Nationale Olympia-Entscheidung: Wie Augsburg von Münchens möglichen Spielen profitieren will

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Por Von Florian Fuchs — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

Lesezeit: 3 Min.

Wie bei den Spielen 1972 sollen auch diesmal Wettbewerbe in Schwaben stattfinden, Kanu und Kajak  im berühmten Eiskanal – und Fußball. Aber Augsburg will noch mehr.

Von Florian Fuchs

Natürlich ist München das Zentrum der Olympischen Spiele, sollte die Stadt den Zuschlag bekommen für die Jahre 2036, 2040 oder 2044. Die Spiele von 1972 wirken nach, das Ensemble mit dem Olympiastadion und seiner einzigartigen Architektur ist bis heute weltweit bekannt. Sportgeschichte aber hat damals auch Augsburg mit seinem Eiskanal als Co-Austragungsort geschrieben: Die Anlage am Lech war das erste Kanu-Slalom-Stadion der Welt, dort fanden die ersten olympischen Kanuslalom-Wettkämpfe überhaupt statt. Die „Mutter aller Kanustrecken“ wird der Eiskanal auch genannt.

Die Puppenkiste und die Fuggerei sind Institutionen, über die sich die Augsburger identifizieren. Der Eiskanal gehört auch dazu. Dass München sich nun zumindest national gegen die Konkurrenz durchgesetzt hat und als deutscher Bewerber für Olympische Spiele ins Rennen geht, nehmen sie in Augsburg begeistert auf – und hoffen auch hier auf einen Schub für die Stadt, der weit über die Spiele hinausgehen soll.

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„Sollte München den Zuschlag für Olympische Spiele bekommen, wollen wir nicht nur Trittbrettfahrer sein“, sagt Augsburgs Sportreferent Dirk Wurm (SPD). Er war am Samstag selbst in München und wollte die Gelegenheit gleich nutzen, nach der guten Nachricht über die erfolgreiche Wahl gegen Köln-Rhein-Ruhr weitere Sportstätten nach Augsburg zu holen.

Der Eiskanal mit Kanu und Kajak sowie die Arena des FC Augsburg für Fußballspiele sind im Bewerbungskonzept ja bereits festgehalten. Das Stadion wäre mit den Arenen in München, der Sportstätte in Fröttmaning, dem alten Olympiastadion und dem Stadion an der Grünwalderstraße sowie Stadien in Nürnberg und Ingolstadt als Spielstätte für das olympische Fußballturnier vorgesehen. Wurm aber hat Hoffnung, dass wie schon 1972 etwa noch weitere Vorrundenspiele von Ballsport-Wettbewerben in der schwäbischen Metropole stattfinden könnten.

Damals sahen die Augsburger live und vor Ort in der Erhard-Wunderlich-Halle olympische Handballspiele. Die Halle ist allerdings in die Jahre gekommen, sie steht unter Denkmalschutz. Aber darum geht es ja: „Olympische Spiele sind eine enorme Chance für eine Stadt, sich weiterzuentwickeln“, sagt Wurm. Nicht zuletzt, weil für solch ein Ereignis einige Bundesmittel nach Augsburg fließen würden, genau wie Geld vom Freistaat.

Dies war auch vor Jahren der Fall bei der umfassenden Sanierung der Kanustrecke am Eiskanal, die beim Bau vor mehr als 50 Jahren Vorbild war für zahlreiche weitere Kanustrecken weltweit. Bei den Olympischen Spielen 1972 drängten sich 50 000 Zuschauer dicht an dicht am Wasser, heute sind 12 000 Zuschauer zugelassen. Die Anzeigetafel, die schwungvoll in die Anlage integrierten Tribünen, die Technik sowie Athleten- und Organisationsräume sind renoviert, teils mit Akzenten im Stil der siebziger Jahre, knallig orange und nostalgisch.

Weil in jüngster Zeit aufgrund des Klimawandels immer wieder zu wenig Wasser vom Lech zur Verfügung stand, hat der Stadtrat den Bau zweier Regulierungswerke beschlossen, um sich gegen Niedrigwasser zu wappnen. Teils mussten in der Vergangenheit Trainings abgesagt werden, weil der Eiskanal nicht zu befahren war. Das soll nicht mehr passieren. 3,5 Millionen Euro kostet die Maßnahme, bis zu 60 Prozent dafür sollen von Bund und Freistaat kommen.

Wurm will nun eine olympische Gesellschaft gründen, mit Unternehmen aus der Region, mit Sportlern und Politikern, um Vorschläge zu sammeln und dann mit Vertretern aus München ins Gespräch zu kommen, welche Wettbewerbe Augsburg noch an Land ziehen könnte.

Die nationale und internationale Wahrnehmung täte Augsburg gut, sagt auch Götz Beck. Mobilität, Aufenthaltsqualität in der Innenstadt, man könnte, betonte der Tourismusdirektor, in diesem Zuge auch wieder einmal Leuchtturmprojekte entwickeln. 1972 entstand unter anderem der Hotelturm, heute das höchste Baudenkmal Bayerns. „So etwas könnte man ohne solche Großevents heute gar nicht mehr bewerkstelligen“, sagt Beck.

Wobei die Augsburger aufpassen müssen, dass es, kommt es tatsächlich zu Olympischen Spielen in zehn, 14 oder 18 Jahren, nicht doch ziemlich leer wird im Eiskanal. Das IOC nimmt immer wieder neue Sportarten ins Programm, die Disziplinen für die fraglichen Spiele sind noch nicht festgelegt. Diskutiert wird immer wieder, ob die ein oder andere Kanu- oder vor allem Kajakdisziplin gestrichen wird.

In keiner Großstadt im Freistaat leben so viele zufriedene Menschen wie in Augsburg, dabei fühlten sie doch gerade dort immer abgehängt.

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