Nach der Insolvenz: So geht es für die Galeria-Häuser in München weiter
Por Von Catherine Hoffmann und Sebastian Krass — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport
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Noch hat der Warenhaus-Konzern vier Niederlassungen in der Stadt. Nach der erneuten Insolvenz am Freitag ist für eine Filiale schon Ende Januar 2027 Schluss. Für die übrigen haben sich die Aussichten aber nicht gerade verbessert.
Von Catherine Hoffmann und Sebastian Krass
Neun Filialen waren es Anfang dieses Jahrzehnts noch in München, neun Häuser verteilt über die Stadt, manche kleiner wie am Nordbad, manche riesig groß wie am Hauptbahnhof oder am Stachus. Sie alle vereinte, dass sie Teil der deutschen Warenhausgeschichte waren, gebündelt im Konzern Galeria Karstadt Kaufhof.
Nach drei Insolvenzen seit dem Jahr 2020 sind noch vier Galeria-Filialen übrig in München: Marienplatz, Rotkreuzplatz, Münchner Freiheit und Olympia-Einkaufszentrum (OEZ). Es sind Geschäfte, die trotz aller Krisen wichtig sind für ihr jeweiliges Viertel – mit Menschen dort, denen ihr Kaufhaus ans Herz gewachsen ist. Doch wie geht es mit den vier Filialen weiter, nachdem Galeria am Freitag zum vierten Mal Insolvenz angemeldet hat?
Was sich schon länger angebahnt hat und mit der neuen Lage nur am Rande zusammenhängt, ist das Ende der Filiale am Rotkreuzplatz. Inzwischen gibt es einen Termin dazu, ziemlich bald: „Der Mietvertrag läuft Ende Januar 2027 aus“, teilt ein Sprecher der Vermietergesellschaft OFB mit. Danach wolle man den Neubau an dieser Stelle vorbereiten.
Künftig soll es weniger Einzelhandelsflächen, dafür aber ein Hotel, Büros, Gastronomie und Wohnungen geben. Noch vergangene Woche hatte es etwas anders ausgesehen, da liefen, wie Insider berichten, Gespräche über eine Verlängerung des Mietvertrags für ein paar Monate. Aber der Insolvenzantrag am Freitag hat selbst relativ hochrangige Galeria-Manager überrascht.
Ob die dann verbleibenden drei Galeria-Häuser eine Zukunft haben, hängt vor allem davon ab, ob der Konzern diese Insolvenz überlebt oder ob er abgewickelt wird. Doch selbst wenn eine neuerliche Rettung gelingt, steht die Zukunft der Filialen infrage.
Ganz oben in der Bekanntheit und auch in der Wichtigkeit für Galeria steht das Haus am Marienplatz. Es ist die umsatz- und gewinnstärkste Galeria-Filiale in ganz Deutschland.
Das Kaufhaus am Marienplatz erstreckt sich über mehrere Grundstücke mit verschiedenen Eigentümern, die sich verständigen müssen, wobei die Doblinger-Unternehmensgruppe aus München das deutlich größte Wort mitzureden hat. Es gibt nur auch hier ein akutes Problem für den Konzern: Der Mietvertrag für das Hauptgebäude an der Kaufingerstraße 1 läuft Ende 2027 aus.
Bisher haben die Eigentümer den Mietvertrag mit dem Metro-Konzern, der an Galeria untervermietet. Metro zieht sich nach dem Ende seines Vertrags aber zurück. Galeria müsste also einen neuen Mietvertrag aushandeln. Durch die neue Insolvenz hat sich die Verhandlungsposition für Galeria noch einmal verschlechtert: Will ein Vermieter wirklich einen neuen Vertrag mit einem derart taumelnden Partner abschließen?
Bei einem der wertvollsten Grundstücke der ganzen Republik stehen gravierende Änderungen an: Der Mietvertrag des Kaufhauses am Münchner Marienplatz läuft aus – und die Eigentümer schmieden bereits Pläne.
Bekannt ist auch, dass die Doblinger-Gruppe schon an Alternativplänen arbeitet, die einen Umbau des Kaufhaus-Gebäudes vorsehen, inklusive einer neuen Fassade. Damit einhergehen könnte eine Nutzungsänderung: in den unteren Geschossen weiter Handelsflächen, darüber Büros. So ähnlich lief es beim ehemaligen Karstadt Sport an der Neuhauser Straße und läuft es derzeit im ehemaligen C&A an der Kaufingerstraße.
Offizielle Statements zur Zukunft von Galeria am Marienplatz waren am Montag nicht zu bekommen. Der Filialgeschäftsführer Thomas Seybold wollte sich nicht äußern und verwies an die Galeria-Pressestelle in Düsseldorf. Eine Anfrage dort, in der es um die Münchner Standorte generell ging, blieb bis zum Nachmittag unbeantwortet. Auch die Doblinger-Gruppe reagierte nicht auf eine SZ-Anfrage. Allerdings würde ein Umbau des Kaufhauses am Marienplatz eine Investition im deutlich dreistelligen Millionenbereich und umfangreiche Planungen im Fokus der Öffentlichkeit erfordern. Ob und wie schnell Doblinger ein solches Projekt umsetzen könnte und würde, ist offen.
Im Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) weiß man schon, wie das ist, wenn ein Galeria-Haus zumacht. Früher gab es dort einen Kaufhof und einen Karstadt, seit 2020 ist es nur noch eine Galeria-Filiale. Wie es damit weitergeht, dazu wagt Torsten Keller, der für die Eigentümer von ECE als „Center-Manager“ im OEZ arbeitet, keine Prognose: Zunächst müsse man Gespräche mit Galeria und dem Insolvenzverwalter abwarten. Aber nach den wiederholten Galeria-Insolvenzen habe man alternative Konzepte erarbeitet und sei für „einen möglichen Auszug des Warenhauses vorbereitet“, sagt Keller. Details dazu nennt er nicht, nur so viel: Die Nachfrage nach Flächen im OEZ sei sehr gut.
Die Galeria-Filiale an der Münchner Freiheit hat wiederum eine andere Vermieterstruktur: Dort gehört das Gebäude der Sedlmayr Grund und Immobilien AG, einem der großen und eingesessenen Grundstücksverwalter in München, der grundsätzlich konservativ arbeitet. Auch dort würde eine Zukunft ohne Galeria erheblichen Planungs- und Kostenaufwand bedeuten. Von Sedlmayr gab es bis zum Montagnachmittag keine Stellungnahme.
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