Frauen-Bundesliga: Schreckmoment für die Bayern – und für den Bundestrainer

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Por Von Anna Dreher — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

Lesezeit: 3 Min.

Dank Klara Bühl festigt Bayern München im Spitzenspiel gegen Frankfurt die Tabellenführung. Doch die zu erwartende neuerliche Zwangspause für Giulia Gwinn trübt die Freude.

Von Anna Dreher

D ie gute Nachricht war zunächst, dass Giulia Gwinn selbstständig das Spielfeld des Stadions Am Brentanobad verlassen konnte. Sie humpelte leicht, aber es ging. Umgeben von zwei, drei Betreuern stand Gwinn danach an der Seitenlinie, trank, besprach die Lage, lief ein paar Meter hin und her – und es wirkte erst, als könnte die 27-Jährige weitermachen. Aber schon kurz danach saß sie auf der Bank mit enttäuschtem Blick, während ihr linker Knöchel und Fuß, der noch im Schuh steckte, dick umwickelt wurden. Gwinn musste ausgewechselt werden. Und das sah dann doch mehr nach einer schlechten Nachricht aus – für den FC Bayern wie auch für das deutsche Nationalteam.

In der 82. Minute des Spitzenspiels der Bundesliga hatten die Fußballerinnen von Eintracht Frankfurt einen Angriff über die linke Seite gestartet. Ereleta Memeti war von Linda Dallmann nicht zu stoppen, also versuchten Momoko Tanikawa und Giulia Gwinn, sie unter Kontrolle zu bekommen, und rauschten hinter Memeti her. Dabei rutschte Gwinn am Rand des Mittelkreises so unglücklich weg, dass ihr linker Fuß komplett umknickte und noch etwas weiterglitt, bevor sie fiel. Das Gesicht auf den Rasen gedreht, blieb Gwinn liegen und schlug mit der Faust auf den Boden vor Schmerz. Noch auf dem Platz wurde sie behandelt. Die Bank der Münchnerinnen war aufgeschreckt, von der Szene und den geweckten Assoziationen.

Um die Frauen-Bundesliga weiterzuentwickeln, will der Ligaverband Montagsspiele abschaffen – und erwägt einen Spielmodus, den es im deutschen Fußball bisher so nicht gegeben hat.

Erst im Sommer des vergangenen Jahres hatte sich Gwinn bei der Europameisterschaft im Auftaktspiel gegen Polen bei einer Grätsche das Innenband im Knie verletzt, das Turnier war für die DFB-Kapitänin vorbei. Und dann waren da natürlich noch die beiden Kreuzbandrisse, den ersten hat Gwinn im Herbst 2020, den zweiten im Herbst 2022 erlitten. Und nun, im Herbst 2026?

Am Sonntag folgten die medizinischen Untersuchungen. Erste Vermutungen gingen in Richtung einer Verletzung der Bänder. Die genaue Diagnose stand jedoch noch aus. Dass Gwinn pausieren muss, davon ist allerdings auszugehen. Dabei hatte die Außenverteidigerin gerade zurück zu ihrer Form gefunden und zählte wieder zu den verlässlichen Antreiberinnen des Doublesiegers, nachdem es in der vergangenen Saison bisweilen durchwachsen gelaufen war. Der Oktober sollte auch für ihr Comeback beim deutschen Nationalteam stehen. Im Frühjahr hatte sich Gwinn bei der WM-Qualifikation an der linken Schulter verletzt und wegen der Operation an ebendieser bei den Partien im Juni gefehlt. Die Länderspiele gegen Australien am 9. Oktober in Karlsruhe (20.30 Uhr, ZDF) sowie gegen Japan am 13. Oktober in Bremen sind der Auftakt in die WM-Saison. Nun dürfte Christian Wück seine Kapitänin abermals aus dem Aufgebot streichen müssen.

Dass die Reise nach Frankfurt zumindest sportlich erfolgreich lief, verdankt der FC Bayern einer anderen deutschen Nationalspielerin. Mal wieder. Der große Trumpf der Münchnerinnen bleibt Klara Bühl, die schon ein paar Tage zuvor in der Champions League nach zähen 75 Minuten mit dem ersten Tor den 3:0-Sieg bei Benfica Lissabon einleitete – und überhaupt permanent in entscheidende Szenen involviert ist. Wettbewerbsübergreifend hat sie in neun Partien in dieser Saison sechs Tore und sechs Vorlagen geliefert.

Auch am Samstag liefen viele Spielzüge über Bühls linke Seite. Was umso mehr auffiel, weil der Doublesieger insgesamt nicht übermächtig auftrat. Gerade in der Anfangsphase unterstrich die Eintracht ihre Ambitionen, mit mutigem Offensivfußball die Tabellenführung übernehmen zu wollen. Die Statistik zählte am Ende 11:12 Torschüsse, die meisten davon allerdings mehr Halb- als Großchancen. Und das Team um Laura Freigang machte zu wenig daraus, oft fehlte Präzision. Und so reichte den in dieser Saison schwankenden Münchnerinnen ein Konter, um die Machtverhältnisse zu festigen.

Nach einer geblockten Eintracht-Ecke passte Edna Imade schnell zu Sophie Proost auf den rechten Flügel. Die im Sommer verpflichtete Niederländerin befreite sich mit einer geschickten Drehung aus ihrer Bewachung und schickte den Ball diagonal weit übers Feld in den Lauf von Bühl. Deren Stellungsspiel war wieder einmal so vorbildlich, dass die 25-Jährige die Frankfurter Defensive überrumpelte und in der 18. Minute gewohnt wuchtig wie präzise zum 1:0 abschloss. „Sie ist eine Ausnahmespielerin, eine Weltklassespielerin“, sagte Franziska Kett, die sich mit Bühl die linke Seite teilt, am ARD-Mikrofon: „Sie entscheidet sehr viele Spiele für uns. Wir sind so froh, dass sie für uns spielt.“

Wie umkämpft die Meisterschaft gerade wohl wäre, hätte Bühl sich vergangene Saison ins Ausland verabschiedet? So aber bleiben die Bayern trotz schwankender Leistungen ungeschlagen Erster nach sechs Spieltagen. Seit 48 Partien konnte sie in der Bundesliga kein Team bezwingen, zuletzt war das dem VfL Wolfsburg am 12. Oktober 2024 gelungen. Und mit Klara Bühl im Kader dürfte sich daran vorerst nichts ändern.

Laura Freigang trifft und trifft für Eintracht Frankfurt vor dem Bundesliga-Spitzenspiel gegen Bayern München. Die Stürmerin hat es auch zurück in den DFB-Kader geschafft. Doch ihr droht noch immer eine Sperre.

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