Internationale Pressestimmen zu den Wahlen: „Das wahre Erdbeben in Deutschland steht noch bevor“

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Internationale Pressestimmen zu den Wahlen „Das wahre Erdbeben in Deutschland steht noch bevor“

21. September 2026, 14:33 Uhr |

Lesezeit: 3 Min.

Die Reaktionen der internationalen Presse beziehen sich insbesondere auf die Verluste der CDU in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin.
Die Reaktionen der internationalen Presse beziehen sich insbesondere auf die Verluste der CDU in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Annegret Hilse/REUTERS

So reagiert die polnische Tageszeitung „Rzeczpospolita“ auf die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Internationale Medien blicken vor allem auf Bundeskanzler Friedrich Merz.

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Die Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin und die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern sorgen international für Schlagzeilen.

Spanien

Die spanische Zeitung El Mundo kommentiert den Ausgang der Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin: „Die Ergebnisse der beiden Regionalwahlen (…) bestätigen einen besorgniserregenden Trend: Die traditionellen Parteien im Zentrum verlieren an Boden, während extreme Kräfte Aufwind haben. Nach den Wahlen vom 6. September in Sachsen-Anhalt, bei denen die rechtsextreme AfD nahe an die absolute Mehrheit herankam und möglicherweise eine Regierung bilden kann, haben die beiden Länder, in denen gestern gewählt wurde – Berlin und Mecklenburg-Vorpommern – die tiefe Krise der Partei bestätigt, die die deutsche Regierung führt: die CDU unter Friedrich Merz (…)“

Polen

Die polnische Tageszeitung Rzeczpospolita schreibt am Montag von einem bevorstehendem „Erdbeben“: „(…) Die Schwäche des Bundeskanzlers bedeutet eine Schwäche der deutschen Politik. Und das ist die wichtigste politische Bühne in der EU. Wer von dieser Schwäche profitiert? Vor allem diejenigen, die diese Bühne komplett verändern wollen. Die Hoffnung der AfD, dass es noch in diesem Jahr nach vorgezogenen Bundestagswahlen zu einem solchen Wandel kommt, scheint nicht völlig realitätsfern. Der Zeitpunkt ist hier ohnehin nicht das Wichtigste. Das wahre Erdbeben steht noch bevor.“

„Behält Friedrich Merz sein Amt?“, fragt die Tageszeitung Gazeta Wyborcza nach der Veröffentlichung der ersten Prognosen. Zu Friedrich Merz schreibt das Blatt weiter: (…) Als er die Führung der CDU übernahm, hatte Merz versprochen, dass er die Unterstützung für die AfD halbieren würde. Heute wird ihm vorgeworfen, dass er zum Wachsen ihrer Popularität beigetragen hat.“

Schweiz

Der Schweizer Tages-Anzeiger berichtet am Montag: „Es hätte für Friedrich Merz ein Befreiungsschlag werden sollen. (…) Ein „Desaster“ sei das Resultat, sagte Merz gestern. Er schwor sein Land auf einen harten Reformkurs und schwierige Zeiten ein. Offensichtlich war ihm wichtig, umgehend jede Spekulation um seine Person zu beenden. Dass er sich zu dieser Erklärung überhaupt genötigt sah, zeigt, wie angeschlagen er ist (…) Dieser Wahlsonntag könnte das politische Gefüge in Deutschland noch nachhaltig erschüttern.“

Zum Wahlsieg der Linken in Berlin heißt es am Montag in der Neuen Zürcher Zeitung: „Die Berliner wollen Deutschlands Hauptstadt offenbar einem sozialistischen Experiment unterziehen (…) Der Auftrag zur Regierungsbildung liegt eindeutig bei der überraschend starken Linkspartei und ihrer Spitzenkandidatin Elif Eralp. Folgen Grüne und SPD deren Sirenengesängen, könnte Berlin bald eine Regierung erhalten, die der Polizei systematisch misstraut, Bauinvestoren abschreckt und Autofahrern das Leben so schwer wie möglich macht. Dabei bräuchte die deutsche Hauptstadt angesichts von Clans und organisiertem Verbrechen einerseits und dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum andererseits das genaue Gegenteil. Berlin wird unter dem sich abzeichnenden Linksbündnis leiden. Die Hauptstadt wird unsicherer werden und dysfunktionaler.“

Großbritannien

„Bundeskanzler Merz steht mit dem Rücken zur Wand, könnte aber mangels eines klaren Rivalen überleben“, schreibt die britische The Sunday Times nach den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern.

„Merz hält sich nach demütigender Doppelniederlage an der Macht“ titelt die britische Zeitung The Telegraph kurz nach der Veröffentlichung der ersten Ergebnisse. Zudem schreibt das Blatt über Bundeskanzler Friedrich Merz: „Der Mitte-rechts stehende CDU-Vorsitzende ist wegen seines Versagens, die angeschlagene deutsche Wirtschaft zu reformieren und den Aufstieg der AfD einzudämmen, unter Rücktrittsdruck geraten. Mit einer Zustimmungsquote von nur 10 Prozent ist er bei den Wählern und seinen eigenen Parteimitgliedern, die ihn als realitätsfern, unsensibel und arrogant bezeichnen, äußerst unbeliebt.“

Italien

Die italienische Zeitung La Stampa schreibt zum Ausgang der Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern: „Die Architektin des beeindruckenden Comebacks (der SPD) in Mecklenburg-Vorpommern ist eine Frau – eine weitere standhafte Stütze gegen die nationalistische Rechte, die in Deutschland ebenfalls von den Stimmen verärgerter Männer profitiert und deren Aufstieg die Umfragen bis vor Kurzem nicht auf dem Radar hatten (…)“

Frankreich

Zu den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin titelt die französische Tageszeitung Libération am Sonntag: „Die AfD wächst weiter, Merz taumelt“ und analysiert: „Die stärkere Präsenz der Rechtsextremen in den Regionalparlamenten und im Bundestag wird die Formierung von stabilen Regierungen immer schwieriger werden lassen. Die heilige Regel der „Brandmauer“ der demokratischen Parteien, die jegliche Allianz mit der AfD verbietet, könnte rasch infrage gestellt werden.“

Niederlande

In der niederländischen Zeitung De Telegraaf heißt es am Montag: „Deutschland erleidet erneut einen politischen Tiefschlag. (…) In den vergangenen Wochen wurde in seiner eigenen Partei offen über einen Kanzlertausch gesprochen. Weil die Unzufriedenheit der Deutschen mit seiner Politik enorm ist, wird Merz zu einem wesentlichen Teil für die jüngsten Niederlagen verantwortlich gemacht (…)“

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