Elternkolumne „Die Erziehungsberechtigten“: Sprengelschule? Nein danke

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Elternkolumne „Die Erziehungsberechtigten“ Sprengelschule? Nein danke

15. Oktober 2026, 9:46 Uhr |

Lesezeit: 2 Min.

Kolumnist Patrick Bauer.
Kolumnist Patrick Bauer. Lorenz Mehrlich

Unser Kolumnist will seine Tochter nicht auf die Grundschule im Sprengel schicken – und hat deswegen ein schlechtes Gewissen.

Von Patrick Bauer

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W ir hatten diese Woche einen merkwürdigen Termin mit unserer jüngsten Tochter. Eigentlich einen schönen: Wir haben sie für die Schule angemeldet. In einem Jahr ist es so weit. Dann sind wir Eltern von drei Schulkindern, was irritierend ist, weil ich doch die Schule selbst gerade erst verlassen habe?!

Die Anmeldung findet in Berlin in der Sprengelschule statt, in deren Einzugsgebiet man lebt. Die liegt direkt ums Eck. Unsere Tochter könnte allein rüberlaufen. Wird sie aber nicht, wenn alles klappt. In Wahrheit waren wir nämlich dort, um sie abzumelden.

Wir füllten ein Formular aus, auf dem wir eine Grundschule in weiterer näherer Umgebung eintrugen, die uns passender erscheint (und die sie bei der Besichtigung toll fand) – und zwei weitere Alternativen, die wir vorziehen würden. Bis Mai entscheidet das zuständige Amt, ob unserem Wunsch entsprochen wird.

Jeder, der unsere Sprengelschule kennt, hatte uns von ihr abgeraten – sogar die Lehrer auf dem Infotag der Sprengelschule. Die Herausforderungen dieser Schule sind die Herausforderungen vieler Schulen in sogenannten Brennpunkten. 95 Prozent der Schüler kommen aus Familien, die staatliche Hilfsleistungen empfangen. Und: 95 Prozent der Schüler sprechen zu Hause nicht Deutsch. Ich hatte das Gefühl, dass das Kollegium wirklich engagiert ist und sich auf die Bedürfnisse dieser Kinder einstellt. Es sind nur leider nicht die Bedürfnisse unserer Tochter. Also waren wir diese Woche hoffentlich zum letzten Mal mit ihr in dieser an sich schönen Schule, und ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil die nette Sekretärin denken musste, das hier sei uns nicht gut genug.

Nun beschreibt „Brennpunkt“ unsere Gegend nur unzureichend. Die Wohnlage ist begehrt. Die Anwohnerschaft verändert sich. Aber wie das so ist mit der Gentrifizierung: Die neuen Nachbarn haben (noch) keine Kinder. Oder schicken sie woanders auf die Schule (wie wir).

Meine Grundschule hatte vor 15 Jahren einen sehr schlechten Ruf bekommen

Über dieses Thema habe ich vor 15 Jahren ein Buch geschrieben. Ich suchte die Kinder aus meiner Kreuzberger Grundschulklasse und zeichnete entlang ihrer Lebensgeschichten nach, wie krass der Bildungserfolg von der Herkunft abhängt. Mich verstörte damals, dass Eltern, die das heterogene Miteinander in einer Stadt wie Berlin in der Theorie feiern, in der Praxis bereit waren, ihren Nachwuchs auf sehr homogene Besserschulen zu schicken. Unser Ältester war damals noch ein Baby. Wir zogen bald darauf nach München und schulen also jetzt zum ersten Mal ein Kind in Berlin ein. Aber ich habe in meinem eigenen Buch nachgeschlagen und war beruhigt, dass ich nach der Recherche schon ehrlich genug war zu schreiben: „Ich weiß mittlerweile, dass ich meinen Sohn, wenn er zur Schule geht, nicht auf die nächstbeste Grundschule schicken werde.“

Meine Grundschule hatte vor 15 Jahren übrigens einen sehr schlechten Ruf bekommen. Aber das ist ja manchmal – siehe „Rütli“ – das Beste, was einer Einrichtung passieren kann, weil dann im Zweifel plötzlich Geld und Ideen da sind.  Mittlerweile ist die Schule sehr beliebt. Sie ist auch der „Erstwunsch“ für unsere Tochter.

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