Bundestag: Neuer Anlauf für mehr Spenderorgane
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Bundestag Neuer Anlauf für mehr Spenderorgane
24. September 2026, 15:09 Uhr |
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Zusammenfassung
- Der Bundestag hat am Donnerstag einen neuen Anlauf unternommen, die Organspende in Deutschland gesetzlich neu zu regeln.
- 254 Abgeordnete befürworten die Widerspruchslösung, bei der jeder automatisch Organspender ist, sofern er nicht widerspricht.
- Vergangenes Jahr standen 985 Organspendern insgesamt 8 199 Personen auf der Warteliste gegenüber; die endgültige Abstimmung ist für Ende des Jahres geplant.
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Jedes Jahr warten in Deutschland Hunderte Menschen auf Spenderorgane. Jetzt planen Bundestagsabgeordnete eine neue Regelung: Wer nicht widerspricht, soll automatisch Spender sein.
Von Amelie Rosée, Berlin
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Wie können mehr Menschen in Deutschland Organspender werden? Die Zahl der Spender ist seit Jahren zu niedrig. Am Donnerstag hat der Bundestag einen neuen Anlauf unternommen, eine gesetzliche Antwort auf diese Frage zu finden. Im Zentrum steht die Frage: Muss man zur Organspende aktiv Ja oder aktiv Nein sagen? Es ist eine der wenigen ethischen Grundsatzentscheidungen dieser Legislatur über Menschenwürde und postmortale Selbstbestimmung. Deswegen ist der Fraktionszwang ausgesetzt, die Abgeordneten sind lediglich ihrem Gewissen verpflichtet.
Zwei fraktionsübergreifende Anträge konkurrieren dabei. Ein Vorschlag ist die Widerspruchslösung. 254 Abgeordnete haben sich bereits dafür ausgesprochen, darunter Gitta Connemann (CDU), Matthias Miersch (SPD), Ricarda Lang (Grüne) und Alexander Hoffmann (CSU). Diese Reform würde das Transplantationsgesetz von Grund auf verändern.
Jeder solle sich zu Lebzeiten mit dieser Frage auseinandersetzen, fordert Karl-Josef Laumann
Mit der Widerspruchslösung wäre in Deutschland jede Person Organspender oder Organspenderin, die nicht ausdrücklich widersprochen hat. Der Widerspruch muss auffindbar sein und zusätzlich sollen Gespräche mit Angehörigen geführt werden. Die Gruppe argumentiert, bislang getroffene Maßnahmen zu mehr Organspenden seien nicht erfolgreich gewesen.
Das sieht auch der NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) so, der für den Bundesrat in der Debatte sprach. Der Bundesrat wollte erreichen, dass sich der Bundestag auch in dieser Legislatur mit dem Thema befasst. „Ich bin ganz klar der Meinung, dass man einem erwachsenen Menschen zumuten kann, die Frage zu dokumentieren, wie er zur Organspende steht“, sagte Laumann. Es sei nicht in Ordnung, dass in einer Situation, in der ein Mensch im Sterbeprozess sei, andere für ihn entscheiden. Im Bundesrat ist die Mehrheit der Länder für die Widerspruchslösung.
Die Debatte steht nicht zum ersten Mal auf der Tagesordnung. Bereits 2020 war ein ähnlicher Gesetzesvorschlag eingebracht worden, er scheiterte aber in der letzten Abstimmung. Lediglich ein Online-Register für die Organspende wurde eingeführt sowie das Ziel benannt, mehr Aufklärungsarbeit zu leisten. 2024 gab es den letzten Anlauf in dieser Sache, ebenfalls angestoßen vom Bundesrat. Der Gesetzgebungsprozess konnte aber wegen des frühzeitigen Endes der Ampelregierung nicht mehr fortgesetzt werden.
Die Gegner sagen: Wer mehr Organe wolle, müsse das Vertrauen der Bürger stärken
Laut dem Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit stehen 85 Prozent der Bevölkerung einer Organspende positiv gegenüber, es registriert sich aber nur ein Bruchteil von ihnen. Vergangenes Jahr gab es in Deutschland 985 Organspenderinnen und Organspender, demgegenüber standen 8199 Personen auf der Warteliste für ein Organ. Dass diese Zahlen zu niedrig sind, darüber sind sich beide Seiten im Bundestag einig. Deutschland ist Mitglied im Verband Eurotransplant. Hierzulande werden mehr Organe eingepflanzt als entnommen. Damit profitiert Deutschland von den Regelungen anderer europäischer Länder, wo die Widerspruchslösung gilt.
Eine andere Regelung befürworten 58 Abgeordnete rund um Michael Brand (CDU) und Lars Castellucci (SPD), die Entscheidungslösung. Die Bereitschaft zur Organspende solle weiterhin vorher ausdrücklich erklärt werden müssen. Sie sehen noch Ausbaupotenzial in den bereits jetzt geltenden Regelungen, um die Zahl der Organspenden zu erhöhen: „Wir sollten uns vor der Illusion wahren, dass wir wirklich alles getan haben“, kritisiert Michael Brand.
Die Gruppe verweist darauf, dass der Hinweis auf Organspende bei der Pass- oder Ausweisbeantragung von den zuständigen Ländern bislang nicht umgesetzt wurde. Auch das Online-Register zur Organspende sei noch nicht ausreichend bekannt, die Registrierung nicht barrierefrei. Die Gruppe befürchtet, dass der Staat über den Körper der Bürgerinnen und Bürger verfüge. „Schweigen darf nicht automatisch als Zustimmung gewertet werden“, sagt Brand. Wer mehr Organe wolle, müsse Vertrauen stärken, zum Beispiel durch mehr Aufklärung. Die endgültige Abstimmung im Bundestag ist für Ende des Jahres geplant.
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