Architektur: Sagrada Família für zu Hause

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Por Von Gerhard Matzig — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

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Architektur Sagrada Família für zu Hause

14. Oktober 2026, 14:49 Uhr |

Lesezeit: 2 Min.

Der Bau der Lego-Kirche stellt alles nach, was an realen Bauproblemen auch auftreten kann.
Der Bau der Lego-Kirche stellt alles nach, was an realen Bauproblemen auch auftreten kann. LEGO via Bestimage/IMAGO

Der höchste Kirchturm der Welt inspiriert Lego zum größten Set seiner Geschichte: Die Gaudí-Kathedrale wird aus mehr als 12 000 Steinen gebaut  – und eventuell vor Stuttgart 21 fertig.

Von Gerhard Matzig

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V ersierte Lego-Spieler wissen, dass der letzte Klemmstein, den man einsetzt, üblicherweise mit einem Gefühl tiefer Befriedigung einhergeht: endlich geschafft, hurra! Den Planern des neuen Bahnhofs in Stuttgart, Kernstück der Infrastruktur-Gigantomanie namens Stuttgart 21, wird dieser Triumph mutmaßlich für alle Ewigkeiten versagt bleiben. Den Steuerzahlern leider auch.

Deshalb war es klug vom dänischen Unternehmen Lego (von leg godt, „spiel gut“), dass sein bisher ehrgeizigstes Unterfangen nicht auf die Nachbildung der Bahnhofsruine in Stuttgart abzielt. Sondern auf die Sagrada Família. Die katholische Basilika nach einem Entwurf von Antoni Gaudí wird seit 1882 in Barcelona verwirklicht, steht kurz vor der Vollendung und galt lange als Hauptwerk des immerwährenden Werdens und Nie-zu-Ende-Bauens. Bis die Deutsche Bahn mit ihrer Groteske anfing.

Am 1. November kommt nun das bislang größte Lego-Set, gemessen an der Anzahl der Steine, mit mehr als 12 000 Elementen in den Handel. Weihnachten ist gesichert. Wenn auch zu einem gewissen Preis. Das Set, es kommt in einer schweren Kiste, auf der sich die staunenswerte Altersangabe „18+“ befindet, kostet 750 Euro. Das ist teuer. Das Gute daran: Die Baukosten sind im Gegensatz zu Stuttgart 21 limitiert. Mit den eigenen Kindern wird der Autor dieses Textes, ein Architekt, der noch nie etwas gebaut hat, nachweisen, dass auch große und komplizierte Dinge in angemessenen Fristen baubar sind. Sogar im Schildbürgerreich der Architektur, also in Deutschland.

Auf der Lego-Fanseite Brickset.com wird die Bauzeit mit ungefähr 30 Stunden angegeben. Ansonsten aber orientiert sich das Ganze strikt an der Realität. Von der Apsis und Krypta über die zeichenhaft ornamentierten Fassaden bis hin zu den imposanten Türmen entsteht Schritt für Schritt und Klemmstein für Klemmstein ein architektonisches Meisterwerk. Maßstabsgetreu.

Klemmstein für Klemmstein: Antoni Gaudís Vision

Das Besondere an diesem Lego-Set: Der Bauprozess orientiert sich an der tatsächlichen Entstehungsgeschichte der Sagrada Família. Bei Lego heißt es: „Das Set wurde so konzipiert, dass es sowohl die Größe als auch den Geist von Gaudís Vision widerspiegelt, und bietet Fans die Möglichkeit, die Architektur eines der komplexesten und berühmtesten Bauwerke zu erkunden, die je entworfen wurden.“

100 Jahre nach Gaudís Tod wurde der höchste Turm der Kirche fertig. Es ist der Jesus-Christus-Turm, vollendet am 20. Februar dieses Jahres. Im Juni wurde der Turm, der dem Ulmer Münster den bisherigen Höhenrekord für Kirchtürme abnimmt, im Beisein von Papst Leo XIV. gesegnet. Damit erreichte die Basilika, die zu den staunenswertesten Bauwerken der Welt zu rechnen ist, erstmals ihre endgültige Höhe von 172,5 Metern. Die Lego-Nachbildung im Wohnzimmer wird etwa 62 Zentimeter hoch sein, dazu 47 Zentimeter breit und 39 Zentimeter tief.

Der Bau der Lego-Kirche stellt eigentlich alles nach, was an realen Bauproblemen auch auftreten kann – und leider immer häufiger, zur Schmach der deutschen Baukultur, auftritt: Man braucht den geeigneten Baugrund (Wohnzimmerboden), eine souveräne Projektsteuerung (Mama oder Papa) und fleißige Handwerker (Kinder). Um Weihnachten herum wird man dann hoffentlich beweisen, dass Deutschland noch bauen kann. Zumindest mit Lego.

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Von Gerhard Matzig

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