Oktoberfest: Eine Wiesn, beinahe so schön, wie sie sein soll

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Por Von Jacqueline Lang — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

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Mehr Besucher auf der Theresienwiese und mehr Patienten in der Sanitätsstation: Stadt und Einsatzkräfte ziehen eine Zwischenbilanz des diesjährigen Oktoberfests. Und machen ein Trendgetränk aus, das der Wiesnchef selbst noch nie getrunken hat.

Von Jacqueline Lang

Ob die 191. Wiesn einmal mehr eine Rekordwiesn wird, bleibt am Sonntag noch abzuwarten. Sicher ist: Zur Halbzeit ziehen die Verantwortlichen – die Stadt, Feuerwehr, Polizei und Sanitäter – eine weitestgehend positive Bilanz. „Es war eine friedliche erste Woche, es war eine heitere erste Woche“, sagt Christian Scharpf. Was der Wiesnchef aber auch deutlich macht: Der tödliche Unfall am Montagabend – ein Mitarbeiter des Fahrgeschäfts „Hangover“ war eingequetscht worden und im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen – hat die eigentlich so schöne erste Wiesnwoche überschattet.

Viele fragten sich in der ersten Woche außerdem: Ist womöglich weniger los auf dem Festgelände? Auch Scharpf wurde das gefragt. Nun liefert er die Antwort: Nein. Tatsächlich hätten das Oktoberfest bislang sogar mehr Menschen besucht als im Vorjahr. Waren es 2025 bis zum zweiten Wochenende 3,5 Millionen Menschen, waren es heuer schon 3,8 Millionen. Wie das sein kann? Offenbar kamen deutlich mehr Besucherinnen und Besucher unter der Woche (+ 18,5 Prozent), dafür etwas weniger an den Wochenenden. Scharpf wertet das als Erfolg der Informationskampagne rund um die Wiesn, die genau dazu rät.

Auch am zweiten Wiesnsonntag wird es sehr voll auf dem Festgelände. Drogenkonsumenten müssen mehrere Zehntausend Euro Sicherheitsleistung zahlen. Die Sanitäter melden mehr Patienten als im Vorjahr.

Dass es, obwohl es mehr Besucher gab, anders als im Vorjahr bislang trotzdem nicht zu einer brenzligen Überfüllungslage gekommen ist, auch das wertet Scharpf als Erfolg des überarbeiteten Sicherheitskonzepts. Hier habe man, so der Wiesnchef, mit mehr Kameras, dem Einsatz von künstlicher Intelligenz und Crowdspottern einen „Quantensprung für die Sicherheit“ erreicht.

Besagter Crowdspotter hatte am zweiten Wiesnsamstag seinen ersten Einsatz: Als es am Nachmittag zum Reservierungswechsel sehr voll wurde auf dem Gelände, wies dieser die Besucherinnen und Besucher auf Deutsch, Englisch und Italienisch an, nicht in der Wirtsbudenstraße stehenzubleiben. Auch Sicherheitskräfte mahnten zum Weitergehen. Die Haupteingänge wurden nur einmal kurz gesperrt. „Es gab zu keiner Zeit Trauben, wie wir sie letztes Jahr hatten“, betont Scharpf.

Wirte und Brauereien verzeichnen beim Festbier einen leichten Rückgang (- 1,4 Prozent), immer mehr Menschen greifen zur alkoholfreien Variante (+ 4,5 Prozent). Und, das habe ihn überrascht, sagt Scharpf: „Zum Renner scheint sich das saure Radler zu entwickeln.“ Er selbst habe noch nie eines getrunken. Auch Weißbier erfreue sich zunehmender Beliebtheit (plus 15 Prozent), außerdem steige die Nachfrage nach veganen und vegetarischen Gerichten leicht. Verkaufsschlager bleibt das halbe Hendl. Die Hendlhüte indes scheinen aus der Mode zu kommen – was Scharpf freut: Das sei „kein Schaden für die Wiesn“.

Die Zahl der geklauten Bierkrüge bleibt hoch, ist aber im Vergleich zum Vorjahr leicht rückläufig: So waren 2025 zur Halbzeit schon 59 000 Krüge aus den Zelten mitgenommen worden, in diesem Jahr waren es bislang nur 52 000. Dagegen ist die Zahl der Taschendiebstähle einmal mehr gestiegen: von 29 auf bislang 35 Fälle. Was Polizeisprecher Christian Drexler hervorhebt: die erstmalige Unterstützung durch das Drohnenkompetenz- und Abwehrzentrum. „Dadurch haben wir den Luftraum über dem Festgelände im Blick.“ Insgesamt wurden bislang 74 Drohnen aus dem Verkehr gezogen.

Die Zahl der Polizeieinsätze ist mit bislang 936 wieder einmal hoch: Erfreulich, so heißt es in einer Pressemitteilung, sei allerdings, dass bislang weder ein Tötungsdelikt noch eine Vergewaltigung zu verzeichnen seien. In elf von 49 Fällen der gefährlichen Körperverletzung wurde ein Masskrug als Waffe benutzt, es gab acht Angriffe gegen Polizeibeamte und auch die Zahl der sexuellen Übergriffe bleibt mit 32 hoch.

Eine Zahl, die auffällt: Im Bereich der Betäubungsmittelkriminalität verzeichnet die Polizei ein Plus von 48 Prozent. Wie schon im Vorjahr geht es in den meisten Fällen um Kokain. Das sei allerdings kein Wiesntrend, sondern ein gesamtgesellschaftlicher. Positiv hebt der Polizeisprecher den Rückgang um mehr als 20 Prozent bei den Trunkenheitsfahrten mit einem E-Scooter hervor. Er betont trotzdem noch einmal: Ein E-Scooter sei ein Kraftfahrzeug, betrunken sollte man damit besser nicht von der Wiesn heimfahren – es werde streng kontrolliert.

Nicht nur für die Polizei, auch für die Aicher Ambulanz waren es mit 4243 zu behandelnden Patienten acht intensive Tage – der intensivste war mit 858 Einsätzen wenig überraschend der zweite Wiesnsamstag. Auch die Gründe, warum die meisten Menschen die Hilfe der Sanitäter brauchten, überraschen wenig: Kreislaufprobleme, kleinere Verletzungen wie Schürfwunden und, na klar, ein zu tiefer Blick in die Mass. In letzterem Fall rät Sanitäter Michel Belcijan dazu, zum sogenannten Zwischenwasser. Für wen dieser Tipp zu spät kommt, für den hat die Aicher Ambulanz einen Schlafplatz: 66 Personen haben dieses Angebot heuer schon in Anspruch genommen.

Positiv hebt Belcijan hervor, dass bislang nur 55 Patienten ins Krankenhaus transportiert werden mussten. Unter ihnen auch ein 78-Jähriger, der in einem Festzelt zusammengebrochen war, dank des beherzten Eingreifens zweier Bedienungen jedoch wiederbelebt werden konnte. Trotzdem gab es in diesem Fall kein Happy End: Wie Belcijan erfahren hat, ist der Mann wenige Tage nach dem Einsatz aufgrund von Vorerkrankungen verstorben. Im Einzelfall mag die Wiesn 2026 damit tragisch enden, in der Summe aber sind sich die Verantwortlichen einig: Wenn es so ruhig bliebe wie in der ersten Woche, dann wäre es am Ende eine friedliche Wiesn, wie sie sich alle wünschen.

Und für alle, die in den kommenden Tagen noch aufs Oktoberfest wollen, hat Scharpf noch einen Tipp: Nicht den U-Bahnhof Theresienwiese und damit den Haupteingang benutzen, sondern lieber an der Schwanthalerhöhe aussteigen. Da sei man schneller in den meisten Zelten.

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