Oktoberfest: Was hinter der Revolte der Schankkellner im Paulaner-Zelt steckt

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Por Von Jacqueline Lang — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

Lesezeit: 2 Min.

Im Betrieb des neuen Wiesnwirts Lorenz Stiftl löst eine Kündigung eine Solidaritätsaktion der Kollegen aus. Über die Ursache machen Personal und Wirtsfamilie unterschiedliche Angaben.

Von Jacqueline Lang

Die Meinungen darüber, was am Montagabend im Paulaner-Festzelt passiert ist, gehen teils weit auseinander, sicher aber ist: In dem Festzelt standen statt Schankkellnern auf einmal Bedienungen in den insgesamt fünf Schänken, gut zu erkennen an ihren kobaltblauen Paulaner-Westen und -Dirndln.

Der Grund: Einem Schankkellner wurde gekündigt, aus Solidarität sollen mindestens sechs weitere gegangen sein. Die Version aus Bedienungskreisen geht sogar noch ein Stück weiter: Nicht nur ein paar, ausnahmslos alle Schankkellner – die Rede ist von elf – sollen, nachdem sie ihre Dienstausweise abgegeben haben, geschlossen gegangen sein. Ja, gar von kurzzeitig gänzlich unbesetzten Schänken ist die Rede. Das jedoch dementiert wiederum die Sprecherin der Wirtsfamilie Stiftl entschieden. Die Stiftls betreiben das Paulaner-Festzelt heuer zum ersten Mal.

Der 52-Jährige war mit einem Mann in Streit geraten, als er in eine Rikscha einsteigen wollte. Diebe stehlen Handys und kaufen für 100 000 Euro damit ein. Ein Mann mit lebensgefährlicher Kopfverletzung verschwindet aus dem Krankenhaus.

Doch wie konnte es zu alldem überhaupt kommen? Die meisten Bedienungen, mit denen man spricht, sagen: Ein Schankkellner sei beim Biertrinken erwischt worden. Was – vertragliche Regelung hin oder her – in der Praxis üblich ist, soll Wirt Lorenz Stiftl so erzürnt haben, dass er den Mann beschimpft und ihm sogar Bier vor die Füße gekippt habe. So schildern es mehrere Bedienungen unabhängig voneinander. Allerdings heißt es vereinzelt auch: Der Streit habe nicht erst an diesem Tag begonnen. Wer angefangen hat? Wie vieles in diesem Fall ist auch das schwer zu sagen.

Die Lesart der Stiftls jedenfalls fällt etwas anders aus: Zwei Schankkellner seien beim Biertrinken erwischt worden. Dann sei einer, statt sich zu entschuldigen, ausfallend gegenüber dem Wirt geworden. Daraufhin habe dieser das Beschäftigungsverhältnis aufgekündigt – ganz ruhig, wie die Sprecherin noch am Abend am Telefon betont.

Wieder unstrittig ist, dass mehrere Bedienungen bis zum Schluss in den Schänken aushalfen – obwohl einige davor noch keine Erfahrung mit dem Bierzapfen hatten. Zudem sollen laut der Sprecherin zwei Braumeister von Paulaner, die zufällig im Zelt waren, und drei Schankkellner aus dem Hacker-Pschorr-Festzelt zwischenzeitlich ausgeholfen haben. Seit diesem Dienstagmorgen herrsche nun wieder Normalbetrieb: Acht neue Schankkellner seien im Einsatz. Sie kämen aus anderen Wirtschaften, die die Stiftls betreiben, oder arbeiteten sonst für sie auf Volksfesten.

Werden die Bedienungen, die am Schank ausgeholfen haben und in diesem Zelt selbst kein Bier hinaustragen konnten, für ihren Einsatz bezahlt? Dazu will sich die Wirtesprecherin nicht im Detail äußern, nur so viel: „Die haben keinerlei Verluste.“ Ein Aushilfsschänker sagt, er wisse von einer Kompensation noch nichts. Es sei aber wohl nach den Namen der Personen gefragt worden.

Eine letzte Frage, die sich stellt: Haben die Gäste von dem Eklat etwas mitbekommen? Auch dazu gehen die Meinungen etwas auseinander: Von Wirtsseite heißt es, dank des „tollen Einsatzes“ des übrigen Personals und des Zusammenhalts der „Wiesn-Familie“ habe niemand etwas gemerkt. „Das Bier ging nach wie vor raus“, so die Sprecherin. Sie erklärt es so: Selbst wenn – wie behauptet – alle Schankkellner gleichzeitig gegangen wären, gebe es ja immer noch Beischänker sowie Bonkontrolleure, die aushelfen könnten.

Von Gästen, die am Montagabend im Zelt waren, ist dagegen vereinzelt zu hören, dass es kurzzeitig kein Bier gegeben habe. Eine Bedienung soll gesagt haben, sie könne gerade keine neue Mass bringen, niemand sei in der Schänke. Ein Großteil dürfte allerdings wohl tatsächlich nichts mitbekommen haben: Um kurz nach 19 Uhr stand nahezu das ganze Zelt auf den Bänken und feierte ausgelassen zur Musik, die meisten hatten eine Mass in der Hand.

Wenn auf der Theresienwiese allmählich die Lichter ausgehen, füllen sich Clubs und Kneipen drum herum. Doch sammeln sich hier nur jene, die nach dem Besuch im Bierzelt den Absprung verpasst haben? Oder ist es doch lustig? Ein nächtlicher Besuch im Gasthaus „Zur Festwiese“.

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