Nicolò Tresoldi in der Champions League: „Ein Traum“ für den Umworbenen
Por Von Felix Haselsteiner, Mailand — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport
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Eine Geschichte mit mächtig Pathos: Der deutsch-italienische Stürmer Nicolò Tresoldi trifft für Brügge dreifach bei Inter Mailand – und vertieft die Debatte, ob er für Italien oder Deutschland spielen sollte.
Von Felix Haselsteiner, Mailand
W ie ein glücklicher Derbysieger sah Nicolò Tresoldi aus, nach diesem Spiel, das gar kein Derby war. Auf den Rasen des San Siro hatte er sich noch einmal gesetzt, lange nach Spielschluss, mit der Trophäe des besten Spielers in der Hand. Er blickte in Richtung seiner Familie auf der Tribüne. Italienische Medien wollten später ein paar Tränen in seinen Augen entdeckt haben. Als ob die ganze Geschichte vom Dienstagabend nicht schon genug Pathos gehabt hätte.
Drei Tore erzielte Tresoldi in der zweiten Champions-League-Partie dieser Saison bei einem 4:3-Sieg für seinen Club Brügge gegen Inter Mailand, der für beide Klubs von großer Bedeutung war. Für Brügge war der Sturmlauf auf die Mailänder Scala des Fußballs einer der größten Erfolge der Vereinsgeschichte. Für das ohnehin schon geschädigte Inter eine weitere Schmach nach dem peinlichen Sechzehntelfinal-Aus gegen das kleine Bodø/Glimt im Frühjahr. Aber Kritik am Trainer und an der miserablen jüngsten Königsklassen-Bilanz des besten italienischen Vereins war erst einmal nachrangig: Ganz Italien feierte einen der hoffnungsvollsten Stürmer des Landes, der sich gerade auf größtmöglicher Bühne noch einmal vorgestellt hatte.
Nicolo Tresoldi wollte die Nummer eins der Tenniswelt werden, doch nun bringt der Stürmer von Deutschlands U21 eine Gabe mit, die vielleicht auch Bundestrainer Nagelsmann gebrauchen könnte. Wenn nicht noch Italien dazwischenfunkt. Oder Argentinien.
Dass Nicolò Tresoldi, 22, in der jüngsten Länderspielpause im Trikot der deutschen U21-Nationalmannschaft auflief? Chi se ne frega – wen kümmert’s. Soll er sich doch melden, der Signore Jürgen Klopp, mit dem Tresoldi nach eigener Aussage genauso spricht wie mit Italiens Nationaltrainer Roberto Mancini. Tresoldi ist auf Sardinien geboren, aber seit 2022 läuft er für die U-Mannschaften des Deutschen Fußball-Bundes auf. Im Männerbereich wäre er noch für beide Länder spielberechtigt, aufgrund der Herkunft seiner Mutter sogar auch für Argentinien. Noch hat er sich nicht entschieden, aber: „Nach so einem Abend hoffen wir – und Mancini auch –, dass sich das Blatt zu unseren Gunsten wendet“, schrieb die Gazzetta dello Sport, die sonst nicht gerade dafür bekannt ist, stellvertretend für die Nation nach Gunst zu betteln.
„Ein großartiger Abend, es war wie ein Traum“, sagte Tresoldi später voller Emotionen. Und natürlich war an dieser Stelle nicht auszuschließen, dass dieses 4:3 seine Entscheidung für oder gegen eine Nationalmannschaft noch beeinflussen wird. Zu beeindruckend war die Kulisse im San Siro, das einst der Sehnsuchtsort des jungen Tresoldi war. Sein Vater Emanuele spielte hier dreimal als Rechtsverteidiger für Atalanta Bergamo, den FC Ravenna und die AS Gubbio. Der kleine Nicolò allerdings war stets treuer Milan-Anhänger, was seinen Champions-League-Auftritt am Dienstag eben noch einmal spezieller machte: „Die Milan-Fans hatten mich mit Nachrichten angestachelt“, sagte Tresoldi: „Für mich war es wie ein Derby.“
Tresoldi erzielte seine Tore in der 30. Minute per Elfmeter zum 1:0, in der 63. Minute nach einem Torwartfehler zum 2:1 und in der 74. Minute per Abstauber – er zeigte sein ganzes Portfolio. Dank der heldenhaften Paraden des Ex-Inter-Spielers Yann Sommer im Tor der Belgier und eines vierten Treffers von Romeo Vermant in der 87. Minute reichte der Hattrick zum Sieg, der Tresoldi außerhalb der Inter-Fanbasis einen beachtlichen Ruf in Italien einbrachte: Nun kennt ihn wirklich jeder.
Die Medien jedenfalls widmeten sich auch gleich noch mal seiner italienischen Geschichte. Der Geburtsstadt Cagliari auf Sardinien etwa, oder dem Ort Gubbio in Umbrien, wo sich Tresoldi beim örtlichen Tennisverein als sehr talentierter Spieler einen guten Ruf erwarb und in der italienischen U12-Nationalmannschaft landete. Das alles klingt natürlich wesentlich romantischer als die Tatsache, dass die Familie Tresoldi später nach Deutschland umzog, weil die Mutter an den Flughafen Hannover-Langenhagen versetzt wurde. Zur italienischen Geschichte gehören aber nicht nur die Passion, sondern auch die Enttäuschung: Als jungem Fußballer sagten ihm nacheinander die Akademien in Mailand, Bergamo, Florenz, Bologna und Turin ab mit dem Verweis, er könne ja auch Tennis spielen. Das trug dazu bei, dass der DFB zumindest im Jugendbereich einen Vertrauensvorsprung bekam.
Was am Ende mehr Gewicht hat, das Vertrauen zu den Deutschen oder die Emotionen aus dem San Siro, wird sich im kommenden Sommer zeigen. Dann will Tresoldi eine Entscheidung für ein Land treffen, nach der U21-EM: „Diesen Titel will ich mit Deutschland gewinnen, so wie mein Vater einst mit Italien“, sagte Tresoldi am Dienstag noch nonchalant. Als wäre er nicht längst Champions-League-Torjäger und als würden sich nicht zwei große A-Nationalmannschaften um ihn streiten.
Die Bayern machen aus einem 0:2 in Stavanger dank Harry Kane eine Führung – um dann noch 3:3 zu spielen. Weil sich Michael Olise den ersten Platzverweis seiner Karriere erlaubt.
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