Liverpool in der Champions League: Die alte Garde reißt es raus

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Por Von Sven Haist, LiverpoolTop – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

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Liverpool besiegt Atlético, doch die teuren Transfers der Briten schlagen weiter nicht wie gewünscht ein. Zwei erfahrene Kräfte drehen die Partie.

Von Sven Haist, Liverpool

N ach seinem Siegtreffer für den FC Liverpool schlug sich Alexis Mac Allister unverzüglich mit der Hand auf das Vereinswappen. Damit wollte der Mittelfeldspieler vermutlich seine Worte vom Pressegespräch am Vortag des Champions-League-Auftakts gegen Atlético Madrid unterstreichen. Dort hatte er ungewöhnlich offen über seine vertragliche Situation gesprochen. Die Anhängerschaft müsse sich „keine Sorgen machen“, denn er werde bis zum letzten Tag alles geben, betonte Mac Allister, 27. Zuvor hatte der Argentinier seine Enttäuschung darüber geäußert, dass das Liverpooler Management seinen Vertrag derzeit nicht über Juni 2028 hinaus verlängern will. Dies mache ihn „sehr traurig“, erklärte er.

Seinen Frust bezog er darauf, dass seine Mittelfeldkollegen Ryan Gravenberch und Dominik Szoboszlai neue lukrative Langzeitdeals erhalten hätten: Gravenberch verlängerte bis 2032, Szoboszlai bis 2031. Diese Konstellation schien Mac Allister zusätzlich anzustacheln. Er lieferte gegen Atlé­t­ico eine brillante Partie ab.

Beim englischen Traditionsklub sitzt künftig eine Riege an Multimilliardären am Steuer. Vorerst halten sie rund 30 Prozent der Anteile – doch Jeff Bezos und seine Mitstreiter könnten die Mehrheit am FC Liverpool anstreben.

Die etablierte Garde um Mac Allister hat es für den FC Liverpool am Mittwochabend einmal mehr rausgerissen. Nach der fein herausgespielten Führung der Gäste durch Liverpool-Spezialist Marcos Llorente (17. Minute), der bereits zum fünften Mal im Anfield-Stadion ein Tor erzielte, drehten Szoboszlai und Mac Allister die Partie. Zunächst glich Szoboszlai zum 1:1 (40.) aus. Fünf Minuten nach der Pause knallte Mac Allister einen Ball aus einer kuriosen Ping-Pong-Abwehr der Atlético-Verteidiger aus der Distanz mit seinem schwächeren linken Fuß ins Eck. „Ein ordentlicher Kracher“, kommentierte Mac Allister. Weniger präzise äußerte sich der neue LFC-Trainer Andoni Iraola, als er zur Zukunft des Spielers befragt wurde: „Herrliches Tor“, wich der Baske grinsend aus.

Durch das moralstärkende 2:1 bleibt Liverpool in dieser Saison ungeschlagen, nachdem es in der Premier League zuvor mit einem Sieg und zwei Unentschieden einen mäßigen Start erlebt hatte. Im Duell mit Atlético setzte sich die Reihe der bislang durchwachsenen Leistungen fort. Mit der überraschenden Dreierkette stellte Atléticos Trainerveteran Diego Simeone seinen international noch unerfahrenen Kontrahenten auf die Probe. Der revanchierte sich, indem er nach der Führung taktische Anpassungen bei seiner Elf vornahm. Die Abläufe müssten „sauberer und präziser“ werden, sagte Iraola nach der Partie. Angesichts der Vielzahl an Veränderungen gilt das derzeit wohl grundsätzlich für den FC Liverpool.

In diesem Sommer wechselte der Verein den Trainer von Arne Slot zu Iraola, nahm ein Investorenkonsortium um Amazon-Boss Jeff Bezos als Minderheitseigner auf und gab weitere 270 Millionen Euro für neue Spieler aus. Damit stiegen die Gesamttransferausgaben innerhalb eines Jahres auf eine Dreiviertelmilliarde Euro. Hinzu kam jüngst der Rücktritt von Sportchef Richard Hughes. Dieser Schritt hatte sich abgezeichnet: Im Juli 2026 verabschiedete sich Hughes’ langjähriger Bekannter Michael Ed­wards aus seiner Rolle als Fußball-CEO der Fenway Sports Group, der Eigentümergesellschaft des Klubs. Entsprechend sucht der LFC bereits seinen vierten Manager in vier Jahren. Zwischenzeitlich war auch Jörg Schmadtke als Interimslösung eingesprungen.

Unter den Umwälzungen leidet insbesondere die sportliche Stringenz. Die teuren Transfers des zuvor vergleichsweise bedacht handelnden Vereins muteten wie der Versuch an, das gesamte Konstrukt für potenzielle Investoren aufzuhübschen. Denn der Kader hinterlässt weiterhin einen kaum ausgewogenen Eindruck. Iraola sagte pointiert, der Klub habe sich „für die besten Spieler“ entschieden und nicht unbedingt für jene, die positionsbezogen am besten passten. Illustre Namen wie Florian Wirtz und Alexander Isak blieben trotz ansteigender Formkurven gegen Atlético weitgehend ohne entscheidende Aktionen. Der kurz zuvor für 125 Millionen Euro verpflichtete Bradley Barcola musste bei seinem Startelfdebüt in der 60. Minute ausgewechselt werden – wegen Krämpfen.

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