Dortmund gegen Union Berlin: Ein Spiel wie eine neunzigminütige Karambolage

0

Por Von Javier Cáceres, Berlin — Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

Lesezeit: 3 Min.

Gegen Union Berlin zeigt der BVB mehr Leidenschaft als zuletzt in der Champions League. Dass Kreativität fehlt, führt Sportdirektor Book auf andere Faktoren zurück als allein den Ausfall eines Künstlers.

Von Javier Cáceres, Berlin

N ichts gegen Waldemar Anton, wäre ja noch schöner. Anton, der vor rund 30 Jahren erstmalig in Olmaliq, Usbekistan, das Licht der Welt erblickte, ist ein solider Abwehrmann, sowohl in bislang 260 Bundesligaspielen (unter anderem für seinen aktuellen Verein Borussia Dortmund) wie auch in 17 Einsätzen für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Es liegt mithin in der Natur der Sache, dass Anton, oder Spieler wie er, eher selten herausragen. Noch seltener, dass sie zum „Man of the Match“ gekürt werden. Am Samstag aber war dem so, und das erzählte einiges über den überschaubaren Mehrwert der Partie des BVB beim 1. FC Union Berlin. Denn sie endete mit jenem Resultat, das den uruguayischen Schriftsteller Eduardo Galeano an zwei offene, gähnende Münder erinnerte, sprich: mit 0:0.

Bei Union Berlin waren sie darob insofern recht zufrieden, als es nach dem Köpenicker 1:0-Sieg der Vorwoche gegen die SV Elversberg schon das zweite Spiel ohne gegnerisches Tor war. Union hatte zuvor 17 Gegentreffer eingesammelt; in der aktuellen Bundesligasaison ist das Team nur deshalb nicht die Schießbude der Nation, weil Borussia Mönchengladbach auch mitwirkt. Beim BVB hingegen waren die Gesichter betreten und die Töne so kleinlaut, dass man mitunter die Ohren spitzen musste, wenn die Verantwortlichen sprachen.

Sechs Tore in den vergangenen fünf Spielen: Im nun 100 Jahre alten Weserstadion arbeitet Niclas Füllkrug an seinem Legendenstatus. Neben ihm wächst die ganze Bremer Mannschaft.

Das hatte mehr mit den vorangegangenen Partien zu tun denn mit der aktuellen Leistung. Zur Erinnerung: Beim ersten Auftritt nach der langen Länderspielpause hatten sich die Dortmunder in der Schlussphase durch Werder Bremen (sprich: durch Niclas Füllkrug) das Fett vom Bütterken nehmen lassen (2:2), danach verlor Dortmund in Norwegen bei Bodö/Glimt in der Champions League mit 0:1. Das torlose Unentschieden bei Union war mithin das dritte sieglose Spiel in Serie, und allein das rechtfertigte, dass die mitgereisten Anhänger, darunter so einige der sogenannten „Allesfahrer“, im Stadion An der Alten Försterei nach Spielschluss vernehmlich murrten.

Sie dürften geahnt haben, was sich Stunden später zutragen sollte: dass der BVB in der Tabelle hinter den zuletzt eher nachlässigen FC Bayern zurückfiel. Ob so „eine kleine Krise“ aussehe, lautete also eine der Fragen, die unter anderem Anton ertragen musste. Nein, antwortete Anton, man mache eher „eine kleine Erfahrung“ durch: „Du willst ja Spiele gewinnen. Wir sind Borussia Dortmund und wollen alles gewinnen. Jedes Spiel. Und wenn du es nicht machst, fehlt dir etwas und den Fans auch.“

Dieses Gefühl potenziert sich, wenn der Mangel an Dreiern nicht durch eine anderweitige Labsal kompensiert wird, und ein ästhetischer Genuss war die Partie beileibe nicht. Anton durfte als „Man of the Match“ eine Ballminiatur heimtragen, ein Autoscooter wäre als Preis passender gewesen. Denn das Spiel war im Grunde eine 90-minütige Karambolage und Anton überragend, weil er 26 von 35 Zweikämpfen gewann und diesbezüglich eine höhere Erfolgsquote aufwies (76 Prozent) als jeder andere Akteur auf dem Rasen. Das war auch deshalb imposant, weil der 30-Jährige unter den drei Dortmundern war, die in der Anfangsviertelstunde von Referee Daniel Schlager verwarnt worden waren.

Dortmunds Trainer Niko Kovac freute sich einerseits daran, dass seine Mannschaft mehr Leidenschaft zeigte als drei Tage zuvor auf dem norwegischen Kunstrasen in der Champions League: „Es war deutlich besser als am Polarkreis“, flüsterte er. Andererseits klagte der 55-Jährige – oder müsste es heißen: sogar er? – über einen Mangel an Kreativität. Allzu laut tat er das auch im übertragenen Sinne nicht, denn auch Kovac weiß, dass der Einfallsreichtum nicht zu den Kernkompetenzen jener Spieler gehört, die er ins Mittelfeld stellt; allen voran der mit großartigen anaeroben Fähigkeiten ausgestattete Jobe Bellingham. Er leistete sich auch in Köpenick Fehlpässe, auf die man erst mal kommen muss.

Auch dadurch trat deutlich zutage, dass der griechische Künstler Giannis Konstantelias vermisst wird, der 23-Jährige muss einen im August erlittenen Kreuzbandriss auskurieren. BVB-Sportdirektor Ole Book führte den Mangel an fußballerischem Einfallsreichtum am Samstag allerdings auf andere Faktoren zurück. „Wenn wir mutiger werden, dann spielen wir auch echt guten Fußball, dann können wir den Gegner auch unter Druck setzen“, analysierte Book und bezog sich damit auf die eher zaghafte Anfangsphase von Berlin: „Wenn wir zurückliegen, wie in Norwegen, oder wenn wir das Gefühl haben, am Ende läuft die Zeit weg, werden wir deutlich besser. Das ist das Thema, dem wir uns widmen sollten.“

Die nächste Gelegenheit bietet sich am Dienstag in der Champions League beim FC Sabah, der in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku wartet. Borussia Dortmund wird dort ohne seinen zweiten griechischen Zugang der Saison antreten müssen: Der 18-jährige Konstantinos Karetsas verletzte sich bei einem Zweikampf mit Rani Khedira am Sprunggelenk und fällt vorerst aus.

Lesen Sie mehr zum Thema

In anspruchsvollen Berufsfeldern im Stellenmarkt der SZ.

Sie möchten die digitalen Produkte der SZ mit uns weiterentwickeln? Bewerben Sie sich jetzt! Jobs bei der SZ Digitale Medien

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten :

Fonte: Top – Themen – Nachrichten aus Politik, Wirtschaft und Sport

Deixe um comentário

O seu endereço de email não será publicado. Campos obrigatórios marcados com *