Frauen-Bundesliga: Entscheidet sich die Meisterschaft bald über Playoffs?
Por Von Anna Dreher — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport
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Um die Frauen-Bundesliga weiterzuentwickeln, will der Ligaverband Montagsspiele abschaffen – und erwägt einen Spielmodus, den es im deutschen Fußball bisher so nicht gegeben hat.
Von Anna Dreher
E in paar Minuten zuvor hatten die Delegierten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) auf diesem außerordentlichen Bundestag der Ausgliederung der Frauen-Bundesliga zugestimmt. Dann schaltete sich Katharina Kiel von New York nach Frankfurt am Main zu. Sie war jetzt auch neue Vizepräsidentin des DFB, aber sie sprach vor allem als Präsidentin des Ligaverbandes FBL e.V., der seit dem Bundestagsentscheid Mitte September die höchste deutsche Spielklasse verantwortet. Der Anspruch, sagte die 34-Jährige vor ihrem Laptop, sei klar: „Wir wollen den Frauenfußball international wettbewerbsfähiger machen, ihn sportlich weiterentwickeln, mehr Menschen begeistern und ihn am Ende auch ökonomisch weiterentwickeln.“
Wie sich der Ligaverband den Weg dorthin vorstellt, war hier und da schon durchgedrungen. Nun ist offiziell klar, dass auch eine Route denkbar ist, die bisherige Strukturen auf den Kopf stellen würde.
Am Mittwoch hat der FBL e.V. den Verkauf der nationalen Medienrechte für die Bundesliga und den Supercup in den Spielzeiten 2027/28 und 2028/29 gestartet. Die unterschiedlich komponierten vier Live-Pakete und zwei Angebote für Spielberichte und Zusammenfassungen sind aufgeteilt in zwei Szenarien. Bei der „evolutionären“ Variante würde sich nicht viel ändern am bisherigen Modus mit Hin- und Rückrunde – Meister wird, wer am Ende die Tabelle anführt. Und dann gibt es noch das Szenario „revolutionär“, das es in dieser Form im deutschen Fußball bisher nicht gegeben hat: mit Playoffs um die Meisterschaft sowie um den Auf- und Abstieg. Das brächte insgesamt sieben Entscheidungsspiele mehr. Insbesondere die vier Partien, in denen die vier Bestplatzierten den deutschen Meister ermitteln, dürften Stoff für Diskussionen abgeben – und ihn weiterhin liefern.
Dann würde nicht mehr jenes Team reüssieren, das die meisten Punkte gesammelt hat, sondern jene Mannschaft, die sich nach zwei Halbfinals in einem Finale durchgesetzt hat. Es gäbe dann auch ein Spiel um Platz drei, dessen Sieger in der Champions League antreten könnte. Der Liga brächten all dies zusätzliche Vermarktungsmöglichkeiten. Die beiden Spitzenklubs VfL Wolfsburg und Doublesieger FC Bayern bilden hier allerdings eine starke Opposition, sie halten nichts von derlei Überlegungen. „Am Ende muss die Mannschaft Meister werden, die über die ganze Saison die besten Leistungen erbracht hat“, sagte Bayerns Frauenfußball-Direktorin Bianca Rech zuletzt. Von einer Abwertung der Liga sowie der Saisonleistung war die Rede. Wolfsburgs Geschäftsführer Dieter Hecking beurteilte Playoffs als „eher kontraproduktiven Eingriff in den Wettbewerb“. Außerdem könne eine Überbelastung drohen, wenn es parallel im DFB-Pokal und in der Champions League in die entscheidende Phase geht.
Weniger strittig dürfte die Umstrukturierung des Spieltags sein: weg von sieben Anstoßzeiten verteilt auf vier Tage, inklusive des bei den Zuschauern unbeliebten Montagabend; hin zu drei festen Terminen mit einer Partie am Freitag, einer am Samstag – und fünf gleichzeitig laufenden Spielen am Sonntag, die zu einer Konferenz werden sollen. Vier sogenannte Leuchtturmspieltage sollen in den Länderspielphasen der Männer mehr Aufmerksamkeit bringen. „Wir stellen die Frauen-Bundesliga neu auf – und der Spieltag ist ein zentraler Teil davon“, wird Kiel in der Mitteilung zitiert: „Wir wollen neue Impulse setzen und zugleich stärker auf das eingehen, was unseren Fans wichtig ist.“ Das heißt auch, dass mehr Partien frei empfangbar übertragen werden sollen. Pro Saison sollen es 37 sein, auch die Playoffs sollen fürs Free-TV angeboten werden.
„Diese Rechtevergabe ist für uns eine strategische Weichenstellung“, sagte Kiel. Wichtig seien auch „Reichweite, Sichtbarkeit und Medienpartner, die die Entwicklung der Frauen-Bundesliga langfristig unterstützen“, nicht allein die Summe. Dabei wäre eine Steigerung für die Entwicklung wichtig. Gerade nehmen die 14 Klubs pro Jahr insgesamt rund 5,2 Millionen Euro ein aus den seit 2024/25 laufenden Verträgen mit ARD, ZDF, Dazn, Sky, Sport1 und MagentaTV. Von den neuen Paketen können Medienunternehmen einzelne, mehrere oder alle erwerben. Die Gespräche sollen ab 7. Oktober starten, im November verbindliche Angebote vorliegen.
Ob es zur Revolution kommt, entscheiden die 14 Bundesligaklubs bei ihrer Versammlung am 30. November. Und da könnte die Abstimmung am Ende auch 12:2 ausgehen – gegen die beiden Meister der vergangenen 14 Jahre.
Die 33-Jährige ist die erste Präsidentin des frisch gegründeten Frauen-Bundesliga-Verbands – und befindet sich mittendrin in einem Machtkampf, der aus dem Männerfußball rüberschwappt.
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