Psychologie: Warum Aufregung anziehend wirkt
Por Von Sebastian Herrmann — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport
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Wer einer Person in einer nervenaufreibenden Situation begegnet, findet sie eher attraktiv. Vor allem Männer lassen sich von ihrem pochenden Herzen trügen.
Im Magen kribbelt ein flaues Gefühl, das Herz hat eine Gangart namens Galopp eingeschlagen und auf den Handflächen bildet sich eine leichte Schweißfeuchtigkeit. In einem körperlichen Zustand wie diesem, so viel ist gewiss, stellt sich auch eine gewisse Verpeilt- und Verwirrtheit ein: Es handelt sich um physiologische Anzeichen dafür, dass hier jemand tüchtig aufgeregt ist. Gründe dafür gibt es viele. Die Aussicht auf eine Achterbahnfahrt könnte den Puls in die Höhe treiben oder es ist die Anspannung vor einem öffentlichen Vortrag, die die schwitzigen Hände verursacht. Vielleicht muss das flaue Gefühl im Magen auch als Spur von Verliebtheit interpretiert werden, schließlich löst auch die Aussicht auf ein Date mit einem attraktiven Gegenüber körperliche Korrelate der Aufregung aus. Und wenn es um die Liebe geht, dann ist natürlich die Verwirrung niemals fern.
Im Reich der Partnersuche kann es jedenfalls passieren, dass körperliche und emotionale Zustände wie die beschriebenen als erotisches Signal im Sinne einer Art Vorverliebtheit gedeutet werden, selbst wenn sich die Aufregung aus einer anderen Quelle speist. Und wie Wissenschaftler um Bahar Gürer und Yannik Escher von der Leuphana-Universität Lüneburg in einer Studie berichten, betrifft dieser Effekt vor allem Männer. Anders als Frauen verleitet Aufregung diese eher dazu, potenzielle Partnerinnen besonders attraktiv zu finden und auch Interesse der Gegenseite zu vermuten, wenn ihr Puls ohnehin gerade in die Höhe schießt.
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Die Forscher replizierten für ihre Arbeit eine klassische Studie, die im Jahr 1974 erschienen ist. Damals schickten Psychologen Männer über eine sehr wackelige, ausgesetzte Hängebrücke, die in 70 Meter Höhe über eine Schlucht gespannt war. In der Mitte der wackeligen Passage sprach eine Frau die Männer an und bat sie, einen Fragebogen auszufüllen. Dann gab sie den Teilnehmern ihre Telefonnummer. Diese sollten die Männer anrufen, sofern sie mehr über die Ergebnisse der Befragung wissen wollten. Zahlreiche Probanden missinterpretierten ihre Aufregung durch die hohe, gefährlich schwankende Brücke als Zeichen erotischer Anziehung: Wer die Frau auf der Wackelbrücke getroffen hatte, rief mit höherer Wahrscheinlichkeit an als eine Kontrollgruppe, die der Frau in einer sicheren Umgebung begegnet waren.
Für die aktuelle Studie verlegten die Forscher um Gürer und Escher das Geschehen in virtuelle Welten. Ein Teil der Probanden musste sich per VR-Brille in dem Spiel „Beat Saber“ bewähren, in dem man unter Stress heranfliegende Objekte mit Lichtschwertern abwehren muss. Das hinterließ Spuren der Aufregung im Seelenhaushalt der Probanden, die in diesem Zustand Dating-Profile attraktiver bewerteten als Teilnehmer, die per VR-Brille lediglich Waldlandschaften betrachtet hatten. Die Aufgeregten vermuteten auch eher, dass die Person in dem Profil sie ebenfalls anziehend finden könnte und man gut zusammenpasse. Die Chance, Interesse zu signalisieren, lag um 57,5 Prozent höher als in der entspannten Kontrollgruppe. Allerdings zeigte sich dieser Effekt nur unter Männern. Frauen ließen sich nicht in sinnliche Verwirrung stürzen.
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