Wieder eine Korridorsanierung in Bayern: Halbes Jahr Sperrung: Zwischen Rosenheim und Freilassing stehen ab Februar 2027 die Züge still

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Por Von Maximilian Gerl und Martin Mühlfenzl — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

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Mehr als 70 Ersatzbusse auf neun Linien und ein Pendelzug: Wie die Bahn während der Erneuerung von Gleisen und Oberleitungen den Regionalverkehr aufrechterhalten will.

Von Maximilian Gerl und Martin Mühlfenzl

D ie Pendlerinnen und Pendler in Südostbayern müssen sich von Februar 2027 an auf erhebliche Beeinträchtigungen im Zugfern- und Nahverkehr einstellen. Etwa ein halbes Jahr lang – bis Anfang Juli – wird die Deutsche Bahn (DB) die Bahnstrecke Rosenheim–Freilassing, die zu den wichtigsten Trassen für den Güter- und Personenverkehr in Süddeutschland zählt, komplett sperren. Es ist die dritte sogenannte Korridorsanierung in Bayern nach der bereits abgeschlossenen Ertüchtigung der Trasse Nürnberg-Regensburg sowie der noch bis Dezember laufenden Instandsetzung des Abschnitts Obertraubling-Passau.

Am Mittwoch haben die DB und die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die im Auftrag des Freistaats den Schienenpersonennahverkehr in Bayern plant und organisiert, ihr Verkehrskonzept für die halbjährige Komplettsperrung des Abschnitts Rosenheim-Freilassing vorgestellt. Kernpunkte des Programms sind insbesondere weitläufige Umleitungen für den Güter- und Fernverkehr auf der Schiene sowie der Einsatz von Bussen im Schienenersatzverkehr auf mehreren Linien, um den Regionalverkehr im Chiemgau und Berchtesgadener Land aufrechterhalten zu können.

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Der Ausfall des Regionalexpress 5 zwischen Rosenheim und Freilassing soll demnach mit einem Expressbus (X5) mit Halten in Traunstein und Teisendorf kompensiert werden, der über die Salzburger Autobahn (A8) fahren wird – eine der stauanfälligsten Autobahnen Bayerns. Die Route über die A8 berge natürlich gewisse Risiken, sagt dementsprechend Christian Tradler, Projektleiter der Korridorsanierung. Ein dauerhaftes Ausweichen auf die Landstraße aber könne auch keine Lösung sein.

Ein zusätzlicher Expressbus (RE5) soll ebenfalls – teilweise – die Salzburger Autobahn nutzen und von Rosenheim aus Pendler und Schüler über Bernau und Übersee bis an den Chiemsee bringen. Zudem wird der Bus RB 5 Rosenheim über Bad Endorf, Prien, Bernau, Übersee und Bergen mit Traunstein verbinden. Schienenersatzverkehr wird auch auf den Trassen Prien-Aschau sowie Traunstein – Waging eingerichtet, die wegen der Komplettsperrung ebenfalls nicht mit Regionalzügen bedient werden können. Insgesamt werden während der Bauzeit an der 82 Kilometer langen Trasse mehr als 70 Ersatzbusse auf neun Linien eingesetzt. Zwischen Salzburg und Freilassing wird ein Pendelzug eingerichtet.

Der Fern- und Güterverkehr wird indes weiträumig umgeleitet. Die Railjets von München über Wien nach Budapest fahren alle zwei Stunden über Passau statt über Salzburg. Für Fahrgäste bedeutet dies eine Verlängerung der Reisezeit in West-Ost-Richtung um etwa zehn Minuten. Richtung bayerischer Landeshauptstadt verlängert sich diese wegen der Grenzkontrollen um etwa 50 Minuten. Züge der EC-Linie 62 von Frankfurt über München nach Graz entfallen zwischen München und Salzburg. Zwischen den beiden Landeshauptstädten werden indes Eurocity-Züge über Mühldorf fahren.

Dass das Bahnnetz – und auch die Strecke München-Salzburg – an vielen Stellen saniert werden muss, gilt als unstrittig. Dennoch sind die Baustellenpläne zwischen Rosenheim und Salzburg auf gewisse Art besonders: Sie stammen aus einer Zeit, in der die Korridorsanierungen als alternativlos betitelt wurden. Mittlerweile aber hat Bahnchefin Evelyn Palla dieses Programm radikal zurückgefahren – unter anderem wegen Kritik an den teils teuren, langwierigen und ineffizienten Vorhaben. Die Sanierung des Abschnitts Rosenheim-Freilassing wird etwa 850 Millionen Euro kosten. Zudem klagten Güterbahnen immer wieder über Probleme mit den überfüllten Umleitungsstrecken.

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Inzwischen wurde das Konzept überarbeitet. Von den bundesweit 21 Korridorsanierungen, die von 2027 bis 2031 stattfinden sollten, sind nur 13 übrig geblieben. „Damit sollen die enormen Bauvolumina verlässlicher abgeschlossen werden und sowohl im Zeit- als auch im Kostenrahmen bleiben“, teilte das Bundesverkehrsministerium vergangene Woche mit. Dabei hatte man schon vorher stellenweise Pläne korrigiert: Bereits Ende Mai kündigte die DB Infrago an, die Gleise zwischen München und Rosenheim – also die andere Hälfte der Achse gen Salzburg – nicht an einem Stück sanieren zu wollen, sondern in zwei Etappen. Die erste soll 2028 stattfinden, die zweite dann 2031.

Weiterhin geplant ist in Bayern für 2029 außerdem die Sanierung der Strecke Würzburg–Ansbach–Treuchtlingen. Nicht mehr für demnächst vorgesehen sind aber die Strecken Würzburg–Nürnberg und Ulm–Augsburg. Folgt man der jüngsten Liste aus dem Bundesverkehrsministerium, sollen sie erst nach 2031 angegangen werden; für Ulm–Augsburg war zuletzt 2034 im Gespräch.

Die Sanierung der Trasse Rosenheim – Freilassing soll diese „leistungsfähiger“ und „weniger störanfällig“ machen, sagt Projektleiter Tradler. Insgesamt werden sieben Bahnhöfe – Bad Endorf, Prien, Bernau, Übersee, Bergen, Traunstein und Teisendorf – teils aufwendig instandgesetzt und modernisiert. In Übersee kurioserweise zum zweiten Mal binnen kürzester Zeit und für viele Menschen vor Ort nicht unbedingt mit dem erhofften Verbesserungspotenzial.

Erneuert werden an der Trasse zudem etwa 40 Kilometer Gleise, 100 Kilometer Oberleitungen, vier Brücken, etwa 40 Weichen. Fünf Stellwerke sollen auf den neuesten Stand der Technik gebracht und mit dem ETCS-System (European Train Control System) ausgerüstet werden, mit dem zukünftig europaweit der Zugverkehr geregelt werden soll. Bis dieses zum Einsatz kommt, stehen im bayerischen Schienennetz aber noch zahlreiche andere Sanierungen an – samt all den Einschränkungen für die Pendler, die damit einhergehen.

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