Brighton & Hove Albion in der Premier League: Die Seemöwen rupfen Arsenal
Por Von Sven Haist, London — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport
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Brighton und Trainer Fabian Hürzeler fügen Arsenal die erste Saisonniederlage zu. Maßgeblich beteiligt ist auch Regisseur Pascal Groß – der anschließend seinen Rücktritt aus dem Nationalteam verkündet.
Von Sven Haist, London
D er FC Brighton & Hove Albion feierte im Juni 2026 sein 125-jähriges Bestehen. Doch weil dieses Datum in die für Vereinsteams spielfreie Zeit fiel, entschieden sich die Verantwortlichen, die Festivitäten zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen. Neuer Termin: der Heimspieltag am 19. September, der dem einst ersten Match des Klubs am 21. September am nächsten kam. Eine Wahl mit Risiko, denn am Samstag gastierte Englands Champion FC Arsenal an der Südküste – und gegen die Gunners hatte Brighton zuvor sieben Partien in Serie nicht gewinnen können.
Womöglich hatte Klubpatron und Pokermillionär Tony Bloom gerade darin den Reiz gesehen. Nach einer solchen Negativserie steigt schließlich die Wahrscheinlichkeit, dass der nächste Versuch erfolgreich ist. Der Mannschaft des deutschen Trainers Fabian Hürzeler, 33, gelang jedenfalls das Geschenk, das sich der gesamte Klub gewünscht hatte – ein Sieg am Ehrentag.
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Mit dem fabelhaften 3:0 stürzte Brighton die Gunners als bis dahin ungeschlagenen Tabellenführer der Premier League oder, wie es auf der Insel mit Blick auf den Spitznamen des Vereins hieß: „Pecked by the seagulls“ – von den Seemöwen gepickt. Brighton rückte auf die Champions-League-Ränge vor und fügte Arsenal die höchste Pleite seit Mai 2023 zu – der Gegner beim damaligen 0:3 hieß ebenfalls Brighton. „Ein spezieller Sieg“, sagte Hürzeler. Das galt auch für seinen Landsmann Pascal Groß. Der Mittelfeldspieler, der nicht von Jürgen Klopp in den DFB-Kader für die Nations League berufen worden war, hatte das 1:0 für Brighton erzielt und erklärte nach der Partie seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft.
Es sei an der Zeit, „der neuen Generation die Daumen zu drücken“, sagte der 35-Jährige im Sky-Interview. Die Art der Bekanntgabe passte zum stets zurückhaltend auftretenden Groß, der kein Social-Media-Profil hat. Für den DFB bestritt er 19 Länderspiele, darunter je eins als Einwechselspieler bei der Heim-EM 2024 und der WM 2026. Klopps Vorgänger Julian Nagelsmann hatte Groß wegen seiner Arbeitsmentalität in den Kader berufen, ihn als „Worker“ definiert. Bei seiner ersten Nominierung war der Mannheimer 32 Jahre alt – und damit einer der zehn ältesten Debütanten überhaupt in der DFB-Historie.
Sein Klubtrainer Hürzeler verglich Groß am Samstag mit einem „guten Wein“ und listete sämtliche Qualitäten des gegen Arsenal als Kapitän fungierenden Routiniers auf: Spielverständnis, Flexibilität, Laufstärke, soziale Fähigkeiten. Groß sei ein „ganz entscheidender Treiber“ dafür, um zwischen den Spielern ein „enges Gemeinschaftsgefühl“ entstehen zu lassen, berichtete Hürzeler. Im Duell mit den Gunners kam Groß als Organisator des Dauerpressings zum Einsatz. Hürzeler zog die richtigen Lehren, nachdem er in der vergangenen Rückrunde den Pragmatismus der Gunners nach deren Sieg scharf kritisiert hatte.
Um Arsenals Spielaufbau zu stören, setzte Hürzeler diesmal auf lauf- und kopfballstarke Spieler. Der Plan ging auf: Neun Balleroberungen im vordersten Drittel schaffte Brighton, mehr als jedes andere Team gegen die Gunners in den vergangenen knapp drei Jahren. Beispielhaft dafür stand eine Szene aus Minute 36, als sich gleich vier Brighton-Profis bei gegnerischem Ballbesitz im gegnerischen Strafraum aufhielten. Häufig konnten sich die Gäste nur mit Befreiungsschlägen nach vorn lösen. Das kam Brightons Innenverteidiger Luka Vušković entgegen, der nahezu alle Kopfballduelle für sich entschied. Vušković, 19, ist der Rekordtransfer des Klubs: Er kam im Sommer nach einer Leihsaison beim Hamburgers SV für 54 Millionen Euro von Tottenham Hotspur.
„Intensität, Intensität, Intensität, Zweikämpfe gewinnen“, rekapitulierte Hürzeler das Vorgehen seines Teams. Dabei hätte er noch „aus der Distanz schießen“ hinzufügen können: Zunächst traf Groß von außerhalb des Strafraums (31. Minute), dann tat es ihm Stürmer Charalampos Kostoulas gleich (45.). Brighton wollte Zweikämpfe mit den robusten Abwehrkräften der Gunners umgehen und die geringe Körpergröße des gegnerischen Torwarts David Raya ausnutzen. Der Spanier kassierte rund ein Fünftel seiner Gegentore in der Premier League von außerhalb des Strafraums. Vor allem beim Treffer von Groß gab er keine glückliche Figur ab.
Bezeichnend für Brightons Überlegenheit war das Kopfballtor von Chema Andrés nach einer Ecke zum 3:0 (57.) – da gerade Standardsituationen die Domäne der Gunners sind. Seine Spieler müssten „die Lektion sehr, sehr ernst nehmen“, appellierte Coach Mikel Arteta. Er gratulierte fair und bezeichnete Hürzeler als „Toptrainer“. In fünf Ligaspielen hat Brighton nun satte 16 Tore erzielt – die meisten der 20 Vereine. Der Erfolg gegen Arsenal trotz erheblicher Verletzungssorgen glich einer Bestätigung für Hürzelers Arbeit in Brighton seit seiner Verpflichtung 2024. Hürzeler bekennt sich zum Konzept des Klubs, das vorsieht, junge Spieler auszubilden und teuer zu verkaufen. Auch im jüngsten Transferfenster gaben die Seagulls mit Carlos Baleba und Jan Paul van Hecke zwei Leistungsträger für 125 Millionen Euro an Manchester United und Tottenham ab. Inzwischen ist Hürzeler mit Sunderlands Régis Le Bris nach Dienstjahren der viertälteste Trainer der Liga – nicht zuletzt, weil er seine Mannschaft ebenso weiterentwickelt wie sich selbst.
Im Gespräch mit dem TV-Experten Gary Lineker verriet Hürzeler kürzlich, dass das Nachsetzen nach Ballverlust zu seinen unverrückbaren Prinzipien gehöre. Sobald ein Profi dieser Vorgabe nicht nachkommt, erhalte sein Team eine Strafe. Als seine Konsequenz in der Vorsaison nachgelassen hatte, erinnerten ihn die Führungsspieler daran. „Manchmal muss der Trainer zuhören“, sagte Hürzeler. Dies bedeute keinen Autoritätsverlust, sondern stärke seine Position. Es gehe nicht um die Ausbildung von „Followern, sondern Leadern“. Brightons gelungener Saisonstart steht dafür, wie immer mehr Mittelklassevereine den Spitzenklubs der Liga durch mannschaftliche Geschlossenheit auf die Pelle rücken. Und natürlich für den langen Weg, den die Seagulls hinter sich haben. Hürzeler schrieb auf Instagram: „Was für eine Art, 125 Jahre unseres Klubs zu feiern.“ An diesen Geburtstag wird sich Brighton & Hove Albion sicher lange erinnern.
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