Frankfurt gegen Freiburg: Klopps Motivationskur wirkt
Por Von Frank Hellmann, Frankfurt — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport
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Von den sieben für das DFB-Team ausgewählten Profis aus Frankfurt und Freiburg treffen im direkten Duell drei. Den größten Schub verspürt Derry Scherhant, der seit dem Anruf des Bundestrainers „sehr, sehr happy“ ist.
Von Frank Hellmann, Frankfurt
E s ist natürlich nachvollziehbar, dass Jürgen Klopp bereits übers Wochenende in Herzogenaurach weilte. Der Bundestrainer versammelte seinen Stab zu einer Art Watch-Party, um die quer über Europa verteilten Auftritte seiner 44 Auserwählten zu verfolgen. Eine gute Alternative wäre ansonsten der kurze Abstecher aus seinem Wohnort in Wiesbaden über die A66 und die A3 in die Frankfurter Arena zum Bundesligaspiel von Eintracht Frankfurt gegen den SC Freiburg (2:2) gewesen. Zur Aufführung kam im ausverkauften Waldstadion der unterhaltsame Nachweis, welch motivierende Wirkung der XXL-Kader in die feinsten Vereinsverästelungen entfaltet hat.
Zusammen boten beide Klubs 13 deutsche Spieler in der Startelf auf, darunter sechs von sieben nominierten Klopp-Kandidaten. Drei trugen sich gleich mal in die Torschützenliste ein: Frankfurts Stürmer Younes Ebnoutalib (10.) und Jonathan Burkardt (36.) ebenso wie Freiburgs Flügelmann Derry Scherhant (34.), der auch noch den Ausgleich des Japaners Yuito Suzuki mit einer Maßvorlage auflegte (48.). Die Auszeichnung zum „Spieler des Spiels“ empfing verdientermaßen der vom überforderten Eintracht-Rechtsverteidiger Elias Baum nie zu haltende Linksaußen Scherhant, der beim Schaulaufen künftiger Nationalspieler herausstach und nunmehr bei neun Scorerpunkten in sieben Pflichtspielen steht.
„Ich war die ganze Woche seit dem Anruf sehr, sehr, sehr happy, und vielleicht hat es mir irgendwie einen Push gegeben“, sagte Scherhant. Seine leuchtenden Augen illustrierten den Tiefeneffekt der Bundestrainer-Wahl. Ihn habe es jedenfalls mächtig angespornt, dass Klopp bereits im Juli betont habe, er wolle auf jeden Spieler schauen, der einen deutschen Pass besitzt. Scherhant, 23, gebürtiger Berliner, verzichtete daraufhin auf große Teile seines Sommerurlaubs. Stattdessen schob er Extraschichten mit seinem Perfomance-Coach Fabion Jöck: „Man lernt ja dazu. Wenn man den nächsten Step machen will, muss man was tun“, dozierte Scherhant. Der Lohn fürs Schwitzen: „Jetzt darf ich zur Nationalmannschaft.“
Als einziger aus dem Sport-Club-Quartett reist der top fitte Scherhant zwar erst zum zweiten Block mit der dritten Nations-League-Partie gegen Serbien (1. Oktober) und dem Abschluss in Griechenland (4. Oktober) an, aber das schmälert die Vorfreude keineswegs. Den Frankfurter Keeper Noah Atubolu kenne er schließlich noch aus Freiburg „und noch ein paar andere Jungs von der U21, das passt schon“. Es ist eine schöne Wertschätzung für diesen unaufgeregten Standort, an dem allmählich ein Spitzenteam wächst. Nur Trainer Julian Schuster klang eher abwartend, was das Rampenlicht mit jedem einzelnen mache: Eine Nominierung sei „ein schmaler Grat: Es kann eine Motivation und Bestätigung sein. Es kann aber auch eine Gefahr sein, dass du überpacen möchtest“. Immerhin: Seine Spieler hätten „die richtige Balance“ gefunden.
Dem vierten Bundesligasieg im vierten Saisonspiel kamen die über weite Strecke dominanten Gäste aus dem Breisgau jedenfalls am Ende so nahe, dass Eintracht-Coach Adi Hütter zugab: „Zu einem Sieg gehört auch die Leistung, und die haben wir nicht gebracht.“ Seine finstere Miene hellte sich erst auf, als er über sein für die DFB-Auswahl berufenes Trio sprach. Torwart Atubolu, 24, habe genau wie seine Angreifer Ebnoutalib, 23, und Burkardt, 26, einen „zusätzlichen Motivationsschub“ erhalten. Dass Freiburg ein Quartett abstelle, überrasche ihn keineswegs, sondern sei wegen der eingespielten Abläufe nur logisch, sagte der Österreicher: „Klopp hat eine klare Idee, wie er den Kader zusammenstellt.“
Trotzdem fiel die Freiburger Fraktion bei den Anrufen aus allen Wolken. Mittelfeldspieler Yannik Engelhardt, 25, erzählte rückblickend, er hätte zuerst Nummer und Profilbild checken müssen, „weil ich null Komma null damit gerechnet habe“. Die Abordnung aus dem Schwarzwald – woher ja auch Jürgen Klopp stammt – entdeckt Parallelen zwischen den Ansätzen auf Vereins- und DFB-Ebene. „Ich glaube, er will ein intensives Spiel haben, was zu meinem Spiel passt, lauffreudig, viel mit und gegen den Ball, was uns als Freiburg auszeichnet“, sagte der fleißige Engelhardt. Der von Klopp vorab bereits für seine Unermüdlichkeit gelobte Rechtsverteidiger Philipp Treu, 25, fügte an: „Natürlich wäre ich auch gerne als Tabellenführer zur Nationalmannschaft gefahren. Aber jetzt sind wir wieder die Jäger. Und das macht uns auch Spaß.“ Und was sich der Draufgänger für die nächsten Tage in Herzogenaurach vorgenommen hat? „Zeigen, wer Philipp Treu ist. Zeigen, was ich draufhabe. Feuer frei!“
Jürgen Klopp darf sich am Montag auf einige tatendurstige Protagonisten freuen.
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