Tierisches Verhalten: Manche Schlangen kriechen nicht vor ihren Feinden davon – sie machen Radschläge
Por Von Anna Bolten — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport
Tierisches Verhalten Manche Schlangen kriechen nicht vor ihren Feinden davon – sie machen Radschläge
20. Oktober 2026, 11:32 Uhr |
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Videos zeigen jetzt, wie die Tiere das akrobatische Kunstwerk vollbringen.
Von Anna Bolten
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Während Antilopen weglaufen, Hasen davonspringen und Vögel in die Lüfte abheben, schlängeln sich Schlangen in der Regel vor Feinden davon. Bei einer Schlangenart wurde allerdings auch noch eine andere Fortbewegungsart beobachtet, und zwar eine besonders spektakuläre: Die in Südostasien beheimatete Binden-Riednatter flieht vor Gefahren, indem sie Räder schlägt.
Dieses akrobatische Verhalten wurde bereits vor wenigen Jahren in freier Wildbahn in Malaysia dokumentiert. Wie genau die kleinen Schlangen das allerdings anstellen, war bislang weitgehend unbekannt.
Dem haben sich Forscher um Yosuke Kojima von der Toho University in Japan nun angenommen. Dazu filmten sie in den Jahren 2019 und 2022 im Labor 13 Tiere aus der Gattung Pseudorabdion, zu der die Binden-Riednatter gehört, aus verschiedenen Winkeln und analysierten ihre Bewegungen. Als Vergleichsgruppe dienten sechs Schlangen aus der Gattung der Eigentlichen Zwergschlangen, schreibt das Team in seiner in Current Biology veröffentlichten Arbeit.
Tatsächlich wiesen in den Tests nur die Schlangen, die zur Gattung Pseudorabdion gehören, die ungewöhnliche Rollbewegung auf. Für ihre Radschläge drehten sie allerdings nicht einfach ihren ganzen Körper als Einheit. Jede Rolle bestand aus einer Abfolge von Bewegungen. Das wird besonders deutlich, wenn man die Videos der Tiere in Zeitlupe anschaut.
Erst schwingt der vordere Teil des Schlangenkörpers in die Luft, dann drückt sich der hintere Teil vom Boden ab. Er wölbt sich und gelangt seitlich am Kopf vorbei zurück zum Boden – eine Bewegung, die die Forscher insgesamt als „Schlag“ bezeichnen. Die Körperseite, die den Boden berührt, wechselt von Zyklus zu Zyklus. Dadurch ergibt sich die kontinuierliche Rollbewegung.

Und das akrobatische Kunststück zahlt sich für die kleinen, ungiftigen Schlangen aus: Mit ihren Radschlägen legten sie in den Laboruntersuchungen von zwei bis zu fast vier Meter pro Sekunde zurück. Das ist laut der Forscher etwa das Vierfache der maximalen Vorwärtsgeschwindigkeit, die bei der schlangentypischen, seitlichen Wellenbewegung gemessen wird. „Trotz dieser hohen Geschwindigkeit bewegten sich die Schlangen bereitwillig auf einer nur 20 Zentimeter breiten Rennstrecke“, schreiben die Autoren.
Dass sie dabei die Kontrolle behalten, führen Kojima und sein Team auf eine weitere Beobachtung zurück. Während der hintere Teil des Körpers die schnelle Rotation durchläuft, stabilisieren die Schlangen ihren Kopf. Er bleibt also in der Bewegungsrichtung ausgerichtet, statt sich mit dem Rest des Körpers zu drehen. Die Forscher mutmaßen, dass erst die Kombination aus schneller Rotation und Stabilisierung des Kopfes den Schlangen die Hochgeschwindigkeitsrollen ermöglicht.
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