Formel 1: Max Verstappen erlöst Red Bull nach 301 Tagen

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Por Von Anna Dreher — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

Lesezeit: 4 Min.

Max Verstappen gewinnt beim Großen Preis von Bahrain in Malaysia sein erstes Rennen in dieser Saison. Doch nach dem Chaos rund um den verzögerten Start muss die Formel 1 einiges aufarbeiten.

Von Anna Dreher

D ie etwas peinliche Stille passte zu all den Turbulenzen an diesem Sonntag, aber sie erfüllte die Siegerehrung nicht lange. Gerade war die wummernde Partymusik gestoppt worden, damit die niederländische Nationalhymne abgespielt werden konnte, als nach einer Pause erst kein Sound und dann wieder Partymusik und dann wieder kein Sound zu hören war. Aber während an den Reglern vermutlich in größter Hektik „Het Wilhelmus“ gesucht wurde, waren die Zuschauer auf der Tribüne immerhin vorbereitet. „Dubdubdubdub, Max Verstappen! Dubdubdubdub, Max Verstappen!“, huldigte das Publikum dem Sieger des Großen Preis von Bahrain, der diesmal nach Malaysia ausgewichen war. Bis dann doch jenes Lied erklang, das seit dem Großen Preis von Abu Dhabi am 7. Dezember 2025 nicht mehr in diesem Moment abgespielt worden ist.

Max Verstappen stand ganz oben auf dem Podium, neben ihm der Zweitplatzierte Kimi Antonelli und der Drittplatzierte Lewis Hamilton, und er wirkte ergriffen. Sein Vater Jos war es definitiv, der frühere Formel-1-Fahrer hatte Tränen in den Augen, während er die Zeremonie beobachtete. „Es geht wieder richtig bergauf“, sagte Jos Verstappen am Sky-Mikrofon: „Es sollte gut aussehen für den Rest der Saison.“ Die ist zwar nicht mehr allzu lang, noch sieben von 23 Rennen sind in diesem Jahr übrig. Und mit dem WM-Kampf hat Max Verstappen in dieser Saison auch nichts zu tun, den Titel dürfte sich aller Wahrscheinlichkeit nach Mercedes-Pilot Antonelli schnappen. Er hat mit 320 Punkten nun 84 Zähler mehr als sein Teamkollege George Russell. Aber nach großer Unruhe im Team mit den Weggängen prägender Köpfe wie Designgenie Adrian Newey und zuletzt durchwachsenen Monaten, in denen Verstappen gar Spekulationen um seinen Abschied befeuerte, war der 72. Sieg seiner Formel-1-Karriere doch ein besonderer.

Der Ausfall der Rennen am Persischen Golf trifft die Rennserie hart. Jetzt wird der Grand Prix von Bahrain in Malaysia nachgeholt. Das Saisonfinale in Katar und Abu Dhabi soll dagegen stattfinden.

Der viermalige Champion ist nach den beiden siebenmaligen Weltmeistern Michael Schumacher (1992 bis 2006) und Lewis Hamilton (2007 bis 2021) nun der dritte Fahrer, der zehn Saisons nacheinander mindestens je ein Rennen gewinnen konnte. Vor allem aber war dieser erste Platz ein Signal für die Zukunft, ein Mutmacher für das eigene Team, dass Erfolge weiterhin möglich sind. Und es war der erste Sieg mit einem selbst gebauten Motor. Schon die Pole-Position hatte die Dominanz an diesem Wochenende unterstrichen – wenngleich Verstappen die Führung direkt an Mercedes verloren hatte und sich den ersten Platz zurückerobern musste in einem Rennen mit zahlreichen Duellen, Safety-Car-Phasen und einem chaotischen, verzögerten Start wegen Unwetters und Software-Problemen. „Es ist unglaublich“, sagte Verstappen, „gleich im ersten Jahr mit unserer eigenen Antriebseinheit das erste Rennen zu gewinnen, ist schon ziemlich beeindruckend.“

Als Honda 2020 den Ausstieg aus der Formel 1 ankündigte (und ihn später revidierte), brachte das die Entscheidung, mit Red Bull Powertrains eine eigene Motorenentwicklung zu starten. 2023 wurde daraus eine Kooperation mit Ford; seit dieser Saison ist der DM01 – die Initialen des verstorbenen Red-Bull-Mitgründers Dietrich Mateschitz – die Antriebskraft. Ein Neustart passend zur Regelrevolution, durch die der Elektroantrieb fast die Hälfte der gesamten Leistung ausmacht. „Das ist ein besonderer Moment, denn das wird für immer der erste Sieg sein für die Red Bull Powertrains nach gerade einmal 16 Rennen“, sagte Teamchef Laurent Mekies. Das Auto habe sich Woche für Woche verbessert, und „Max war unantastbar heute“.

Tatsächlich war Verstappen schon beim vergangenen Stopp in Baku äußerst nah dran gewesen am Sieg, George Russell kam nur 0,196 Sekunden früher ins Ziel als er. Und auch diesmal hätte es knapper werden können als die zwei Sekunden, die Verstappen vor Antonelli ins Ziel kam – doch der 29-Jährige war clever, als in der 51. von insgesamt 55 Runden das Safety-Car zum wiederholten Male bei diesem turbulenten Rennen die Strecke wieder freigab. Kurz zuvor hatte Russell seinen Mercedes mit einem technischen Defekt abstellen müssen, ansonsten wäre er wohl auf dem Podium gelandet. Der Brite war zweifelsfrei der Verlierer des Tages. „Irgendwann kann man nur noch lachen“, sagte er. „Über Enttäuschung bin ich hinaus. So oft in dieser Saison passiert irgendetwas.“ Der Titel? „Unheimlich unwahrscheinlich.“

Schon bevor sich abzeichnete, über welche Geschichten sich die Zuschauer nach diesem 16. Saisonstopp unterhalten würden, stand fest, dass dieses Rennen ein besonderes sein würde. Denn wegen der angespannten politischen Situation nach dem Angriff der USA auf Iran fand der Grand Prix von Bahrain nicht auf der arabischen Insel und im Frühjahr statt, sondern in Malaysia im Herbst. Im Kalender stehen noch Katar am 29. November und Abu Dhabi mit dem Saisonfinale am 6. Dezember, nach einer Aussage von Formel-1-Chef Stefano Domenicali am Samstag soll dann wie geplant in der Golfregion gefahren werden. Für Bahrain aber hatte die Serie eine Alternative gesucht. Und so kehrte die Formel 1 erstmals seit 2017 auf den Sepang International Circuit zurück. Auch damals hieß der Sieger Max Verstappen.

Zumindest optisch sollte keine Verwechslungsgefahr bestehen. Von der Bandenverkleidung bis zur Blumenvase zwar war alles eingepackt, umgezogen und aufgebaut worden. Aber am Sonntag war dann schnell klar, dass sich das Wetter nicht an die Wüstenregion anpasste: Es regnete, donnerte und blitzte. Der Start verzögerte sich letztlich um mehr als anderthalb Stunden, was dann auch ganz neue Erkenntnisse offenbarte. Aufgrund der Nässe wurden aus Sicherheitsgründen bei allen Autos die Software-Einstellungen verändert, in Sepang wurde die Leistung der Batterie gesenkt. Das Problem war nur: Das hatte es in diesem Jahr noch nicht gegeben und war so auch nicht getestet worden. Die Autos kamen mit der Konfiguration nicht klar, manche blieben mit Aussetzern stehen, andere konnten nicht mehr beschleunigen. „Es war eine Kombination verschiedener Umstände“, erklärte Nikolas Tombazis von der FIA. „Manche Autos sind in der Formationsrunde sehr langsam gefahren. Das hat die Software durcheinandergebracht.“

Der Automobil-Weltverband kündigte noch am Sonntag eine Aufarbeitung an, „gemeinsam mit den Teams und den Herstellern der Antriebseinheiten“, wie es in einem Statement hieß. Erst nach einem Update, das den Start abermals verzögerte, konnte gefahren werden. Dieses Schauspiel trübte die Freude von Max Verstappen dann noch etwas, er erhielt frischen Stoff für seine Kritik am neuen Reglement. „Das ist unser Problem: Dass die Motoren so kompliziert sind, dass sie so sehr von der Software abhängen“, sagte er: „Das ist nicht, was wir in diesem Sport haben wollen. Ich hoffe, dass wir daraus lernen.“

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