Gewalt im Cockpit: Was wir über den FlyDubai-Flug wissen
Por Von Anna Schimpp, Jens Flottau und Oliver Klasen — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport
Gewalt im Cockpit Was wir über den FlyDubai-Flug wissen
1. Oktober 2026, 14:54 Uhr |
Lesezeit: 4 Min.
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Nach der gewaltsamen Auseinandersetzung im Cockpit einer Maschine der emiratischen Fluggesellschaft auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv spricht Israels Regierung von Terror – doch viele Fragen sind noch offen.
Von Anna Schimpp, Jens Flottau und Oliver Klasen
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Auf dem Flug FZ1073 von Dubai nach Tel Aviv spielten sich dramatische Szenen ab. Nach einer gewaltsamen Auseinandersetzung im Cockpit, bei der ein Pilot auf seinen Kollegen eingestochen haben soll, musste das Flugzeug in Saudi-Arabien notlanden. Die israelische Regierung geht von einem versuchten Terroranschlag aus, Verteidigungsminister Israel Katz sprach vom „Versuch eines dschihadistischen Anschlags“. Doch die genauen Hintergründe sind noch unklar. Was wir bisher wissen. Und was nicht.
Was ist an Bord des Flugzeuges passiert?
Medienberichten zufolge und nach Angaben des israelischen Regierungschefs hat einer der Piloten mit einem Messer auf seinen Kollegen eingestochen. Die Plattform Flightradar24 gibt an, dass die Boeing 737 Max 8 um 07:21 MESZ, etwa zwei Stunden nach ihrem Start, zunächst einen steilen Sinkflug einleitete, danach kurzzeitig wieder anstieg und danach erneut steil sank. Laut Medienberichten stürzte der Flieger in einer Minute rund 4000 Meter in die Tiefe. Um 07:28 MESZ meldete das Flugzeug den Code 7700, der einen „allgemeinen Notfall“ anzeigt. Um 07:35 MESZ folgte der Code 7500, der auf eine Flugzeugentführung hinweist. Nachdem die Maschine kurzzeitig in den jordanischen Luftraum eingeflogen war, drehte sie Flightradar24 zufolge um 180 Grad und flog anschließend in südwestlicher Richtung ins saudi-arabische Tabuk. Als sich das Flugzeug Tabuk näherte, wechselte es wieder auf den Code 7700.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, ein Passagier habe ihm bei einem Telefongespräch geschildert, wie das Flugzeug zu trudeln angefangen habe und in einen Sturzflug geraten sei. Gemeinsam mit einem Besatzungsmitglied sei es dem Passagier der Schilderung nach gelungen, in das Cockpit vorzudringen. Gemeinsam hätten sie den Angreifer ausgeschaltet, während dieser versucht habe, die Bordgeräte zu beschädigen.
Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wurden international verstärkte Cockpittüren eingeführt, die sich nicht von außen öffnen lassen. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate schreiben ihren Airlines solche Türen vor. Zum großen Glück gelang es FlyDubai-Kapitän Smit Machchhar noch im Kampf mit seinem Co-Piloten, die Cockpittür von innen zu entriegeln, sodass Passagiere den Angreifer überwältigen und zwei zufällig mitreisende Piloten das Flugzeug übernehmen konnten.
Was weiß man über die beiden Piloten der Boeing „737 MAX 8“?
Pilot Machchhar, der mutmaßlich Opfer des Messerangriffs wurde, kommt aus Mumbai, der Finanzmetropole Indiens, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet. Er werde derzeit in einem Krankenhaus in Tabuk behandelt und befindet sich laut dpa in einem stabilen Zustand. Netanjahu und der indische Premier Narendra Modi würdigten die Furchtlosigkeit des indischen Piloten.
Das Motiv für die Tat ist bislang unklar. Der aus Oman stammende zweite Pilot, der seinen Kollegen mit dem Messer attackiert haben soll, wird nach Angaben der Times of Israel aus seinem Kollegenkreis als religiöser Extremist beschrieben. Die Zeitung bezieht sich auf Aussagen eines Piloten gegenüber dem israelischen Nachrichtensender Channel 16. „Er betete den ganzen Tag übermäßig viel und weigerte sich, Frauen die Hand zu geben“, wird der Pilot zitiert. Nach erster israelischer Einschätzung soll es sich um einen Einzeltäter handeln, wie der TV-Sender Kan berichtete. Es gebe keinen Hinweis darauf, dass ein Staat oder eine Terrororganisation Drahtzieher des Vorfalls sein könnte, hieß es unter Berufung auf Sicherheitskreise. Netanjahu sagte dazu in einem Interview mit dem US-Sender Fox News: „Wir wissen, dass er islamistisch-radikal indoktriniert wurde“. Zudem sei der Mann offenbar suizidgefährdet gewesen. Die Kombination aus der psychischen Verfassung und der Radikalisierung liefere einen deutlichen Hinweis auf das Motiv, erklärte der Regierungschef. Abschließende Erkenntnisse lägen jedoch noch nicht vor.
Wer befand sich an Bord?
An Bord befanden sich Medienberichten zufolge 174 Passagiere, darunter 27 Kinder. Laut Netanjahu seien fast alle Passagiere Israelis. Außerdem sollen unter den Passagieren zwei diensthabende FlyDubai-Piloten gewesen sein, die das Flugzeug nach dem Zwischenfall am Flughafen Tabuk landeten, wie FlyDubai mitteilt.
Was geschieht nun?
Die Airline FlyDubai gab bekannt, ihre Flüge von und nach Israel auszusetzen, solange die Untersuchungen andauern. Die Behörden der Vereinigten Arabischen Emirate haben laut dpa Ermittlungen eingeleitet. Generalstaatsanwalt Hamad Saif al-Schamsi setzte dafür ein spezielles Ermittlungsteam ein, wie die staatliche Nachrichtenagentur Wam berichtete. Die Ermittler sollen den Hergang und die Hintergründe des Vorfalls klären. Dabei soll auch geprüft werden, ob ein Zusammenhang mit terroristischen Aktivitäten besteht und ob der Vorfall im Voraus geplant oder angeordnet wurde. Für die Untersuchung seien die Justizbehörden der Vereinigten Arabischen Emirate zuständig, da die Maschine dort registriert ist und die emiratische Flagge führt, hieß es in dem Bericht. Zuvor berichteten arabische Medien, dass der Vorfall auch vom Nationalen Transportsicherheitszentrum in Saudi-Arabien untersucht werde.
Gab es bereits ähnliche Vorfälle?
Es ist noch gar nicht abschließend geklärt, mit welcher Art Vorfall man es bei der FlyDubai-Maschine überhaupt zu tun hat: Mit einem Terroranschlag, so wie es die israelischen Behörden derzeit annehmen? Oder doch mit einem versuchten Pilotensuizid? Oder mit irgendwas dazwischen?
Das, was an Bord von FZ1073 passiert ist, erinnert zunächst an die tragischen Ereignisse in der vierten Maschine vom 11. September 2001. Diese stürzte damals auf einem Acker nahe Shanksville im US-Bundesstaat Pennsylvania ab, nachdem die Passagiere die Attentäter im Cockpit angegriffen hatten. Möglicherweise verhinderten sie dabei, dass die Maschine ins US-Capitol oder auf das Weiße Haus gelenkt wurde.
Suizide von Piloten sind krasse Einzelfälle. Die deutsche Öffentlichkeit schockierte der Fall einer Germanwings-Maschine, die am 24. März 2015 in den französischen Alpen auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf abstürzte. 150 Menschen kamen uns Leben. Wie der Untersuchungsbericht der zuständigen Behörden ergab, hatte der Co-Pilot Andreas Lubitz die Maschine bewusst abstürzen lassen, in dem er eine Toilettenpause des Piloten nutzte, um diesen aus dem Cockpit auszusperren. Der Grund für seine Tat war vermutlich eine psychische Erkrankung.
Auch das Schicksal eines 2014 verschwundenen Malaysia-Airlines Fluges ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass einer der Piloten die Maschine bewusst umgelenkt und auf dem offenen Meer hat abstürzen lassen, nachdem der Treibstoff aufgebraucht war. So lautet jedenfalls die wahrscheinlichste Theorie der Ermittler. Das Wrack wurde nie vollständig gefunden, es wird auf dem Grund des Indischen Ozeans vermutet. Das Schicksal von MH 370 ist eines der größten Rätsel der Luftfahrt.
© SZ/Bloomberg/dpa/Reuters – Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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Auf dem Weg nach Tel Aviv : Wie Flug FZ1073 nur knapp der Katastrophe entkam
Gut 180 Passagiere eines Flydubai-Flugs nach Tel Aviv sind wohl gerade so einer Entführung entgangen. Videos zeigen Verletzte an Bord und die Angst der Passagiere. Israels Regierung spricht von Terror. In Saudi-Arabien, wo die Maschine notlandete, wird noch ermittelt.
Von Kristiana Ludwig
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