kleine Zielgruppe von Küchen-Klingonen. Trekkies und Terrinen, gibt es da wirklich Überschneidungen? Auf jeden Fall ist die Nachricht ein guter Impuls, die eigene Küche für den Herbst zu wappnen: Schmorgerichte, Suppen, Gratins und Aufläufe übernehmen wieder das Kommando auf der Brücke und die Küche geht allgemein auf Warp-Antrieb. Wäre nur praktisch, wenn man die schweren Töpfe nach Gebrauch dann auch in den Schrank beamen könnte.

Einfach mal fallen lassen
Uff! – das ist wohl das passende Geräusch nicht nur für die Jahreszeit, sondern auch für den Zustand der Welt. Erschöpfung, Erleichterung, Eskapismus – ein Uff passt zu all den Zuständen, die man jeden Tag durchlebt, und die alle verlangen nach einem guten Sofa, auf das man sich – Uff! – nach einem harten Tag fallen lassen kann. Dass der Hersteller Tylko sein neues Sofasystem so nennt, ist deshalb schon einmal ziemlich gut getroffen. Die 2015 in Warschau gegründete Marke kennt man bisher vor allem für Regale, Schränke und Sideboards, die sich am Bildschirm so lange zurechtkonfigurieren lassen, bis sie aussehen, als hätte ein Schreiner vorher die Wohnung ausgemessen. Neuerdings soll dieses Prinzip auch auf Polstermöbel übertragen werden. „Uff“ ist in diesem Sinne auch weniger ein einzelnes Sofa als ein Baukasten fürs Sitzen. Sechs Grundmodule lassen sich zu mehr als tausend Kombinationen zusammensetzen, später trennen, erweitern oder neu arrangieren. Vor allem aber können die Module in Zehn-Zentimeter-Schritten angepasst werden. Das ist tatsächlich ungewöhnlich in der Branche und ideal für perfekt ausgefüllte Wandnischen oder knifflige Grundrisse. 15 Farbtöne stehen für das Sofasystem zur Wahl, kombiniert werden sie mit feinem oder stärker strukturiertem Bouclé-Stoffen – es darf also wieder am Bildschirm viel ausprobiert und probehalber konfiguriert werden. Das allein ist ja oft schon ein ganz guter Eskapismus …

Fließender Übergang
Ein paar Hundert Flaschen Chanel-Nagellack, das sollte auch für Fans der Marke, von denen es jetzt wieder eine Menge gibt, eine Weile reichen. Die Künstlerin Janine Mackenroth trägt den luxuriösen vernis à ongles allerdings gar nicht dort auf, wo er eigentlich hingehört, sondern hat aus drei Nuancen zum Beispiel ihre Bilderserie „Schwarz Rot Gold“ komponiert: Mehr als zwei Meter lange Leinwände mit zerlaufenden Farbströmen, die in ihrem unstrukturierten Mäandern so gar nicht zu den Blockstreifen der deutschen Flagge passen. Und überhaupt, Nagellack soll intellektuell und museumsreif sein? Genau darum geht es der Münchner Konzeptkünstlerin, eingefahrene Sichtweisen interessieren sie nur, um sie zu brechen – ihre „Malmaschine“, die den Lack automatisiert aufträgt, spielt auf wunderbar ironische Weise mit dem Klischee, dass Männer Kultur und Frauen sich die Nägel machen. Die 37-Jährige hat darüber schon vor einigen Jahren das Buch „I love women in art“ geschrieben, noch immer gibt es beschämend wenige Frauen, die als Künstlerinnen Beachtung finden. Mackenroths aktuelle Ausstellung „Kalos“ ist noch bis Ende September in der Galerie im Bergson Kunstkraftwerk München zu sehen.

Schön drüber
Die amerikanische Sportmarke Fabletics ist mit drei Dingen bekannt geworden: 1. Kate Hudson. Die Schauspielerin war im Jahr 2013 Mitgründerin. 2. Die etwas kontroverse VIP-Mitgliedschaft. Ein optionales Abomodell (vor allem in den USA, dort aber sehr verbreitet), bei dem man einen monatlichen Betrag zahlt, den man dann zum Vorzugspreis vershoppen kann. 3. Die Seamless Scrunch Bum Leggings, angeblich das beste Modell am Markt, das den Hintern anhebt, konturiert (Stichwort: Po-Falte) und in Knackform bringen soll. Manche Frauen gehen mit keiner anderen Hose mehr ins Gym oder zum Yoga, in jedem Fall ist das Teil der absolute Bestseller der Marke.
In der neuen Herbstkollektion dreht sich alles um die Übergangszeit und den Übergang von Gym und Zuhause/Büro. Allmählich muss man sich ja wieder etwas überziehen, damit man vorher nicht durchgefroren ankommt oder sich hinterher durchgeschwitzt erkältet. (Jedenfalls all jene, die lieber daheim duschen). Deshalb gibt es jetzt jede Menge Jacken und Pullover in weichem Fleece und Teddyoptik, dicke Socken und „Drüber“-Hosen. Die Farben liegen irgendwo zwischen Ecrú und Chai Latte, die Preise etwas unterhalb von Marken wie Lululemon. Ob deshalb oder vor allem wegen Scrunch Bum – Fabletics ist zuletzt stark gewachsen. Im vergangenen Jahr gingen die Umsätze um 18 Prozent nach oben, im aktuellen Jahr sollen sie bereits um mehr als 20 Prozent gestiegen sein. Geht eben keiner mehr im Schlabbershirt trainieren, das Outfit muss heutzutage mindestens so gut performen wie man selbst.
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