Safe Space auf dem Oktoberfest: Mehr Hilfesuchende nach Gewalterfahrungen auf der Wiesn

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Por Von Jacqueline Lang — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

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An das Team des Safe Space kann sich jeder wenden, der Unterstützung benötigt. Den Mitarbeiterinnen der Aktion „Sichere Wiesn“ bereitet besonders die Zahl der Übergriffe Sorgen.

Von Jacqueline Lang

Die gute Nachricht zuerst: In der ersten Wiesnwoche verzeichnete die Aktion „Sichere Wiesn für Mädchen* und Frauen*“ im Safe Space hinter dem Schottenhamel-Festzelt weniger Fälle von Hilfesuchenden als zum selben Zeitraum im Vorjahr: Hatte das Team 2025 noch 197 Fälle betreut, waren es heuer bislang nur 185. Was Kristina Gottlöber vom Verein Imma jedoch Sorge bereitet: Die Zahl der Fälle von sexualisierter oder körperlicher Gewalt ist gestiegen, von zwölf auf 19. Und wie immer gilt: Die Dunkelziffer dürfte noch einmal um einiges höher sein.

In den 19 Fällen, die das Team betreut hat, handelte es sich in elf um körperliche Gewalt, oftmals sogenannte Partnerschaftsgewalt, in den übrigen acht um sexualisierte Gewalt: Von verbalen Belästigungen über Grapschereien bis hin zu ungewollten Küssen ist alles dabei. Und auch wenn die Zahl 19 bei 3,8 Millionen Besucherinnen und Besuchern zur Halbzeit nicht sonderlich viel klingt: Die pro Schicht zwölf Ehrenamtlichen sowie zwei Fachberaterinnen, die die oft jungen Frauen – die meisten sind zwischen 16 und 29 Jahre alt – betreuen, sind gerade in solchen Fällen besonders gefordert.

Die junge Frau war mit einem Mann im Bavariapark, als sich ihnen ein Unbekannter näherte. Die Polizei sucht nach dem Verdächtigen.

Zum einen geht es um die akute Hilfe, sprich, wie die Person nach Hause kommt, eventuell sogar eine medizinische Versorgung. Oder man muss erklären, was eine Anzeige bei der Polizei bedeutet. Zum anderen geht es aber auch darum, wo die Frauen in den Tagen und Wochen nach der Wiesn Hilfe bekommen. So ergibt sich auch die Zahl 445. Das nämlich ist die Zahl der Hilfsleistungen, die das Team des Safe Space bislang nach eigenen Angaben erbracht hat. Eine Frau, die sich an die Mitarbeiter wendet, braucht schließlich meistens mehr als nur eine Beratung. Und sei es nur zusätzlich noch Wechselkleidung oder eine warme Decke.

Auf die Frage, ob es eine Schnittmenge zu den 32 Sexualdelikten gibt, die in der vorläufigen Polizeistatistik auftauchen, sagt Gottlöber: Die gebe es, aber eben nur bedingt – weil nur etwa ein Drittel der Frauen, das zum Team des Safe Space kommt, sich dafür entscheide, auch zur Polizei zu gehen. Längst nicht jeder sexuelle Übergriff wird demnach zur Anzeige gebracht. Die Mitarbeiterinnen des Safe Space nehmen, sofern es sich nicht um Minderjährige handelt, keine Daten auf.

Neben den schweren Fällen berichtet Gottlöber von 49, in denen Wiesnbesucherinnen ihre Gruppe, ihren Partner, ihre Partnerin verloren und sich im Safe Space Hilfe geholt haben, dazu weitere 32, die sich nicht mehr zutrauten, alleine nach Hause zu finden, oder denen schlicht im oftmals alkoholisierten Zustand alles zu viel wurde. In solchen Fällen organisieren Gottlöber und ihre Kolleginnen vom Verein Amyna sowie der Beratungsstelle Frauennotruf München einen sicheren Heimweg. Und auch 13 Fälle von psychischen Krisen gehen heuer in die Statistik ein: Das seien Situationen, so Gottlöber, in denen eine schlechte Erfahrung als Flashback oder in Form einer Panikattacke „wieder hochkommt“.

Auch Verdachtsfälle von K.-o.-Tropfen auf der Wiesn sind wieder ein Thema. „Die letzten Jahre waren es schon mehr“, sagt Gottlöber zwar. 2025 hatte ein prominenter Fall für Schlagzeilen gesorgt: Denn mit Charlotte Kuffler hatte eine Wirtstochter den Verdacht geäußert, K.-o.-Tropfen in einen Drink gemischt bekommen zu haben. In der ersten Woche des diesjährigen Oktoberfests – sprich von Samstag bis Samstag – seien demnach bislang nur zwei solcher Verdachtsfälle beim Safe Space gelandet. Wobei Gottlöber auch sagt: Allein am Sonntag kamen noch einmal fünf neue dazu.

Großen Medienrummel haben dieses Jahr auch Fälle von Upskirting ausgelöst. Für die Mitarbeiterinnen des Safe Space sei das indes bislang kein Thema gewesen, so Gottlöber. Sie vermutet, es könne daran liegen, dass viele der Frauen im Moment des Geschehens nicht mitbekämen, dass ihnen unter den Rock gefilmt worden sei.

Mit Blick auf die zweite Woche betont Manuela Soller vom Verein Amyna allerdings auch noch einmal: „Kein Anliegen ist zu klein“, man könne sich immer an sie wenden. Und ja, das Angebot richtet sich explizit nicht nur an Frauen, sondern auch an queere Menschen – und bei Bedarf sogar an Männer: „Wir beraten erst mal alle, die zu uns kommen.“

168 Kellnerinnen und Kellner wollen diskriminierende Äußerungen nicht hinnehmen. Die Aktion „Bedienungen gegen rechts“ kommt allerdings unterschiedlich bei Festwirten und Stadtspitze an.

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