Politiker: Ein Mann, ein Korb
Por Stilkritik von Martin Zips — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport
Politiker Ein Mann, ein Korb
28. September 2026, 12:20 Uhr |
Lesezeit: 2 Min.

CDU-Staatsminister Philipp Amthor stellt einen Strandkorb auf dem Balkon vor seinem Büro im Kanzleramt auf. Manche legen ihm das als Dekadenz aus.
Stilkritik von Martin Zips
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D en Vergleich mit dem Adel liest man dieser Tage in den Online-Kommentarspalten ja häufiger. Den von wem auch immer ursprünglich verwendeten Spruch „Lasst sie doch Kuchen essen, wenn sie kein Brot haben“ zum Beispiel oder Anekdoten über die Marotten des französischen Sonnenkönigs Louis XIV. oder seines bayerischen Namensvetters Ludwig II., der irgendwann nur noch Schwäne und Wagner im Kopf hatte und sich nicht um seine Untertanen scherte. Dabei hat, davon sollte man zumindest ausgehen, jeder Mensch den gleichen Wert. Nur dass der eine zwischen Geburt und Tod eben etwas mehr Glück hat als der andere. Seinen Luxus allerdings angeberisch zur Schau zu stellen, das hat sich über kurz oder lang noch nie ausgezahlt. Denn eher, so heißt es, geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als ein Reicher ins Himmelreich ein (der Hinweis findet sich gleich dreimal im Neuen Testament).
Und so rächt sich bei Philipp Amthor, 33, jetzt eben auch sein mit blau-weißem Stoff bezogener Strandkorb, den er auf dem Balkon vor seinem Büro im Kanzleramt aufgestellt hat, wie in der zweiten Staffel der ZDF-Dokumentation „Inside CDU“ zu sehen ist. Nicht dass man dem CDU-Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit derlei missgönnen würde, als Privatmensch darf er sich wirklich alles vors Haus stellen, was ihm gefällt. Auch jener Strandkorb, aus dem der Fußballtrainer Volker Finke einst die Leistungen des SC Freiburg bei Heimspielen vom Spielfeldrand aus beobachtete, ging voll in Ordnung (später wurde er für einen wohltätigen Zweck versteigert).

Bei einem Volksvertreter am Arbeitsplatz jedoch hat so ein Ding eher nichts zu suchen, ja, man darf es sogar als dekadent bezeichnen, wenn sich ein Politiker gerade in diesen Tagen politischer Umwälzungen so etwas ins Kanzleramt liefern lässt. Denn viele Menschen haben große finanzielle Probleme, da reichen schon ein paar Sekunden in dem ZDF-Beitrag sehr nachvollziehbar dazu aus, ein weiteres Fass bürgerlicher Empörung zum Überlaufen zu bringen.
Für seinen manchmal an den Klassenstreber erinnernden Sprachduktus kann Amthor nichts. Auch seine Anzüge sind Geschmacksache. Ein Bürokörbchen jedoch mit herrlichem Ausblick auf den grünen Kanzleramtsgarten vor TV-Kameras im Zusammenhang mit dem selbstgefälligen Wort „Karrieresprung“ zu präsentieren, das darf man durchaus ignorant nennen. Von den Machern der ZDF-Dokumentation wurde die Szene stimmigerweise mit barocker, zumindest barockähnlicher Musik unterlegt und mit Amthors Bonmot von der Glaubwürdigkeit, die zwar zu Fuß kommt, aber „mit dem Pferde“ wieder davonreitet, zusammenmontiert.
Das Schlimmste freilich ist: Die, die jetzt am lautesten über diesen peinlichen Moment jubeln, sie werden sich mit einem simplen Strandkorb auf ihrem Kanzleramtsbalkon, sollte es denn dazu kommen, bestimmt nicht zufriedengeben. Sie werden im Whirlpool mit Duftkerzen am Beckenrand in Champagner baden.
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Von Peter Fahrenholz
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