Korridorsanierung zwischen Rosenheim und Salzburg: Die Deutsche Bahn und der Dachschaden von Übersee

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Por Von Matthias Köpf, Übersee am Chiemsee — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

Lesezeit: 3 Min.

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Die DB war schon fast fertig mit der Erneuerung des Bahnsteigdachs im Bahnhof von Übersee am Chiemsee. Doch jetzt kommt die große Korridorsanierung – und das Dach soll plötzlich kleinen, gläsernen Wartehäuschen weichen.

Von Matthias Köpf, Übersee am Chiemsee

W enn bei der Deutschen Bahn alles planmäßig läuft, dann wird an Gleis 3 und an Gleis 4 im Bahnhof Übersee am Chiemsee in naher Zukunft kaum mehr ein Fahrgast im Regen stehen. Vor allem nicht zwischen dem 7. Februar und dem 9. Juli kommenden Jahres. In dieser Zeit nämlich will die DB die wichtige und stark belastete Bahnstrecke zwischen Rosenheim und Salzburg in einer ihrer „Korridorsanierungen“ erneuern und modernisieren und sie dazu vollständig sperren.

Die Details und ihr Konzept für den Ersatzverkehr mit Bussen will die Bahn demnächst öffentlich vorstellen, bald soll das Infomobil auch in Übersee vorfahren. Doch den drei Menschen, die hier gerade am Gleis 2 stehen (ein Gleis 1 hält die Bahn in Übersee nicht bereit), geht es sowieso um die Zeit nach der großen Sanierung. Dann nämlich sollen die Fahrgäste Richtung München an Gleis 3 und 4 nur noch ein paar der üblichen gläsernen Wartehäuschen vorfinden statt des jetzigen großflächigen Bahnsteigdachs. Und dann könnten hier doch etliche Fahrgäste im Regen stehen oder im Schnee oder in der prallen Sonne, denn irgendwas ist ja immer. Dabei hatte die Bahn doch vor gar nicht allzu langer Zeit angefangen, das Bahnsteigdach mit einigem Aufwand zu erneuern.

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Die Stützen wurden sandgestrahlt und frisch gestrichen, dazu kamen glänzend neue Dachrinnen und solide Betonsockel in immer noch gussfrischem Grau mit ebenfalls noch ganz heller neuer Umpflasterung. Die Wellblech-Dachplatten sind allerdings nur ein Provisorium und bedecken auch nicht das ganze Gerüst. Am einen Ende Richtung Salzburg fehlen nur ein paar wenige Meter, am anderen in Richtung München noch ein ansehnliches Stück. Aber bald muss das alles miteinander ohnehin wieder weg.

Denn die Bahn hat die Arbeiten an dem zuvor nicht mehr zweifelsfrei standfesten Dach abgebrochen, sobald sie sich einmal für die Korridorsanierung entschieden hatte. Also dazu, bei monatelanger Sperrung der Strecke möglichst alles auf einmal zu modernisieren. Bei so einer Rundumerneuerung zahlt dann auch der Bund fleißig mit, und zwar auch für den Wetterschutz am Bahnhof Übersee. Nur eben nicht für ein Dach wie das gerade erst ziemlich weit restaurierte. Dazu steigen dem Bund in Übersee nämlich deutlich zu wenige Fahrgäste ein und aus. Also reicht es nur für gläserne Häuschen, trotz des vorhandenen Dachs.

Kerstin Gnadl und Can Dörtbudak können dafür kein rechtes Verständnis aufbringen. Beide pendeln mehrmals die Woche beruflich nach München und hätten für den Fall, dass sie mal warten müssen, gern ein Dach über den Kopf. Für sich selbst, für all die anderen Pendler und auch für die Touristen, die doch möglichst mit öffentlichen Verkehrsmitteln an den Chiemsee reisen sollten.

Gnadl und Dörtbudak gehören dem Ortsverband der Grünen in Übersee an, Dörtbudak auch dem örtlichen Gemeinderat. Und dieses Gremium hat sich seit der teilweisen Demontage des alten Dachs vor rund fünf Jahren schon mehrmals für die Erneuerung des Dachs ausgesprochen, sagt der dritte Wartende an Gleis 2, Übersees parteiloser Bürgermeister Herbert Strauch.

Hier an Gleis 2, an dem die Züge Richtung Traunstein, Freilassing und Salzburg abfahren, gibt es auch kein komplettes Bahnsteigdach, aber immerhin das vorgezogene Dach des Bahnhofsgebäudes. Das gehört schon seit einer ganzen Weile der Gemeinde. Man werde da selbst für mehr Wetterschutz sorgen, sagt Strauch, und was den Bahnhof betrifft, sei die Zusammenarbeit mit der Bahn immer sehr gut. Doch wegen des Dachs an Gleis 3 werde immer nur auf die Förderrichtlinien verwiesen und darauf, dass hier auch langfristig höchstens 1300 Fahrgäste pro Tag erwartet würden und nicht mindestens 3000, für die der Bund dann ein Dach zahlen würde.

Selbst dürfe es die Gemeinde schon bauen und bezahlen, sagt Strauch. Aber das komme gar nicht infrage, wegen des Geldes und weil man auf gar keinen Fall als unmittelbar Beteiligte in eine solche Baumaßnahme der Bahn hineingeraten wolle.

In der steckt jener Mann längst mittendrin, der jetzt in orangefarbener Warnweste an die Gruppe herantritt und sich als Projektleiter der DB für den Bahnhof Übersee vorstellt. Öffentliche Aussagen aller Art will und muss er der konzerneigenen Presseabteilung überlassen, aber dem Bürgermeister sagt er das, was dieser von der Bahn immer schon gehört hat.

Zwei der sanierten Stützen müssten sowieso wieder weg, weil der Bahnhof Übersee im Zug der Korridorsanierung gleich barrierefrei gestaltet werden soll und anstelle der Stützen ein Lift zum Bahnsteig eingebaut werde. Zur Barrierefreiheit gehörten auch höhere Bahnsteige, und dann sei unter dem jetzigen Dach zu wenig Platz für die neuen, elektronischen Anzeigetafeln.

Doch in Übersee will man sich noch nicht geschlagen geben. Strauch hat nach eigenen Worten praktisch alle Abgeordneten der weiteren Umgebung um Beistand gebeten, Dörtbudak und seine Mitstreiter haben nach seinen Angaben inzwischen rund 1000 Unterschriften für eine Petition pro Bahnsteigdach gesammelt. Doch der Fahrplan für die Korridorsanierung steht. Im Februar soll es losgehen, bald kommt das Infomobil.

Die Betreiber dürfen die alte Seilbahn mit ihren nostalgischen Viererkabinen abreißen und durch eine neue Bahn mit doppelt so großen Gondeln ersetzen. Der Streit um die streng geschützten Birkhühner geht aber weiter.

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