Hausdurchsuchung bei Ilhan Omar: Die Frau, die Donald Trump zur Weißglut treibt
Por Von Charlotte Walser, Washington — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport
Hausdurchsuchung bei Ilhan Omar Die Frau, die Donald Trump zur Weißglut treibt
13. Oktober 2026, 4:39 Uhr |
Lesezeit: 3 Min.
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Die demokratische Abgeordnete Ilhan Omar ist schon lange im Visier von Donald Trump. Sie ist die erste somalisch-amerikanische Frau im Repräsentantenhaus. Jetzt ist ihr Haus durchsucht worden.
Von Charlotte Walser, Washington
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D ie Anhänger von Donald Trump reagieren begeistert. „Endlich!“, schreiben sie in sozialen Medien. Die Gegner hingegen sprechen von Machtmissbrauch. Bundespolizisten haben am Montagmorgen das Haus der demokratischen Abgeordneten Ilhan Omar in Washington D.C. durchsucht. Am Nachmittag schrieb Omar auf der Plattform X, das sei nur die jüngste Eskalation. Donald Trump greife sie seit zehn Jahren mit haltlosen Lügen und Verleumdungskampagnen an. Der Beitrag schließt mit den Worten „ich lasse mich nicht zum Schweigen bringen“.
Das Justizministerium bestätigte, dass ein Durchsuchungsbefehl vollstreckt worden sei, ohne Omars Namen zu nennen. Justizminister Markwayne Mullin hatte im September gesagt, gegen Omar liefen Ermittlungen. Untersucht werde, ob ihre Familie durch Fälschung von Unterlagen illegal ins Land eingereist sei; wenn das nachgewiesen werden könne, werde sie abgeschoben.
Laut US-Medien sollen sich die Ermittlungen darauf konzentrieren, ob Omars verstorbener Vater bei der Einbürgerung falsche Angaben machte. Untersuchungen gegen Omar hatte es schon früher gegeben, auch unter der Regierung von Joe Biden. Damals ging es um Wahlkampfausgaben und Kontakte zu einem ausländischen Staatsbürger. Die Ermittlungen wurden aber eingestellt.
Unter Donald Trump wurde das Justizministerium nun wieder aktiv. Der US-Präsident hat Omar, 44, mehrfach als „Abschaum“ und „Müll“ bezeichnet. Er verbreitet das Gerücht, sie sei eine Scheinehe mit ihrem Bruder eingegangen. Und er sagt immer wieder, Omar dürfte gar nicht in den USA sein. Im Frühjahr behauptete auch Vizepräsident J. D. Vance, sie habe bei der Einwanderung betrogen.
Ilhan Omar war zwölf Jahre alt, als sie 1995 am Flughafen von Washington ankam. Ihre Familie hatte vier Jahre in einem Flüchtlingslager in Kenia verbracht, ohne fließendes Wasser. Dort wurde sie für das Resettlement-Programm ausgewählt, das Programm der UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR, an dem sich die USA während Jahrzehnten beteiligt haben.
Geboren wurde Omar 1982 in der somalischen Hauptstadt Mogadischu, als jüngstes von sieben Kindern. Ihre Mutter starb, als sie zwei Jahre alt war. Zu Beginn der 1990er-Jahre, als sie acht Jahre alt war, flüchtete die Familie vor dem Bürgerkrieg in Somalia.
Als Teenagerin begann sie, sich für Politik zu interessieren
In ihrer Autobiografie beschreibt Ilhan Omar, wie sie sich unter dem Bett versteckte, als sich Milizen dem Haus der Familie näherten. Sie berichtet auch von anfänglichen Schwierigkeiten in den USA. Am ersten Schultag sei sie draußen vor ihrer Schule in der Kälte gesessen und habe nicht gewusst, ob sie das Gebäude vor Unterrichtsbeginn betreten dürfe.
Als Teenagerin begann Omar, an Versammlungen eines Zweigs der demokratischen Partei in Minnesota teilzunehmen und sich in lokalen Gremien zu engagieren. Sie studierte Politikwissenschaft, gründete eine Familie und arbeitete an der Universität von Minnesota. Gleichzeitig leitete sie Wahlkampagnen, was ihr zu einer Stelle als politische Referentin im Rathaus von Minneapolis verhalf.
2016 kandidierte sie schließlich selbst. Am Tag, an dem Donald Trump zum Präsidenten gewählt wurde, wurde Ilhan Omar ins Parlament von Minnesota gewählt. Zwei Jahre später trat sie ins nationale Rampenlicht: Als erste somalisch-amerikanische Person und eine von zwei Musliminnen wurde sie ins Repräsentantenhaus gewählt.

Nur wenige Wochen nach ihrer Amtseinführung geriet sie wegen eines Tweets in die Kritik, in dem sie die Unterstützung Israels mit einer Anspielung auf 100-Dollar-Scheine kritisierte. Omar entschuldigte sich später dafür und erklärte, ihre jüdischen Verbündeten hätten ihr die schmerzhafte Geschichte antisemitischer Klischees nähergebracht. Es war jedoch nicht ihre letzte umstrittene Äußerung.
Politisch zählt Ilhan Omar zum linken Flügel der Demokraten. Sie setzt sich für eine staatliche Gesundheitsversorgung und öffentliche Investitionen in bezahlbaren Wohnraum ein. Auch Klimaschutz und Menschenrechte gehören zu ihren Themen. In der ersten Legislaturperiode erregte sie Aufsehen als Mitglied einer Gruppe von vier linken Frauen, die als „the squad“ bezeichnet wurde: „der Trupp“. Dazu gehörte auch Alexandria Ocasio-Cortez.
Junge Linke feiern Omar und die Geschichte ihres Aufstiegs. Für Konservative ist sie allein schon deshalb eine Provokation, weil sie ein Kopftuch trägt. Im Januar wurde sie an einer Veranstaltung mit einer Flüssigkeit angegriffen, die sich später als Apfelessig herausstellte. Laut Omar nehmen Drohungen jeweils zu, wenn der Präsident sie beschimpft.
Nach der Hausdurchsuchung sagte Trump, er halte Omar für eine schreckliche Person
2019 schrieb sie in einem Gastbeitrag für die New York Times, rassistische Rhetorik werde eingesetzt, um Amerikaner gegeneinander aufzuhetzen – zum Vorteil einer wohlhabenden Elite. Wenn die arbeitende Bevölkerung in den USA zu sehr damit beschäftigt sei, einander zu bekämpfen, würden die realen Probleme nicht angegangen.
Die Trump-Regierung dreht den Spieß nun um und wirft Omar Hassrede vor. Im September bezeichnete das Ministerium für Innere Sicherheit eine Rede Omars als „eklatantes Beispiel für hasserfüllte Rhetorik“. Omar hatte die Einwanderungsbehörde ICE kritisiert und deren Abschaffung gefordert.
Dass Ilhan Omar am 3. November zur Wiederwahl antritt, macht die Hausdurchsuchung besonders brisant: In der Regel sieht das Justizministerium 60 Tage vor einer Wahl davon ab, Schritte gegen Kandidierende zu unternehmen, die das Wahlergebnis beeinflussen könnten.
Donald Trump hatte am Wochenende in einer Wahlkampfrede über Omar gesprochen. „Mal sehen, was passiert“, sagte er. Der Präsident dürfte es da schon gewusst haben. Nach der Hausdurchsuchung sagte Trump, er halte Omar für eine schreckliche Person. „Aber ich habe nichts damit zu tun.“
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