Domenico Tedesco: Von seiner Entlassung erfuhr er aus den Medien
Por Von Felix Haselsteiner, Mailand — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport
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Der Deutschitaliener Tedesco hatte sich sehr auf die Serie A und den FC Bologna gefreut. Doch er weiß nun: Der Trainer-Verschleiß in dieser Liga ist hoch.
Von Felix Haselsteiner, Mailand
Die Traditionen des italienischen Fußballs kennt Domenico Tedesco, deshalb wusste er, was zum Abschied zu tun ist. „Es tut mir wirklich sehr, sehr leid“, sagte der 41-Jährige aus seinem Autofenster heraus in die Kameras der anwesenden Journalisten. Für entlassene Trainer der Serie A gehört diese Art von Abschiedsworten zum guten Ton. Tedesco richtete sich noch an die Stadtbevölkerung von Bologna und die Fans: „Ich danke allen von Herzen für den herzlichen Empfang“, sagte er: „Leider durfte ich nur zweimal in diesem Stadion sein. Es war mir eine Freude.“ Dann schloss er das Fenster und fuhr ab vom Trainingsgelände des FC Bologna in Casteldebole.
Nur zwei Monate dauerte Tedescos Amtszeit in Bologna, das stand seit Dienstagabend fest. Der italienische Mittelklasseverein trennte sich von seinem deutsch-italienischen Trainer sehr plötzlich, angekündigt hatte sich die Entlassung nicht. Keine wutentbrannten Anhänger, keine Spielereien in den Medien – es war nicht zu spüren, dass ein Sturm in der Emilia-Romagna aufzog. Auch nicht im Kontext des Saisonstarts, der nicht gerade ideal verlaufen war.
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Drei Niederlagen und ein Unentschieden, so lautete Tedescos Bilanz nach vier Spieltagen in der Serie A. Wobei einschränkend betont werden muss: Es gab drei teilweise sehr unglückliche 0:1-Niederlagen gegen Atalanta Bergamo, Lazio Rom und die SSC Napoli, Vereine aus dem Spitzenfeld der Liga. Und sie passierten nicht nur mit einem neuen Trainer, sondern auch mit einer neuen Mannschaft: Ein mittelgroßer Umbruch hatte beim FC Bologna im Sommer stattgefunden, mehrere Leistungsträger wie der Innenverteidiger Jhon Lucumí (Juventus Turin) und der Mittelfeldspieler Remo Freuler (Olympiakos Piräus) hatten den Klub verlassen.
Tedesco wurde dabei, wie zu hören ist, mit vollendeten Tatsachen konfrontiert und wusste bei seiner Unterschrift nichts vom Ausmaß des Umbruchs. Es hätte also vor allem Zeit gebraucht, um sich kennenzulernen – und Vertrauen von der gesamten Vereinsführung. Doch genau daran mangelte es offenbar.
Auffällig schnell präsentierten die Italiener am Mittwochmorgen kurz nach Tedescos Abreise bereits den Nachfolger: Raffaele Palladino, der wohl für manche Personen im Verein schon seit Monaten die erste Wahl war. Palladino ist jung, passt aber dennoch in die Diktion des italienischen Fußballs: Neue Trainer mit internationalem Profil müssen sich deutlich mehr beweisen als diejenigen, die in der Serie A groß geworden sind. Auch wenn sie, wie der 42-jährige Palladino, gerade erst woanders (in Bergamo) entlassen wurden. Und: Zeit für Entwicklung bekommt in Italien ohnehin niemand mehr – der Trainer mit der aktuell längsten Amtszeit in der Liga ist der Deutsche Kosta Runjaic, der seit zwei Jahren in Udine tätig ist.
Tedesco war bis zum Dienstag einer von sechs ausländischen Trainern der Serie A, er beherrscht allerdings dank seines italienischen Elternhauses die Sprache perfekt und er kennt den italienischen Fußball. In Bologna hatte er sich deshalb einen lange gehegten Traum erfüllt, er hatte dafür sogar auf einen Job in der Premier League verzichtet und sich menschlich gut eingefunden. Tedesco lebte in der Innenstadt und konnte sich – anders als bei seinen früheren Stationen in Moskau oder Istanbul – ein langfristiges Engagement in der Emilia-Romagna gut vorstellen, wie aus seinem Umfeld zu hören war. Dass er von seiner Entlassung aus den Medien erfuhr, ehe es ihm der Verein mitteilte, wirft erneut ein schlechtes Licht auf den Umgang mit Trainern in der Verschleiß-Liga Serie A.
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