Präsidentschaftswahlen 2027: Frankreichs Sozialisten haben einen Kandidaten – hat er eine Chance?
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Präsidentschaftswahlen 2027 Frankreichs Sozialisten haben einen Kandidaten – hat er eine Chance?
12. Oktober 2026, 6:36 Uhr |
Lesezeit: 3 Min.
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Zusammenfassung
- Der Europaabgeordnete Raphaël Glucksmann hat die Vorwahl der französischen Sozialisten mit 66 Prozent gewonnen und soll 2027 als Präsidentschaftskandidat antreten.
- Glucksmanns Erfolgsaussichten gelten als gering, da er im Schatten des radikalen Linken Jean-Luc Mélenchon steht und ihm laut Kommentatoren das nötige Charisma fehlt.
- Ex-Präsident François Hollande wartet im Hintergrund und will sich als Alternative einbringen, falls Glucksmann bis Dezember keine Dynamik in den Umfragen entwickelt.
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Der Europaabgeordnete Raphaël Glucksmann wird bei der Vorwahl der Parti Socialiste zum Präsidentschaftskandidaten für 2027 bestimmt. Vier Gründe, warum seine Erfolgsaussichten gering erscheinen.
Von Oliver Meiler, Paris
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66 Prozent – so deutlich hatte das niemand erwartet, nicht einmal der Sieger selbst. Der Europaabgeordnete Raphaël Glucksmann hat die Primärwahlen der französischen Sozialdemokraten bereits im ersten Durchgang gewonnen. Der 46-jährige Politiker und Intellektuelle soll das progressive Lager als Kandidat bei den Präsidentschaftswahlen 2027 vertreten.
Gewählt haben rund 120 000 Bürger, die sich dafür auf einer Plattform eingeschrieben und je 15 Euro bezahlt hatten. Zweiter wurde Olivier Faure, der Chef des Parti Socialiste, mit nur knapp 15 Prozent, gefolgt von der ehemaligen Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal mit acht Prozent sowie den Abgeordneten Emmanuel Maurel und Jérôme Guedj mit je rund sechs Prozent der Stimmen.
Die Kontrahenten für die Vorwahl gingen eher gehässig miteinander um
Kaum war der Wahlausgang bekannt geworden, schrieb Glucksmann in den sozialen Medien schon: „Dieses Ergebnis sagt etwas sehr Aussagekräftiges aus: Eine Linke, die ihren Werten treu bleibt, kann Menschen zusammenbringen, regieren und gewinnen. Sie kann über Gerechtigkeit, Umweltschutz und die Republik sprechen, ohne dabei auf irgendetwas verzichten zu müssen.“ Er fügte dann noch an: „Dieser erste Platz verleiht mir keinerlei Rechte. Noch ist nichts gewonnen. Er verpflichtet mich dazu, noch mehr zuzuhören, zu überzeugen und Menschen zusammenzubringen.“
Die Vorsicht in seiner Formulierung ist passend, und das aus mindestens vier Gründen: Die Kampagne dieser Vorwahl mit drei Fernsehdebatten fiel erstens viel gehässiger aus als frühere. In der Sache waren sich die fünf Kontrahenten des gemäßigten Lagers der Linken zwar in fast allem einig, innen- und außenpolitisch. Doch auf persönlicher Ebene offenbarten sich erstaunlich markante Gräben. Das liegt unter anderem daran, dass Glucksmann eine eigene kleine Partei hat, die sich Place Publique nennt, nun aber auch im Namen des viel größeren Parti Socialiste antritt.
Ségolène Royal warf ihm vor, er habe die interne Wahl der Sozialisten als sein Trampolin missbraucht. Mehr noch: In einem Interview betitelte sie ihn als „Praktikanten“, weil er noch nie exekutive Verantwortung getragen hat. Und fragte maliziös, ob es gescheit sei, so einem die Geschicke eines Landes zu überlassen. Glucksmann antwortete ironisch: Es stimme schon, dass er sich im Gegensatz zu anderen nicht schon „seit mehr als vierzig Jahren“ in der Politik aufhalte, dass er also kein Berufspolitiker sei wie sie.
Im Schatten der radikalen Linken
Richtig unhübsch wurde es dann, als eine heimliche Videoaufnahme publik wurde, in der Glucksmann seiner Gegnerin vorwarf, einen „Bauchtanz“ vor Präsident Emmanuel Macron aufgeführt zu haben, weil sie um jeden Preis einen Posten bekommen wollte. Er musste sich dann öffentlich entschuldigen: Er habe das nicht frauenfeindlich gemeint, sagte er. Nun, die zwei werden wohl nie mehr Freunde. Und was ist mit den anderen: Lassen sich die Differenzen nun einfach ausräumen, wie alle behaupten?
Glucksmanns Vorsicht ist zweitens und vor allem deshalb geboten, weil die moderate Linke im Wahlkampf bisher völlig im Schatten der radikal linken La France insoumise steht. Deren Kandidat, Jean-Luc Mélenchon, trat am Sonntag, als bei den Gemäßigten urgewählt wurde, an einer Wahlkampfveranstaltung im Zénith in Clermont-Ferrand auf. Die große Halle war dermaßen voll, dass ein paar Tausend draußen bleiben mussten.
Vor allem junge Franzosen kamen, eine wichtige Wählergruppe Mélenchons. Während der laufenden Schülerproteste wächst die zusätzlich, da die France Insoumise die Gymnasiasten von allen Parteien am stärksten unterstützt. In den Umfragen zu den Wahlabsichten der Franzosen liegt Mélenchon klar vor Glucksmann.
Ein prominenter Gegner im eigenen Lager steht schon bereit, um ihn abzulösen
Drittens mangelt es dem Sohn des Philosophen André Glucksmann nach dem Dafürhalten der meisten Kommentatoren im Land am nötigen Charisma für die große Wahl. Er kann gut argumentieren, kennt seine Themen, aber es fehlt die Strahlkraft. Manche werfen ihm auch vor, dass er einst zusammen mit seinem Vater für die Wahl von Nicolas Sarkozy geworben hatte, eines Konservativen also.
Die Frage ist nun: Hebt Glucksmann trotzdem ab in den Umfragen? Es muss schnell gehen. Im Hintergrund wartet nämlich Frankreichs früherer Präsident François Hollande, und das ist Glucksmann viertes Problem. Hollande hat einen Plan. Entwickelt sich um Glucksmann bis Dezember keine Dynamik, würde er sich ins Spiel bringen – als Retter in der Not, als Alternative zur radikalen Linken und zur extremen Rechten, als einer, der schon einmal regiert hat. Die Lust auf eine Rückkehr ins höchste Amt zehn Jahre nach seinem wenig gloriosen Abgang soll ganz stark sein, hört man aus seiner Entourage. Für Hollande wäre es eine Art Revanche.
Gerade ist sein neues Buch erschienen, es trägt den Titel: „Unir – nouveau monde, nouvelle gauche“. Auf Deutsch: „Vereinen – neue Welt, neue Linke“. Der „Zirkel der Freunde von François Hollande“ arbeitet schon hinter den Kulissen. Und so steht Glucksmann nach gewonnener Wahl gleich schon unter Druck aus dem eigenen Lager.
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