Deutschland und Frankreich: AfD-Nachwuchspolitiker mit Großmachtfantasie
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Deutschland und Frankreich AfD-Nachwuchspolitiker mit Großmachtfantasie
11. Oktober 2026, 13:43 Uhr |
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Zusammenfassung
- AfD-Nachwuchspolitiker Luca Maurice Strauf postete am 3. Oktober eine Karte, die ein Großdeutschland inklusive Elsass und Lothringen zeigte.
- Strauf legte daraufhin sein Amt im Bundesvorstand der AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland „aus persönlichen Gründen" nieder.
- Die französische Regierung reagierte nicht, während der Präsident der Region Grand Est den Post als „schockierend und besorgniserregend" bezeichnete.
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Ein Vertreter der AfD-Jugend beschwört ein Großdeutschland inklusive Elsass und Lothringen. Wie seine Partei und Politiker in Frankreich darauf reagieren.
Von Tim Frehler und Oliver Meiler, Berlin, Paris
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Inhaltlich hätte die Affäre das Zeug zur ganz großen Polemik. Der AfD-Nachwuchspolitiker Luca Maurice Strauf hat am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, auf der Plattform X einen Beitrag gepostet, in dem er schrieb: „Deutsche Einheit bedeutet ein Deutschland, das das gesamte deutsche Volk in einem Staat vereint. Heute gedenken wir einem Etappen-Sieg auf dem Weg dorthin.“
Dazu veröffentlichte er eine Karte, auf der sowohl Deutschland als auch Gebiete in anderen Ländern blau eingefärbt sind, darunter etwa Österreich, Gebiete in Polen und Rumänien oder Teile der Schweiz. In Hellblau hervorgehoben sind Teile der französischen Regionen Elsass und Lothringen. Den Post hatte Strauf später gelöscht.
Die Verantwortlichen der „Generation Deutschland“ (GD), der Nachwuchsorganisation der AfD, in deren Vorstand Strauf bis zum Wochenende saß, wollten von dem Beitrag erst auf Nachfrage der taz erfahren haben. „Er entspricht weder unserem Anspruch an Geschichtspolitik noch unserem Verständnis von Realpolitik“, teilte der Pressesprecher Wendelin Nepomuk Fessl der Zeitung mit. Man werde den Vorgang in der nächsten Vorstandssitzung ansprechen. Am Samstag gab die GD nun bekannt, Strauf lege sein Amt in deren Bundesvorstand „aus persönlichen Gründen nieder“.
Strauf bewarb sich im Frühjahr um einen Platz im Münchner Stadtrat
Strauf nennt sich selbst „Helmut“. Er stammt aus dem Saarland, lebt aber in Bayern. Dort sitzt er als stellvertretender Vorsitzender im Landesvorstand der GD. Im Frühjahr bewarb er sich für die AfD um einen Platz im Münchner Stadtrat – damals mit dem Vornamen „Luca“. Gewählt wurde Strauf aber nicht.
Anders beim Gründungsparteitag der GD in Gießen im vergangenen November, wo Strauf als Beisitzer in den Bundesvorstand der AfD-Jugend gewählt wurde. Zuvor hatte Strauf eine besonders radikale Rede gehalten, in der er gefordert hatte: „Wir müssen abschieben, abschieben, abschieben, bis Deutschland wieder Heimat wird.“
Nun könnte man denken, dass eine Fantasie, wie sie Strauf am Tag der Deutschen Einheit ausbreitete, eine größere Welle in Frankreich auslösen würde – gerade in Zeiten, da diese AfD Schlagzeilen über die Grenzen hinweg macht. Es braucht dafür auch einmal weniger.
Die französische Regierung reagierte nicht
Aufgenommen hatte den Bericht aus der taz die Webseite des französischen Thinktanks Le Grand Continent. Die Publikation fiel zusammen mit Frank-Walter Steinmeiers Staatsbesuch in Frankreich. Doch außerhalb des Kosmos von X blieben die Reaktionen darauf verhältnismäßig dünn. Die französische Regierung reagierte gar nicht.
Eine Stellungnahme gab es vom Präsidenten der Region Grand Est, der unter anderem Elsass und Lothringen angehören. „Wenn man bedenkt, was die Menschen im Elsass und in Moselle erdulden mussten, löst das natürlich eine starke Empörung aus“, sagte Franck Leroy von der Mitte-rechts-Partei Horizons laut der Zeitung Le Figaro. Straufs Post sei „schockierend und besorgniserregend“, er zeuge von „Herrschaftslust“. Man sehe mal wieder, was geschehe, wenn der Nationalismus zurückkehre.
Der rechtsextreme Rassemblement National distanzierte sich
Gemeldet hat sich auch ein prominenter Politiker des rechtsextremen Rassemblement National. Jean-Philippe Tanguy, der Wirtschaftsverantwortliche in der Partei von Marine Le Pen, schrieb auf X: „Diese abscheulichen und unerträglichen Ideen sind genau von der Art, wie ich sie vor einigen Jahren entsetzt in einem Gespräch mit Führungskräften der AfD gehört hatte.“
Dazu muss man wissen, dass der Rassemblement National bis vor einigen Jahren im Europaparlament mit der AfD alliiert war. Als die Lepenisten aber merkten, dass gewisse Positionen der deutschen Verbündeten, etwa die „Remigration“, ihrer eigenen Strategie der sogenannten „Entteufelung“ schadete, brachen sie mit ihnen. Seitdem distanzieren sie sich bei jeder Gelegenheit von der AfD, wie das nun auch Tanguy tat.
Richtig groß verhandelt wurde die Geschichte in Frankreich nicht. In der TV-Talkshow „Quotidien“ auf dem Sender TMC, die das Thema behandelte, wiesen die Teilnehmer darauf hin, dass dieser Strauf ja kein Führungsmitglied der AfD sei. Gemeint war das aber nicht etwa als Verharmlosung des nationalistischen Naturells der AfD.
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Fonte: Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport