Festakt in Augsburg: Ein Preis für Merkels „inneren Kompass“
Por Von Florian Fuchs — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport
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Die Caritas ehrt die Bundeskanzlerin a.D. im Goldenen Saal in Augsburg für ihre Verdienste um ein respektvolles Miteinander. Angela Merkel bedankt sich mit einem Ratschlag für die Stürme dieser Zeit.
Von Florian Fuchs
Lange ist das Rathaus in Augsburg saniert worden. Asbest, Brandschutz, Decken und Böden. Der Goldene Saal, eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt, war deshalb über viele Jahre nicht zugänglich. An diesem Abend aber, da öffnet der Prunksaal im Renaissance-Stil wieder seine Pforten. Ein würdiger Rahmen für Angela Merkel, Bundeskanzlerin a.D. und einst als mächtigste Frau der Welt tituliert.
Merkel also kommt in den Saal, blickt erst einmal nach oben, setzt sich, blickt wieder nach oben zur prächtigen Decke. Aber eigentlich ist Angela Merkel ja nicht wegen des im Wortsinn Goldenen Saals nach Augsburg gekommen, „fantastisch“ nennt sie ihn. Sondern um den Elisabethpreis des Caritasverbands entgegenzunehmen. Eine Urkunde und eine Figur der Heiligen Elisabeth von Thüringen bekommt sie übergeben, der Schutzheiligen des Verbands – doch die Auszeichnung ist viel mehr als das.
Es soll eine Preisverleihung sein, die Merkel für ihren „inneren Kompass“ ehrt, heißt es vonseiten der Caritas, und die gleichzeitig Auftakt ist für die dreitägigen Feierlichkeiten des Verbandes unter dem Motto: „Zusammen geht was! Caritas verbindet Generationen.“
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Womit der Ton gesetzt wäre für einen Abend, der ja verbinden soll, der aber gerade deshalb immer wieder um die Spaltung in der Gesellschaft kreist. Und ebenso um den Spaltkeil zwischen den Generationen, wie es Eva Welskop-Deffaa, Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes, ausdrückt.
Als Physikerin, als Frau mit Ost-Biografie und als Christin habe Merkel das Amt der Bundeskanzlerin mehr als 16 Jahre lang „mit herausragender Verantwortungsbereitschaft“ ausgeübt. „Rationalität, Liebe zu Freiheit und Gerechtigkeit und Nähe zu den Menschen“ hätten ihre Kanzlerschaft geprägt, sagt Welskop-Deffaa. Und Diakon Markus Müller, Direktor des Caritasverbandes für die Diözese Augsburg, betont: „Gerade in einer Zeit, in der gesellschaftliche Gräben tiefer werden, ehren wir eine Haltung, die Brücken baut statt Mauern.“
Tatsächlich, sagt Merkel, habe sie in ihrer Amtszeit immer versucht, die Unterschiede zwischen den Menschen auszuhalten, wofür ihr die Laudatorin, die Kabarettistin Sarah Bosetti, zuvor ausdrücklich gedankt hatte. Gewarnt hatte Bosetti, dass die Menschen heute, die vergangenen Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin lassen grüßen, „lieber Menschenfeinde wählen, als Unterschiedlichkeiten zu ertragen“.
In der DDR, sagt Merkel, seien Unterschiede verpönt gewesen. Alle, die sich nach einfachen Antworten sehnen, sollten sich vor Augen führen, dass sie am Ende so gut wie nie recht bekämen. Eben weil die Menschen so verschieden sind. „Wenn nur wenige sagen, was richtig ist, kommen all die anderen nicht mehr zu Wort.“
Merkel lobt deshalb die Filme über „Mutmacher“, die die Caritas eingespielt hatte. Über die Mutter eines Frühchens, das mit 490 Gramm auf die Welt kam. Über eine Alleinerziehende, über einen Mann mit Beeinträchtigung, der es mit Fleiß und Hartnäckigkeit auf den ersten Arbeitsmarkt geschafft hat. Und über einen Syrer, der vor Jahren nach Deutschland gekommen war, nun als stellvertretender Filialleiter eines Unternehmens arbeitet und sich bei der Freiwilligen Feuerwehr engagiert.
„Wir schaffen das“, ihre berühmten Worte habe sie damals mit Bedacht gewählt, sagt Merkel. Es sei eine große Herausforderung gewesen, und nicht alles sei gelungen, was man sich damals vorgenommen habe. „Aber daraus zu schlussfolgern, wir nehmen uns gar nichts mehr vor, wäre auch falsch.“
Der Preis, betont Merkel, sei deshalb auch eine Wertschätzung für das, was die Caritas in diesem Land leiste. Der Verband helfe Jahr für Jahr 13 Millionen Menschen, „ein großer Baum in der Hilfslandschaft“. Vielleicht, sagt Merkel mit Blick auf die Caritas-Patronin Elisabeth und die „Stürme dieser Zeit“, müssten nur alle einsetzen, was der Herrgott ihnen gegeben habe, um anderen zu helfen. „Um dann erstaunt festzustellen, dass wir damit glücklicher sind als vorher.“
In keiner Großstadt im Freistaat leben so viele zufriedene Menschen wie in Augsburg, dabei fühlten sie doch gerade dort immer abgehängt.
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