Sicherheit auf dem Oktoberfest: Hunderte Polizisten, 56 Kameras und eine Spezialeinheit gegen Drohnen
Por Von Joachim Mölter — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport
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In Deutschland häufen sich hybride Anschläge, doch Polizei und Stadt wollen vor dem Oktoberfest keine Verunsicherung aufkommen lassen. Wie sich die Sicherheitsbehörden rüsten.
Von Joachim Mölter
Beim letztjährigen Oktoberfest hat es zwei außergewöhnliche Ereignisse gegeben: einmal war das Festgelände zeitweise überfüllt, einmal wegen einer ernstzunehmenden Bombendrohung stundenlang gesperrt. „Wir haben die beiden Anlässe genommen, um das Sicherheitskonzept für die Wiesn zu überarbeiten“, sagte Münchens Polizeivizepräsident Christian Huber am Mittwoch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Hanna Sammüller, der Chefin des Kreisverwaltungsreferats (KVR).
Drei Tage vor Beginn des 191. Oktoberfests bemühten sich die Vertreter von Polizei und oberster Sicherheitsbehörde der Stadt, den Besucherinnen und Besuchern mögliche Ängste zu nehmen, die sich nicht nur aus den Erfahrungen des vorigen Jahres ergeben haben könnten, sondern vor allem auch aus den jüngsten Geschehnissen im Land. Gerade der Drohnen-Zwischenfall auf dem Leipziger Flughafen oder der versuchte Brandanschlag auf Münchner Rüstungsfirmen haben das Bewusstsein für sogenannte hybride Bedrohungen geschärft. Darunter versteht man unter anderem verschleierte Sabotageaktionen mit dem Ziel, die Bevölkerung eines Landes zu verunsichern.
Diese Verunsicherung wollte Huber gar nicht erst aufkommen lassen. „Wir versuchen, die größtmögliche Sicherheit zu bieten“, versprach er, schränkte aber im gleichen Atemzug ein: „Ein Restrisiko bleibt immer.“ Auf das Oktoberfest bezogen, das größte Volksfest der Welt, gebe es deshalb „wie immer eine hohe abstrakte Gefährdungslage“, wie Huber es formulierte, wobei er die Betonung auf „abstrakt“ gelegt wissen wollte: „Es gibt keine konkreten Erkenntnisse, dass etwas bevorsteht.“
Solche konkreten Hinweise hatte es im vorigen Jahr gegeben, als das Festgelände am 1. Oktober vom Morgen bis zum späten Nachmittag abgesperrt und abgesucht worden war. Nachdem es frühmorgens in einem Haus im Münchner Norden zu einer Explosion gekommen war, wurde ein Schreiben des mutmaßlichen Täters entdeckt, aus dem sich ein Bombenanschlag auf das Oktoberfest herauslesen ließ. Letztlich wurde kein Sprengstoff gefunden, die Wiesn konnte weitergehen.
Polizeivizepräsident Huber wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Münchner Polizei auch in diesem Jahr nicht nur mit rund 600 Männern und Frauen, sondern auch mit 56 Videokameras auf das Festgelände blickt. Er wollte das durchaus als Warnung an potenzielle Straftäter verstanden wissen: „Die Leute sollen sich bewusst sein, dass jeder Winkel überwacht wird.“
Die Perspektive beim Verhindern von Straftaten scheint sich in diesem Jahr freilich vom Boden in die Luft verschoben zu haben. Es gibt erneut eine Beschränkung für Flugobjekte aller Art in einem Radius von 5,6 Kilometern um und in einer Höhe von zehn Kilometern über der Theresienwiese. Diese Zone wird von der Hubschrauberstaffel der bayerischen Polizei überwacht.
Dieses Flugverbot über der Theresienwiese gilt insbesondere für Drohnen, wie Huber betonte. Nach dem Vorfall am Leipziger Flughafen, wo offenkundig mehrere Drohnen lange Zeit unentdeckt umherfliegen konnten, habe man Maßnahmen getroffen, um solche kleinen Flugobjekte zu erkennen und gegebenenfalls auch abzuwehren. In die Details wollte Huber nicht gehen, „aus einsatztaktischen Gründen“, wie er erklärte. Angesichts der rasanten Entwicklung bei der Drohnentechnologie sei man auch „nicht so blauäugig zu behaupten, dass wir gegen alles gewappnet sind“, ergänzte er: „Aber wir sind gut aufgestellt.“
Bei der Drohnenabwehr arbeitet die Münchner Polizei mit dem neu geschaffenen Kompetenzzentrum der bayerischen Polizei in Erding zusammen. Eine unter anderem mit Störsendern ausgerüstete Spezialeinheit ist zudem beim Polizeipräsidium München angesiedelt. Beamte demonstrierten bereits vor der Fußball-EM 2o24, wie sie damit Drohnen sanft vom Himmel holen. Diese Spezialeinheit wird auch während des Oktoberfests im Einsatz sein, so viel verriet Huber dann doch noch.
Ansonsten gibt es nur wenig Neuerungen bei den Sicherheitsvorkehrungen. Angesichts der angsteinflößenden Überfüllung während der Wiesn 2025 habe das Referat für Arbeit und Wirtschaft (RAW) als Veranstalter ein „gut überarbeitetes Sicherheitskonzept“ eingereicht, wie KVR-Chefin Sammüller lobte: Nun gebe es eine verbesserte Videoüberwachung, um früher zu erkennen, wenn sich Menschenmassen bilden. Die interne und externe Kommunikation sei ebenfalls optimiert worden, es seien jetzt auch Durchsagen in mehreren Sprachen vorbereitet.
Vor einem Jahr hatten sich am zweiten Wiesn-Samstag beim allgemeinen Tisch- und Reservierungswechsel nach 17 Uhr ankommende und weggehende Besucher vor den großen Zelten in der Wirtsbudenstraße zu Tausenden geballt, so dass es stellenweise kein Vor oder Zurück mehr gab. Viele der im dichten Gedränge eingekeilten Menschen bekamen Angstzustände, auch weil es keine Informationen gab. So eine Situation soll sich nicht mehr wiederholen.
Da es im vergangenen Jahr beinahe zu einer Katastrophe gekommen wäre, will die Stadt in diesem Jahr die Besuchermassen besser kontrollieren und lenken. In einem Raum sollen alle Informationen zusammenlaufen.
Neu ist auch, dass die Messerverbotszone erweitert wurde. Das Mitführen von Messern oder gefährlichen Werkzeugen wie Schraubenziehern oder Pfeffersprays ist nicht mehr nur auf dem Festgelände untersagt, sondern darüber hinaus auch im mittleren Sperrring. „An den Eingängen kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Bedrohungen“, erklärte die Kreisverwaltungsreferentin Hanna Sammüller die Maßnahme. Mit den drei Sperrringen rund um die Theresienwiese werde die Sicherheit „von außen nach innen verdichtet“, fügte Christian Huber hinzu.
Entsprechend werden auch die Zufahrtsmöglichkeiten für Fahrzeuge eingeschränkt, selbst für Anwohner gelten mobile Halteverbote; diese müssten ihre Autos umparken und etwas weiter weg abstellen, erinnerte Huber. Sammüller ergänzte, dass auch E-Scooter oder Fahrräder von Sharing-Betrieben draußen bleiben müssen, außerhalb des äußeren Sperrrings.
Endlich geht das Oktoberfest los, das einen aus dem Alltag reißt und die Welt vergessen lässt. Für alle, die es kaum erwarten können – ein Stück voller Vorfreude und dem Sound der Wiesn.
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