Sandro Wagner in Hannover: Bloß keinen Spruch raushauen
Por Von Thomas Hürner — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport
Lesezeit: 3 Min.
„Ich bin ein ganz normaler Mensch“: Bei seinem ersten Auftritt als Coach von Hannover 96 präsentiert sich Sandro Wagner erstaunlich zurückhaltend – und freut sich auf Arbeit, Arbeit, Arbeit.
Von Thomas Hürner
Diesmal hat es Sandro Wagner nicht getan. Diesmal hat er nicht verkündet, seine Spieler seien besser als jene des FC Bayern, er hat nicht mal behauptet, seine Spieler seien jenen aus Wolfsburg überlegen – für manche Beobachter ist der VfL, wenigstens mit Blick auf die wirtschaftlichen Kräfteverhältnisse, ja so etwas wie der FC Bayern der zweiten Liga. Doch am Montag war dem neuen Coach von Hannover 96 auf Nachfrage nicht mehr zu entlocken, als dass er mehr als „ein, zwei, drei gute Spieler“ in seinen Reihen habe. Und dass es sich hierbei in jedem Fall um „coole Jungs“ handle.
Ein Jahr ist es nun her, seit Sandro Wagner den FC Augsburg gecoacht hat, seit er mit großen Ambitionen und Plänen in seinen ersten Job als Cheftrainer eines Bundesligaklubs gestartet war. Und seit er, nun ja, nahezu wöchentlich „einen rausgehauen“ hat, wie das im Fußballjargon gerne heißt. Unter anderem die steile These, dass sich die Spieler FCA vor jenen des FC Bayern nicht zu verstecken bräuchten. Was sich immerhin insofern als zutreffend erwies, als dass Wagners Nachfolger in Augsburg, der deutlich zurückhaltendere Manuel Baum, den Münchnern in der Rückrunde deren einzige Liganiederlage beifügen konnte.
All das wusste Sandro Wagner natürlich, als er Montagmittag neben dem 96-Sportchef Jonas Boldt vorn auf dem Pressepodium saß, um sich der lokalen sowie der bundesweiten Öffentlichkeit vorzustellen. Wagner, 38, jedenfalls war sichtlich darum bemüht, bei seinem Dienstantritt keinen rauszuhauen. Und tat es, wenngleich aus Versehen, dann beinahe doch. „Ich bin ein ganz normaler Mensch“, sagte Wagner, als er über seinen avisierten Umgang mit den Hannoveraner Spielern referierte. Wagner also „The Normal One“ – zumindest der Boulevard könnte mit dieser Selbstbeschreibung etwas anzufangen wissen.
Wagner präsentierte sich zurückhaltend und sachbezogen, zudem war es ihm offenkundig ein Ansinnen, sich der Arbeiterschicht zugehörig zu zeigen. „Ich bin Arbeiter“, hob Wagner ein ums andere Mal hervor, er freue sich auf Arbeit, Arbeit, Arbeit. Es wird beim Zweitligisten 96 jedenfalls etwas zu tun geben, darüber muss Wagner sich keine Sorgen machen: Hannover, mit Aufstiegsambitionen in die Saison gestartet, belegt im Unterhaus aktuell nur den zehnten Platz. Der ultimative Druck, den Klub sogleich zurück in die Erstklassigkeit zu hieven, soll vonseiten der Klubführung um Boldt zwar nicht ausgeübt werden. Eine rasche Trendwende wird vom neuen Coach aber schon erwartet, inklusive der Fortführung eines dominanten Spielstils.
In dieser Hinsicht, sagte Sportchef Boldt, sei ohnehin kein „Stilbruch“ zu Wagners Vorgänger Christian Titz gewollt oder geplant. Dies sei auch einer der Gründe, warum die Wahl letztlich auf Wagner fiel. Bereits in Augsburg hatte sich der Trainer vorgenommen, den von Boldt bei 96 eingeforderten „aktiven, mutigen Spielansatz“ durchzusetzen, damals jedoch gegen das Naturell des Klubs. In Hannover kann Wagner hierfür nun die nötige Unterstützung erwarten sowie auf die Vorarbeit von Titz zurückgreifen, eines Trainers, der sich ebenfalls über Offensive definiert und den Wagner einen „herausragenden Fußballlehrer“ nannte.
Zwischen Boldt und Titz hatte es zwischenmenschlich nicht sonderlich hingehauen. Boldt und Wagner dagegen kennen und schätzen sich, aus früheren Begegnungen und Gesprächen, die der Manager insbesondere nach seiner fünfjährigen (und aufstiegsfreien) Dienstzeit beim Hamburger SV mit verschiedenen Trainern gesucht und intensiviert habe, wie er sagte.
Wagner, so klang das, hat aus seiner Zeit in Augsburg so seine Lehren gezogen. Kommunikativ, aber auch fußballerisch. Zwar sei „Ballbesitz alles, was ich liebe“, so Wagner – ein Satz, der bei seiner Ehefrau Denise womöglich für Kontroversen sorgen könnte. Doch bei allem Bemühen, die „eigene DNA“ durchzuziehen, wolle er geistig flexibel bleiben und ohnehin den Umgang „mit Menschen“ in den Vordergrund rücken. Hannover sei für ihn jedenfalls die ideale Station, um Fehler aus der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Zudem ist 96 ein echter Traditionsverein, der in einer „coolen“ Stadt zu Hause sei, der über ein „cooles“ Stadion und eine enorme „Strahlkraft“ verfüge. Fast wie bei einem Erstligisten, meinte Wagner.
Sein erstes Zweitligaspiel coachen wird er nach der dreiwöchigen Länderspielpause, auf dem Programm steht dann ein Auswärtsspiel beim 1. FC Magdeburg. Zeit genug also für Wagner, um sich in Arbeit, Arbeit, Arbeit zu stürzen.
Sandro Wagner spricht über seine Lehren nach dem Aus in Augsburg, die eigenen Fehler, die Lust auf einen neuen Trainerjob – und erklärt, weshalb es wichtig war, die Handynummer zu wechseln.
Lesen Sie mehr zum Thema
In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.
Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt! Jobs bei der SZ Digitale Medien
Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten :
Fonte: Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport