Nations League: Das Klopp-Zeitalter beginnt

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Por Von Philipp SelldorfTop – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

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Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bestreitet in Amsterdam ihr erstes Spiel unter dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp. Die Elftal wird ein wenig Schicksal spielen, wie der Start in die Mission gelingt.

Von Philipp Selldorf

A ls 1990 auf dem nächsten Höhepunkt des deutsch-holländischen Fußballkonflikts Frank Rijkaard die lockige „Frisur“ von Rudi Völler benetzte, war Jürgen Klopp gerade damit beschäftigt, die Krönung seiner Karriere zu genießen. Im Alter von 23 Jahren hatte er soeben einen Vertrag beim Zweitligaaufsteiger FSV Mainz 05 unterschrieben, nachdem Klopp zuletzt dem Oberligisten SG Rot-Weiß Frankfurt angehört hatte. Die Probleme der beiden Nachbarländer interessierten ihn nicht. Dass sich im Anschluss an das Mailänder Achtelfinale der WM 1990 in den Grenzorten am Niederrhein Deutsche und Holländer mehr als nur in die Haare gerieten, hat Klopp, wie er am Mittwochabend in Amsterdam erzählte, nicht mitbekommen. Und schon gar nicht wäre er auf die Idee gekommen, sich an den, pardon, Kloppereien zu beteiligen.

„Ich habe die Rivalität nicht empfunden“, versicherte er rückblickend beim Pressetermin in der Johan-Cruyff-Arena. „Offensichtlich“ hätten sich damals „nicht alle Spieler gemocht“, aber für nähere Informationen, empfahl er, sollte man sich an Rudi Völler wenden. Am Vorabend des Starts in die neue Nations-League-Saison, der aus deutscher Sicht vor allem ein Start in das Zeitalter des neuen Bundestrainers ist, hatte der DFB-Sportdirektor Völler allerdings Besseres zu tun, als zur Lagebesprechung mit den Medien zu erscheinen.

Unter Jürgen Klopp ist vieles neu im Nationalteam, auch im Tor. Der frühere DFB-Torwarttrainer Andreas Köpke spricht über das Ende der Neuer-Ära und die Qualitäten der möglichen Nachfolger.

Ohnehin sind die Zeiten längst vorbei, in denen eine Partie zwischen den Niederlanden und Deutschland den Anlass für erhöhte Sicherheitsvorkehrungen darstellte. Und das wird jetzt auch mit Jürgen Klopp nicht anders werden, von dem keine kleinen Gemeinheiten und schon gar keine Ressentiments zu vernehmen waren. Stattdessen enthüllte er, in den Jahren als BVB-Trainer öfter mal zum Shoppen in Roermond und für ein Wochenende in Amsterdam gewesen zu sein – und bedenkenfrei Deutsch gesprochen zu haben.

Andererseits ist nicht zu leugnen, dass die niederländische Elftal am Donnerstagabend ein wenig Schicksal spielen wird, wie Klopps Start in die neue Mission gelingen wird. Einzelheiten seiner Aufstellung oder seines Matchplans hat der Trainer selbstverständlich nicht verraten, immerhin erkundigte er sich mitfühlend, ob seine Verschwiegenheit schädliche Folgen haben könnte. „Können Sie schlafen, wenn Sie das heute noch nicht wissen?“, fragte er einen Reporter, der wissen wollte, ob Josha Vagnoman in der Viererkette als Rechtsverteidiger vorgesehen sei. Tatsächlich ist wohl eher mit dem Freiburger Philipp Treu zu rechnen, während wohl das WM-Duo Nico Schlotterbeck und Jonathan Tah die Zentralverteidigung übernehmen dürften. Andere Favoriten für die Startelf: Nathaniel Brown, Joshua Kimmich, Felix Nmecha, Jamal Musiala, Kai Havertz und zwei Flügelstürmer, die Karim Adeyemi und Kevin Schade heißen könnten.

Im Tor wird bekanntlich Marc ter Stegen sein Comeback feiern, der ebenfalls zu einem verträglichen Klima zwischen heimischem und zugereistem Publikum beitragen könnte. Er hat sich im Sommer dem großen Traditionsklub Ajax Amsterdam angeschlossen und mit inzwischen acht Einsätzen belegt, dass er nach zwei Jahren voller Beschwerden wieder bereit ist für Leistungssport und Profifußball. Wie ter Stegen hat auch Ajax zuletzt schwierige Zeiten erlebt. „Das Ziel ist dieses Jahr, dass man wieder um die Liga mitspielt“, sagte der Torwart, „dafür haben wir tolle Spieler verpflichtet“ – lustigerweise vor allem Spieler aus dem östlichen Nachbarland: Neben ter Stegen leisten auch Julian Brandt und Thilo Kehrer Aufbauhilfe bei Ajax.

44 Spieler für vier Länderspiele: Mit seinem Mammut-Aufgebot will Bundestrainer Klopp einen reformerischen Schwerpunkt setzen und zugleich den Wettbewerb in der Nations League aufnehmen.

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