Nations League: Ein Trauerflor – oder eine politische Botschaft?
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Nations League Ein Trauerflor – oder eine politische Botschaft?
28. September 2026, 12:51 Uhr |
Lesezeit: 3 Min.
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In wohl keinem anderen Land Europas sind die Kritik an Israel und die Unterstützung Palästinas so ausgeprägt wie in Irland. Das zeigt sich beim Länderspiel, das je nach Sichtweise eine „Farce“ oder eine „Ehre“ ist.
Von Markus Schäflein
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W er verstehen will, was im Fußball-Länderspiel der Nations League zwischen Irland und Israel (3:0) geschehen ist, muss sich auf fachfremdes Terrain begeben. Irland gehört zu den Ländern, die den Eurovision Song Contest (ESC) boykottieren, weil Israel dort teilnehmen darf. Irland – das Land, das diesen Wettbewerb siebenmal gewonnen hat, zweimal mit dem Nationalheiligen Johnny Logan und als einziger Teilnehmer sogar dreimal hintereinander. Dass die Iren auf diese Veranstaltung verzichten, erklärt im Grunde schon alles darüber, wie sie den Gaza-Konflikt sehen. Die Kritik an Israels Vorgehen und die Unterstützung der palästinensischen Bevölkerung sind dort so ausgeprägt wie in kaum einem anderen europäischen Land. Irland hat den Staat Palästina offiziell anerkannt; die israelische Botschaft in Dublin wurde geschlossen.
So überraschte es nicht, dass es in Irland seit der Nations-League-Auslosung massive Proteste gegen die Austragung der Duelle mit Israel gab. „In Irland gibt es eine enorme Unterstützung für Palästina, wahrscheinlich die größte in ganz Europa“, erklärte Irlands isländischer Nationaltrainer Heimir Hallgrimsson der Fußballwelt für den Fall, dass sie vom ESC nichts mitbekommen hatte. Für den irischen Fußballverband (FAI) kam ein Boykott des Auswärtsspiels im ungarischen Debrecen – im Gegensatz zum Songcontest-Streik der nationalen Rundfunkanstalt – allerdings nie infrage: „Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir das Spiel austragen werden. Das wurde von unseren Mitgliedern und dem Vorstand so beschlossen“, sagte Präsident Paul Cooke dem Sender RTÉ.
Die irischen Fans reisten nicht mit; 319 Zuschauer bildeten eine Geisterkulisse, die an Corona-Zeiten erinnerte. Und auch sonst wurde das Spiel zu einer „trostlosen Farce, die bei allen ein Gefühl der Bitterkeit und des Verrats hinterlässt“, wie die Irish Times schrieb. Bei ihrem 3:0-Sieg liefen die irischen Spieler mit schwarzen Armbinden auf, „um all derer zu gedenken, die in diesem Konflikt ihr Leben verloren haben“. Noch ist unklar, ob diese Armbänder den Uefa-Regeln für Traueranlässe entsprechen – oder ob sie als politische Botschaften zu werten sind, die die Uefa auf der Spielkleidung verbietet. Bei der israelischen Nationalhymne senkten die Iren ihre Köpfe, sie verweigerten auch das übliche Abklatschen mit ihren Gegenspielern. Jack Moylan, Torschütze zum 3:0, zog nach seinem Treffer die Armbinde ab und küsste sie.
Ersatztorwart Gavin Bazunu ließ sich gar nicht erst nominieren. „Meine Entscheidung beruht einzig auf meiner persönlichen Überzeugung, dass die Tötung unschuldiger Menschen falsch ist“, schrieb er auf Instagram: „Es gibt wenige Momente im Leben, in denen man eine Chance bekommt, für etwas Größeres einzustehen. Und ich bin fest davon überzeugt, dass dies einer davon ist.“ Bazunu betonte, „dass sich meine Haltung nicht gegen das israelische Volk oder die jüdische Gemeinschaft richtet, sondern gegen die Gräueltaten in der Region“.
„Wir spielen nicht mit Völkermord, wir spielen gegen Völkermord“, sagt Trainer Hallgrimsson
Präsident Cooke und Trainer Hallgrimsson lobten das Verhalten der Spieler. Cooke fand, es sei „eine Ehre für Irland, eine Ehre für die Nation, eine Ehre für den irischen Fußball“. Hallgrimsson sagte, seine Spieler hätten „ihre Unterstützung für den Protest gezeigt“ und „das Bewusstsein für das Thema geschärft“.
Schon bei der Kadernominierung hatte Hallgrimsson erklärt: „Wir spielen nicht mit Völkermord, wir spielen gegen Völkermord. Wir spielen gegen Israel, wir spielen nicht mit Israel.“ Der israelische Fußballverband (IFA) reagierte in den sozialen Medien: „Wir spielen nicht mit Ignoranz, Heuchelei und Dummheit – wir spielen gegen den Trainer, der all das verkörpert.“ Israels Außenminister Gideon Sa’ar erinnerte bei X gar an die Neutralität Irlands im Zweiten Weltkrieg und ein Länderspiel gegen das Deutsche Reich im Jahr 1939, vor dem das damalige irische Team den Hitlergruß zeigte. Er warf den Iren vor, nun „auf der Seite des palästinensischen Terrorismus“ und des „Dschihadismus“ zu stehen.
Das Rückspiel am 4. Oktober findet in Serbien statt, denn beide Nations-League-Spiele wurden auf neutralem Boden angesetzt. Je nach Sichtweise kommt es dann wohl zur nächsten „trostlosen Farce“ – oder zur nächsten „Ehre für den irischen Fußball“.
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