Künstliche Intelligenz: Bot sei Dank!
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Künstliche Intelligenz Bot sei Dank!
13. September 2026, 10:37 Uhr |
Lesezeit: 2 Min.

Ein US-Dozent überführt seine Studenten der KI-Benutzung. Doch handelt es sich bei deren Einsatz durch junge Leute nicht eher um Notwehr?
Von Martin Zips
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Mal wieder was Neues aus der Welt der Human Resources: Ein Hochschullehrer im US-Bundesstaat Mississippi hat im Juli seine Studenten beim unerlaubten Einsatz von KI überführt. In einer Aufgabe versteckte er einen für Lernende unsichtbaren weißen Text, der ein KI-Modell dazu anwies, inhaltlichen Blödsinn zur industriellen Revolution zu fabulieren. Der Geschichtsdozent Jason Gibson habe auf diese Weise 32 von 35 Schwindlern überführt, berichtete USA Today.
Aber jetzt mal anders gefragt: Ist KI-Geschummel in einer Welt, in der laut der Studie einer Personalsoftware-Firma Bewerbungsgespräche bereits mehrheitlich von Nichtmenschen geführt werden, nicht die völlig logische Konsequenz? In den USA gaben 63 Prozent der befragten Jobsucher an, in den vergangenen zwölf Monaten von KI interviewt worden zu sein, in Deutschland waren es 57 Prozent. Es wird aufgenommen, verschriftlicht, aussortiert. Und die Firma kann immer sagen: Du, das haben nicht wir so entschieden. Das war die KI.
Avatare als Gegenüber beim Bewerbungsgespräch werden gar nicht mehr hinterfragt
Forscher der Technischen Universität München und der Universität Lund haben bereits Anfang des Jahres den Einfluss von Avataren auf Bewerberinnen und Bewerber während solcher Interviews untersucht. Ein Verzicht auf den Einsatz echter Menschen bei Bewerbungs- oder Bewertungsgesprächen wurde hier erst gar nicht mehr infrage gestellt. Zum Schluss kam die Studienautorin (Abteilung „Human-Centered Technologies for Learning“) zu diesem Ergebnis: Um die „Recruitingverfahren“ von Firmen zu verbessern, müssten „Erkenntnisse über unser Sozialverhalten beim Design von KI stärker beachtet werden“. Avatare mit blauer Hautfarbe, so könnte man es laienhaft zusammenfassen, machen vielleicht bessere Laune bei Fragen wie „Wo siehst du dich in fünf Jahren?“ als KI-designte Avatare mit grüner Hautfarbe. Zumindest müsste man das mal untersuchen, aber da sind die Forscher sicher schon dran.
Bei solchen gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen ist es freilich jetzt auch nicht mehr so überraschend, wenn Schüler und Studenten ihrerseits auf KI vertrauen (selbst auf die Gefahr hin, wie in Mississippi, dabei vom Prof überrascht zu werden). Längst lassen sich angehende Werkstudenten ebenfalls von Bots trainieren, damit sie im Vorstellungsgespräch gut rüberkommen. Es geht ja darum, sich die ein oder andere lästige Besonderheit des persönlichen Daseins schnell noch abzutrainieren. Auch wer in wichtige Lehrveranstaltungen mit begrenzter Teilnehmerzahl gelangen möchte, setzt auf Bots. Bei mancher Onlineanmeldung geht es mittlerweile zu, wie beim Ticketverkauf fürs Céline-Dion-Konzert: Wer nicht gleich in der ersten Millisekunde der Onlinefreischaltung Glück hat, bleibt draußen. Alles ein bisschen so, wie gerade an der Zapfsäule: Selbst schuld, wer nicht vor zwölf getankt hat. Dabei, das kann man schon bei Dostojewski nachlesen, ist allein Ruhe die Quelle jeder großen Kraft.
Das Geld an den Börsen macht der, der über die raffinierteste Software verfügt
Börsenexperten empfehlen dieser Tage, sich beim Onlinekauf nicht nur „auf statische Screenings oder manuelle Chartanalysen zu verlassen“. Modernere „KI-Aktien-Handelsplattformen“ könnten bereits „Tausende von Marktbedingungen in Echtzeit scannen, technische Muster erkennen, Handelsideen generieren, Strategien backtesten, Alerts automatisieren und in einigen Fällen Orders über verbundene Broker-Konten routen“, so heißt es aktuell auf der Plattform unite.ai. Wer bei „backtesten“ an Kuchen denkt, ist übrigens auch draußen.
Wie schrieb der Papst in seiner Ende Mai veröffentlichten Sozialenzyklika „Magnifica humanitas“? Technologie ist alles andere als neutral. Geprägt werde sie von denen, „die sie konzipieren, finanzieren, regulieren und nutzen“. Für die Menschheit müsse es daher nur um eines gehen: „Zutiefst menschlich zu bleiben“. Also irgendwie nett und verständnisvoll und hilfsbereit im Umgang miteinander. Vielleicht könnte dazu ja mal jemand einen weißen Text irgendwo reinkopieren, damit das auch jeder Bot kapiert. Altman, Amodei und Musk scheinen langsam so weit zu sein.
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Debatte : Warten auf den Knall
Dass von der KI-Entwicklung eine Gefahr für die Menschheit ausgehen könnte, wird gern als Weltuntergangshysterie verlacht. Dabei gibt es Gründe dafür, sich ernsthaft Gedanken zu machen – nicht nur die, aus denen Bill Gates jetzt warnt.
Essay von Philipp Bovermann
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